{"id":156,"date":"2018-03-29T21:43:39","date_gmt":"2018-03-29T19:43:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=156"},"modified":"2019-01-22T11:21:32","modified_gmt":"2019-01-22T10:21:32","slug":"ein-koenig-stirbt-bibelstudium-zum-karfreitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/03\/29\/ein-koenig-stirbt-bibelstudium-zum-karfreitag\/","title":{"rendered":"&#8222;Ein K\u00f6nig stirbt&#8220; &#8211; Bibelstudium zum Karfreitag"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_159\" aria-describedby=\"caption-attachment-159\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-159 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix-100x100.jpg 100w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Kruzifix.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-159\" class=\"wp-caption-text\">Kruzifix in Saas Fee<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als meine Ehefrau im Herbst 2016 noch einigermassen reisef\u00e4hig war, besuchten wir Saas Fee im Wallis. Dort entstand nebenstehendes Bild vom gekreuzigten Christus. \u00dcber Kruzifixe kann man geteilter Meinung sein. &#8222;Wir haben keinen toten Heiland, Jesus lebt&#8220;, wird oft &#8211; und nat\u00fcrlich auch zu Recht &#8211; argumentiert. Aber ohne Karfreitag gibt es kein Ostern, ohne Kreuzestod keine Auferstehung! Jedenfalls hat mich dieses Kreuz angesprochen, nicht wegen der Skulptur mit allem Drum und Dran, sondern wegen dem Zitat aus Philipper 2,8. &#8222;Er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.&#8220; Damit wird die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu auf den Punkt gebracht.<!--more--><\/p>\n<p>Karfreitag ist der Tag, an welchem Jesus Christus f\u00fcr uns am Kreuz gestorben ist. Das Wort &#8222;kar&#8220; stammt aus dem althochdeutschen &#8222;kara&#8220; und bedeutet Klage, Kummer, Trauer. Aber werden wir dem Karfreitag gerecht, wenn wir ihn als Trauertag betrachten? War der Tod Jesu ein tragisches Schicksal? War Jesus ein Opfer des j\u00fcdischen Klerus und dessen Neid? War Er ein Opfer politischen Kalk\u00fcls des r\u00f6mischen Prokurators?<\/p>\n<p>\u00dcber allem, was mit Jesus an jenem Tag geschah, heisst es in Apostelgeschichte\u00a02,23: <i>&#8222;<\/i><i>So hatte Gott es nach seinem Plan im Voraus bestimmt.<\/i><i>&#8222;<\/i> Aber selbst wenn sein Tod von Gott so vorgesehen war, d\u00fcrfen wir Jesus nicht einer passiven Rolle zuordnen. Er selbst bezeugte \u00fcber sein Ende (Johannes\u00a010,18): <i>&#8222;<\/i><i>Niemand kann mir das Leben nehmen. Ich gebe es aus freiem Entschluss. Es steht in meiner Macht, es zu geben, und auch in meiner Macht, es wieder an mich zu nehmen. Damit erf\u00fclle ich den Auftrag meines Vaters.<\/i><i>&#8222;<\/i><\/p>\n<p>So etwas kann kein gew\u00f6hnlicher Mensch von sich behaupten. Nat\u00fcrlich gibt es Menschen, die sich selbst umbringen. Aber dann ist Schluss. Sie alle k\u00f6nnen das Leben nicht wieder an sich nehmen. Und wenn Jesus sagt: <i>&#8222;Es steht in meiner Macht, es (das Leben) zu geben&#8220;<\/i>, so hat Er, auch wenn Er aktiv in diesen Tod hinein ging, doch niemals sich selbst umgebracht. Das Geheimnis seines Sterbens ist in seiner Sendung begr\u00fcndet, wie wir es oben in Vers 10,18 gelesen haben. Er wurde vom Vater als der &#8222;Messias&#8220;, der Gesalbte Gottes, gesandt. Das heisst, es war sein Sendungsauftrag, K\u00f6nig zu sein. Aber zun\u00e4chst nicht ein K\u00f6nig, der \u00fcber Untergebene befiehlt, sondern der als guter Hirt sein Leben f\u00fcr seine Schafe gibt. Jesus selbst bezeugte seinen K\u00f6nigsanspruch \u00fcberraschend klar vor Pilatus: Johannes\u00a018,37: <i>&#8222;<\/i><i>Ich bin ein K\u00f6nig. