{"id":174,"date":"2018-04-11T22:02:30","date_gmt":"2018-04-11T20:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=174"},"modified":"2018-04-12T15:04:18","modified_gmt":"2018-04-12T13:04:18","slug":"doppelter-segen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/04\/11\/doppelter-segen\/","title":{"rendered":"Doppelter Segen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_168\" aria-describedby=\"caption-attachment-168\" style=\"width: 282px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-168 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Blumenfenster-282x300.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Blumenfenster-282x300.jpg 282w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Blumenfenster-768x817.jpg 768w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Blumenfenster.jpg 882w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-168\" class=\"wp-caption-text\">Trennung und doppelter Segen<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00d6fter als mir lieb ist, wird mir Mitleid bezeugt, weil meine schwerkranke Ehefrau weit von mir weg in einem Heim im Simmental wohnt. Aber selbst wenn die Anteilnahme ehrlich gemeint ist, mag ich dieses Stehenbleiben bei den Problemen nicht. Deshalb reagierte ich vor etlichen Tagen in ungew\u00f6hnlicher Weise und sagte: &#8222;Gott verfolgt eine gute Absicht und hat uns auseinander genommen.&#8220; Nat\u00fcrlich provozierte dieser Satz und l\u00f6ste zun\u00e4chst ungl\u00e4ubiges Kopfsch\u00fctteln aus. Bis ich einige Erkl\u00e4rungen hinzuf\u00fcgte.<!--more--><\/p>\n<p>Doch bevor ich auf Details meiner Erkl\u00e4rungen eingehe, will ich auf einen unumst\u00f6sslichen Grundsatz hinweisen: Wer ein klein wenig von Gottes unergr\u00fcndlicher Liebe verstanden hat, kann auch hinter schwierigen und steinigen Wegen keine schlechten Absichten Gottes vermuten. In diesem Sinne sagt Jakobus (Jak\u00a01,2): <i>&#8222;Seht es als einen ganz besonderen Grund zur Freude an, meine Geschwister, wenn ihr Pr\u00fcfungen verschiedenster Art durchmachen m\u00fcsst.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Dabei stellt Jakobus keineswegs eine leere Behauptung auf, sondern weist in Vers 3 gleich auf die positive Frucht der Pr\u00fcfungen hin: <i>&#8222;Ihr wisst doch: Wenn euer Glaube erprobt wird und sich bew\u00e4hrt, bringt das Standhaftigkeit hervor.&#8220;<\/i> Gott beh\u00e4lt das wichtige Ziel im Auge und will uns helfen, dass wir es erreichen. Selbst wenn uns seine Wege und Gedanken v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich erscheinen, stammt doch die Triebkraft seines Handelns stets aus seiner erbarmenden Liebe. Auf dieser Erkenntnis beruht das Vertrauen, welches sich in den Schwierigkeiten bew\u00e4hrt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ein Segen an zwei verschiedenen Orten<\/h3>\n<p>Wenn andere Menschen durch uns gesegnet werden, ist dies keineswegs ein Verdienst, das wir uns zurechnen k\u00f6nnten.<\/p>\n<ol>\n<li>Es handelt sich stets um unsere von Gott empfangene Berufung. 1Petr\u00a03,9: <i>&#8222;Vergeltet B\u00f6ses nicht mit B\u00f6sem oder Schm\u00e4hung mit Schm\u00e4hung! Im Gegenteil: <\/i><i><b>Segnet, denn dazu seid ihr berufen worden<\/b><\/i><i>, dass ihr Segen erbt.&#8220;<\/i> (vergleiche Lukas\u00a06,28 und R\u00f6mer\u00a012,51!)<\/li>\n<li>Gottes Segen ist nicht ein autonom verf\u00fcgbares Gut. \u00dcberall, wo wir Segen weitergeben d\u00fcrfen, ist es der Heilige Geist, der andere Menschen durch uns segnet. Ein Beispiel (Matth\u00e4us\u00a010,20): <i>&#8222;Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.&#8220;<\/i><\/li>\n<\/ol>\n<p>In diesem Sinn durften wir w\u00e4hrend vieler Jahre erleben, dass Gott speziell auch unsere Ehe ben\u00fctzte, um andere Menschen zu segnen. Das war ein besonderes Vorrecht. Und nun hat derselbe Gott, der Segen gewirkt hat, uns auseinander genommen. Handelt Er somit nicht kontraproduktiv? Nein, Gott tut nichts, das Er sich nicht zuvor gr\u00fcndlich \u00fcberlegt hat. Ich wage wirklich zu behaupten, dass Er durch die Trennung die positiven Auswirkungen gesteigert hat. Wie ist dies zu verstehen?<\/p>\n<p>Wie ich oben schon ausf\u00fchrte, ist es der Heilige Geist, der durch uns Segen wirkt. Weil jedoch meine Ehefrau und ich an unterschiedlichen Orten leben, wirkt der Heilige Geist auch an zwei verschiedenen Orten Segen. F\u00fcr diesen Geist ist die Krankheit meiner Frau, die Hirnleistungsst\u00f6rung, \u00fcberhaupt kein Hindernis. Er wirkt, wo Er will und wie Er will. Wer immer meine Ehefrau besucht, ist davon beeindruckt, wie trotz allem offensichtlichen Zerfall die Gegenwart Gottes sp\u00fcrbar ist. Die Verbindung nach oben und somit auch die Ausstrahlung sind geblieben. Mehr als einmal hat mir die Heimleiterin bezeugt: &#8222;Ihre Frau ist ein Segen f\u00fcr unser Haus.&#8220;<\/p>\n<h3 class=\