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass <\/i><i>I<\/i><i>ch die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der h\u00f6rt meine Stimme.<\/i><i>&#8222;<\/i><\/p>\n<p><b>Abschied<\/b><\/p>\n<p>Ein K\u00f6nig stirbt. Dies ist also die besondere Dimension des Karfreitags, die wir uns vor Augen f\u00fchren wollen. Der Karfreitag war im Todesjahr Jesu identisch mit dem Tag der Pessachfeier. Er begann entsprechend dem j\u00fcdischen Kalender am Donnerstag bei Sonnenuntergang. Da war Jesus zum letzten Mal mit seinen J\u00fcngern versammelt (Johannes Kapitel 13-17). Er feierte mit ihnen Pessach (Kap. 13), gab ihnen die letzten Anweisungen (Kap. 14-16) und betete das hohepriesterliche Gebet (Kap. 17). Alles geschieht in k\u00f6niglicher W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dass Jesus aktiv den Weg des Sterbens geht, sehen wir zum ersten Mal in der Bezeichnung des Verr\u00e4ters. Er weiss genau, wer Ihn verraten wird, versucht jedoch nicht, Judas von seinem Vorhaben abzubringen, sondern befiehlt ihm in k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t (13,27): <i>&#8222;Was du zu tun vorhast, das tu bald!&#8220;<\/i><i> <\/i><i> <\/i>Dieses schnelle Handeln des Verr\u00e4ters war n\u00f6tig, um die prophetischen Voraussagen zu erf\u00fcllen. Die f\u00fchrenden Priester hatten zwei Tage vor dem Fest beschlossen, Jesus zu t\u00f6ten. Doch wollten sie dies keinesfalls w\u00e4hrend des Pessachfests ausf\u00fchren, weil sie einen Volksaufstand f\u00fcrchteten (Matth\u00e4us 26,5). Nach Gottes Plan sollte aber Jesus genau am Pessachfest sterben. So musste Judas, ohne es selbst zu wissen, den Plan der Feinde Jesu beschleunigen.<\/p>\n<p>Anschliessend geht es um den J\u00fcnger Petrus, welcher Jesus verleugnen wird. Ihm sagt Jesus ebenfalls in k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t auf den Kopf zu, dass er Ihn dreimal verleugnen wird (13,38).<\/p>\n<p>In k\u00f6niglicher W\u00fcrde spricht Jesus dann mit seinen J\u00fcngern \u00fcber die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse und gibt ihnen tr\u00f6stliche Anweisungen f\u00fcr die Zeit, in welcher Er nicht mehr sichtbar unter ihnen sein wird (Kap. 14-16).<\/p>\n<p>In k\u00f6niglicher W\u00fcrde betet Jesus in Kapitel 17 und fordert in Vers 24 seinen Anspruch beim Vater ein: <i>&#8222;Vater, Ich will, dass alle, die Du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo Ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die Du mir gegeben hast, weil Du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.&#8220;<\/i><\/p>\n<p><b>Verhaftung<\/b><\/p>\n<p>Nun folgt die Verhaftung im Garten Gethsemane (Kapitel 18). Beachten wir, wie Jesus w\u00e4hrend der ganzen Aktion die Initiative innehat. Er beginnt mit der Frage (Vers 4): <i>&#8222;Wen sucht ihr?&#8220;<\/i> Dann sagt Er ihnen frei heraus: <i>&#8222;Ich bin&#8217;s.&#8220;<\/i> Mit diesen Worten identifiziert Er sich mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der sich einst Mose beim brennenden Busch als der &#8222;Ich bin&#8220; offenbart hatte. Die Wirkung dieser beiden Worte ist hier so gewaltig, dass der Polizeitrupp zu Boden st\u00fcrzt (Vers 6). Dann befiehlt Jesus mit k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t (Vers 8): <i>&#8222;Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!&#8220;<\/i> Auf diese Weise sorgt Er noch w\u00e4hrend seiner Verhaftung f\u00fcr die Sicherheit seiner J\u00fcnger.<\/p>\n<p><b>Verh\u00f6r vor Hannas<\/b><\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Station ist das Verh\u00f6r bei Hannas, dem Schwiegervater des amtierenden Hohepriesters Kajaphas. Als K\u00f6nig geht Jesus gar nicht auf Hannas&#8216; Fragen ein (Verse 20-21). Er l\u00e4sst sich nicht in die Stellung eines Schuldigen dr\u00e4ngen, dessen Delikte gerichtlich untersucht werden m\u00fcssten. Er ist und bleibt Herr und K\u00f6nig und hat es nicht n\u00f6tig, sich vor Hannas zu verteidigen.<\/p>\n<p>Ein Gerichtsdiener schl\u00e4gt Jesus ins Gesicht und fragt (Vers 22): <i>&#8222;Antwortest du so dem Hohepriester?&#8220;<\/i> In seinen Augen ist Jesus ein Gesetzesbrecher, also ganz unten auf der sozialen Skala einzuordnen, w\u00e4hrend der Hohepriester die oberste Stelle einnimmt. Jesus korrigiert ihn in k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t (Vers 23): <i>&#8222;Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was Ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schl\u00e4gst du mich?&#8220;<\/i> Das b\u00f6se Spiel des Hohepriesters geht nicht auf. Jesus kann nicht in die Stellung eines Angeklagten abgeschoben werden. So wird Er zun\u00e4chst zu Kajaphas und anschliessend zu Pilatus \u00fcberstellt.<\/p>\n<p><b>Verh\u00f6r vor Pilatus<\/b><\/p>\n<p>Was im Text vorausgehend nicht erw\u00e4hnt wird, ist der eigentliche Anklagegrund, welchen die f\u00fchrenden Juden bei Pilatus geltend machten. Erst aus den Verh\u00f6rfragen des Prokurators wird ersichtlich, dass sie Jesus wegen seinem Anspruch, K\u00f6nig der Juden zu sein, bei Pilatus verklagt hatten. Diese Feststellung ist wichtig, denn religi\u00f6se Fragen interessierten den r\u00f6mischen Richter nicht. Hingegen ist es politisch h\u00f6chst brisant, wenn sich jemand als K\u00f6nig ausgibt, ohne vom r\u00f6mischen Kaiser in dieses Amt eingesetzt worden zu sein (vgl. 19,12). Entsprechend lautet denn auch die erste Frage des Pilatus (Vers 34): <i>&#8222;Bist du der Juden K\u00f6nig?&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Wieder haben wir die Situation vor uns, dass der irdische Richter vom Angeklagten ein Schuldgest\u00e4ndnis einfordert. Jesus geht gar nicht darauf ein, sondern beh\u00e4lt auch hier die Initiative, wenn Er mit einer Gegenfrage antwortet (Vers 34b): <i>&#8222;Sagst du das von dir aus, oder haben dir&#8217;s andere \u00fcber mich gesagt?&#8220;<\/i> Daraufhin wird Pilatus ungehalten und versucht seine Machtstellung auszuspielen (Vers 35). Erst jetzt nimmt Jesus Stellung zur Frage seines K\u00f6nigtums (Vers 36): <i>&#8222;Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. W\u00e4re mein Reich von dieser Welt, meine Diener w\u00fcrden darum k\u00e4mpfen, dass <\/i><i>I<\/i><i>ch den Juden nicht \u00fcberantwortet w\u00fcrde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.&#8220;<\/i> Was f\u00fcr eine W\u00fcrde und welche Klarheit bringt diese Antwort zum Ausdruck!<\/p>\n<ol>\n<li>Jesus spricht von seinem Reich. Also ist Er ein K\u00f6nig.<\/li>\n<li>Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Somit steht Jesus nicht in Konkurrenz zum r\u00f6mischen Kaiser, und der Anklagegrund der Juden ist hinf\u00e4llig.<\/li>\n<li>Wenn sein Reich von dieser Welt w\u00e4re, w\u00fcrden seine Diener darum k\u00e4mpfen &#8230; das bedeutet vermutlich, dass Jesus dann gegen die Ankl\u00e4ger seine himmlischen Heerscharen einsetzen w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Sein k\u00f6nigliches Auftreten bewirkt eine Scheidung: <i>&#8222;<\/i><i>Jeder, der aus der Wahrheit ist, h\u00f6rt auf meine Stimme.<\/i><i>&#8222;<\/i><\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Antwort \u00fcberrascht und verwirrt den Prokurator. Seine n\u00e4chste Frage scheint ehrlich zu sein (Vers 37): <i>&#8222;So bist du dennoch ein K\u00f6nig?&#8220;<\/i> Daraufhin best\u00e4tigt Jesus mit klaren Worten seine k\u00f6nigliche Stellung. Aber Jesus ist nicht ein Herrscher, der sich mit irdischer Gewalt durchsetzt. Er weist auf die geistliche Dimension seines K\u00f6nigtums hin: <i>&#8222;Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass Ich die Wahrheit bezeuge.&#8220;<\/i> Dieser Satz bedarf einer Erkl\u00e4rung. Jesus ist in eine Welt hinein gekommen, in welcher der F\u00fcrst dieser Welt, der Satan, herrscht. Dessen Reich ist das Reich der Finsternis und er selbst ist der Vater der L\u00fcge (Johannes 8,44): <i>&#8222;Er ist ein M\u00f6rder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die L\u00fcge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein L\u00fcgner und der Vater der L\u00fcge.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>In diesem Reich der Finsternis ist Jesus mit k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t aufgetreten und hat die Wahrheit bezeugt. Licht und Finsternis, Wahrheit und L\u00fcge vertragen einander nicht. Zwischen diesen beiden gegenpoligen Reichen herrscht Krieg. Das ist letztlich der Grund, weshalb Jesus von den f\u00fchrenden M\u00e4nnern seines Volks verworfen und durch die R\u00f6mer gekreuzigt wurde.<\/p>\n<p>Was Jesus mit k\u00f6niglicher Autorit\u00e4t vor Pilatus bezeugte, erfordert eine pers\u00f6nliche Stellungnahme, ein Ja oder ein Nein zur Wahrheit. Wird der Prokurator darauf eingehen? Er relativiert den Anspruch Jesu und schiebt ihn mit der Frage &#8222;was ist Wahrheit?&#8220; in die Belanglosigkeit. Allerdings hat er begriffen, dass Jesus schuldlos ist und versucht diesen Untersuchungsbefund vor den Juden geltend zu machen. Wird er sich durchsetzen?<\/p>\n<p>W\u00e4re er der Entscheidung nicht ausgewichen, sondern h\u00e4tte sich auf die Seite der Wahrheit gestellt, h\u00e4tte er jetzt die Kraft, den Juden zu widerstehen. Nun aber kommt sein wankelm\u00fctiger Charakter zum Zug. Pilatus l\u00e4sst Jesus wider besseres Wissen geisseln. In k\u00f6niglicher W\u00fcrde ertr\u00e4gt Jesus die Folter der Geisselung, den Spott der Soldaten, das schmerzvolle Tragen der Dornenkrone (Kapitel 19,1-5).<\/p>\n<p>Schliesslich kommt es zu einem letzten Gespr\u00e4ch zwischen Pilatus und Jesus. Nachdem die Juden Jesus beschuldigten <i>&#8222;<\/i><i>Er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht<\/i><i>&#8222;<\/i> &#8211; kriegte es Pilatus mit der Angst zu tun und fragte Jesus (Vers 9) <i>&#8222;Woher bis<\/i><i>t<\/i><i> du?&#8220;<\/i> &#8211; Jesus gab ihm keine Antwort, denn seine himmlische Herkunft ist f\u00fcr das r\u00f6mische Gericht kein strafw\u00fcrdiger Tatbestand. Nun bringt Pilatus seine Machtstellung ins Spiel (Vers 10): <i>&#8222;Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weisst du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen?&#8220;<\/i> Fast symbolhaft steht dieser Satz hier f\u00fcr das Sinnen und Trachten der Menschen in dieser Welt. Wir leben in einer Zeit des rasend schnellen Fortschritts. Dies gibt uns das Gef\u00fchl unbegrenzter Macht. Angefangen bei der Atomphysik bis hin zur Erforschung der Galaxien, vom Experimentieren mit lebenden Zellen bis hin zur Herstellung neuer Lebewesen scheint alles m\u00f6glich zu sein &#8211; und Gott &#8211; den braucht man nicht mehr.<\/p>\n<p>Wie einfach stellt Jesus in Vers 11 den gewaltigen Unterschied zwischen Gott und Mensch klar: <i>&#8222;<\/i><i>Du h\u00e4ttest keine Macht \u00fcber mich, wenn es dir nicht von oben gegeben w\u00e4re.<\/i><i>&#8222;<\/i> Derjenige, der vor Pilatus steht, ist K\u00f6nig. Er hat alles in der Hand und erf\u00fcllt in diesen Augenblicken den Willen Gottes bis zum Ziel. Pilatus, der nun Jesus zum Kreuzestod verurteilt, ist nur von Gott eingesetzte, ausf\u00fchrende Person.<\/p>\n<p><b>Am Kreuz<\/b><\/p>\n<p>In k\u00f6niglicher W\u00fcrde tr\u00e4gt Jesus sein Kreuz und geht den Weg nach Golgatha zu jenem qualvollen und sch\u00e4ndlichen Tod. \u00dcber dem Kreuz wird eine Tafel befestigt, die auf die Todesursache hinweisen sollte. In hebr\u00e4ischer, lateinischer und griechischer Sprache ist zu lesen (Vers 19): <i>&#8222;Jesus von Nazaret, K\u00f6nig der Juden.&#8220;<\/i> Und die f\u00fchrenden Priester k\u00f6nnen nicht verhindern, dass diese Worte so stehen bleiben (Verse 21\u201122), denn Jesus ist K\u00f6nig. Er ist der rechtm\u00e4ssige K\u00f6nig der Juden und ebenso der rechtm\u00e4ssige K\u00f6nig der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend f\u00fcge ich hier einen Hinweis aus Matth\u00e4us 27,45 an: <i>&#8222;Um zw\u00f6lf Uhr mittags brach \u00fcber das ganze Land eine Finsternis herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte.&#8220;<\/i> Aus zwei Gr\u00fcnden kann es sich unm\u00f6glich um eine Sonnenfinsternis handeln:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Pessachfest findet immer w\u00e4hrend des ersten Fr\u00fchjahresvollmonds statt. Eine Sonnenfinsternis kann jedoch nur bei Neumond entstehen, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde steht.<\/li>\n<li>Die l\u00e4ngste theoretisch m\u00f6gliche Sonnenfinsternis (Kernschatten) dauert nur 7 Minuten und 32 Sekunden. Beim Tod Jesu war es hingegen 3 Stunden lang dunkel.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die hier beschriebene Dunkelheit war \u00fcberirdischer Natur und steht in dem Zusammenhang, dass jetzt die S\u00fcnde der Welt gerichtet wurde. Jesus wurde am Kreuz zum S\u00fcndentr\u00e4ger. Weil Gott aber keine Beziehung zur S\u00fcnde hat, musste Er sich vor seinem Sohn verbergen. Diese Gottverlassenheit ist das eigentliche Wesen der H\u00f6lle. Weil Jesus uns erl\u00f6sen wollte, musste Er als unser Stellvertreter die Strafe der Gottesferne auf sich nehmen. Deshalb schrie Er laut (Vers 47): <i>&#8222;Eli, Eli, lema sabachtani?&#8220; Das bedeutet: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?<\/i> &#8211; In diesem Zusammenhang k\u00f6nnen wir besser verstehen, weshalb Jesus in seinem Gebetskampf im Garten Gethsemane so tief ersch\u00fcttert war. Angesichts der zu ertragenden Gottesferne betete Er, dass Gott Ihm diesen Leidenskelch, wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, erspare.<\/p>\n<p>Im weiteren weist die Finsternis auch auf jenes unglaubliche Verbrechen hin, dass eine von Gott abgefallene und mit Ihm verfeindete Menschheit ihren von Gott gesandten K\u00f6nig kreuzigt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck ins Johannesevangelium. In 19,30 wird das letzte Wort Jesu am Kreuz berichtet: <i>&#8222;Nachdem Er ein wenig von dem Essig genommen hatte, sagte Er: <\/i><i>&#8218;<\/i><i>Es ist vollbracht<\/i><i>&#8218;<\/i><i>. Dann neigte Er den Kopf und starb.&#8220;<\/i> Gerade diese Aussage &#8211; es ist vollbracht &#8211; weist darauf hin, dass Jesus bis zum Schluss selbst aktiv war. Was Er in diesen Stunden an geistlichem Kampf durchzustehen hatte, wird nicht berichtet. Das m\u00fcssen wir nicht wissen, es ist sein Geheimnis. F\u00fcr uns entscheidend ist sein k\u00f6niglicher Triumph in der Feststellung: Es ist vollbracht. Das Ziel ist erreicht.<\/p>\n<p><b>Das Gefolge des K\u00f6nigs<\/b><\/p>\n<p>Immer wieder und mit klaren Worten hatte Jesus seine Nachfolger darauf hingewiesen, dass wir als seine Erl\u00f6sten den Weg zu gehen haben, welchen Er vorangegangen ist. Ich bin wirklich erstaunt, dass heute kaum \u00fcber diesen doch so wichtigen Aspekt des Christseins gepredigt wird. Schauen wir uns einige Bibelstellen an:<\/p>\n<ul>\n<li>Lukas 9,23-24: Jesus selbst sagt: <i>&#8222;Wenn jemand mein J\u00fcnger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz t\u00e4glich auf sich nehmen und mir nachfolgen.<br \/>\nDenn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.&#8220;<\/i><\/li>\n<li>Matth\u00e4us 5,10-12 <i>&#8222;<\/i><i>Gl\u00fccklich zu preisen sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich.<br \/>\nGl\u00fccklich zu preisen seid ihr, wenn man euch um meinetwillen beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge nachsagt.<br \/>\nFreut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine grosse Belohnung auf euch. Genauso hat man ja vor euch schon die Propheten verfolgt.<\/i><i>&#8222;<\/i><\/li>\n<li>So geht es auch in der Apostelgeschichte und in den Briefen weiter: Apg 14,22: Paulus und Barnabas besuchten die neugegr\u00fcndeten Gemeinden. In diesem Zusammenhang heisst es: <em>&#8222;Sie st\u00e4rkten die Seelen der J\u00fcnger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedr\u00e4ngnisse in das Reich Gottes hineingehen m\u00fcssen.&#8220;<\/em><\/li>\n<li>2Korinther 4,8-10: <i>&#8222;Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdr\u00fcckt. Oft wissen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht. Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen und kommen doch nicht um. Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heisst, <\/i><i><b>am Sterben Jesu teilzuhaben<\/b><\/i><i>. Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben.&#8220;<\/i><\/li>\n<li>R\u00f6mer 8,17: <i>&#8222;Wenn wir aber Kinder sind, sind wir auch Erben \u2013 Erben Gottes und Miterben mit Christus. Dazu geh\u00f6rt allerdings, dass wir jetzt mit Ihm leiden; dann werden wir auch an seiner Herrlichkeit teilhaben.&#8220;<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir uns nicht selbst Leiden zuf\u00fcgen, auch nicht das Leiden suchen, es kommt von selbst. Entscheidend ist f\u00fcr einen Nachfolger Jesu Christi, dass wir dem Leiden nicht ausweichen, sondern willig und getrost hindurchgehen, wenn der Weg durch Leiden f\u00fchren sollte. Es kann uns eine grosse Hilfe sein, wenn wir uns immer wieder vor Augen halten: Der K\u00f6nig ist den Weg durch Leiden zur Herrlichkeit vorangegangen, darum ist es ein Privileg, Ihm auf diesem k\u00f6niglichen Weg zu folgen.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Jesus war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Dieser Gehorsam hat durch sein Leben und seinen Tod viel Frucht gewirkt. Dasselbe Prinzip gilt auch f\u00fcr uns. F\u00fcr fruchtbare Missionsarbeit und nachhaltigen Gemeindebau sind nicht so sehr die \u00fcberzeugenden Programme und Konzepte massgebend, als viel mehr die Menschen, welche bereit sind, Jesus auf dem Weg, den Er vorangegangen ist, zu folgen. Das sind Menschen, die ihr Leben ohne Wenn und Aber in Gottes Auftrag investieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als meine Ehefrau im Herbst 2016 noch einigermassen reisef\u00e4hig war, besuchten wir Saas Fee im Wallis. Dort entstand nebenstehendes Bild vom gekreuzigten Christus. \u00dcber Kruzifixe kann man geteilter Meinung sein. &#8222;Wir haben keinen toten Heiland, Jesus lebt&#8220;, wird oft &#8211; und nat\u00fcrlich auch zu Recht &#8211; argumentiert. Aber ohne Karfreitag gibt es kein Ostern, ohne &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/03\/29\/ein-koenig-stirbt-bibelstudium-zum-karfreitag\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e&#8222;Ein K\u00f6nig stirbt&#8220; &#8211; Bibelstudium zum Karfreitag\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[20,19],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/156"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=156"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":273,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/156\/revisions\/273"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}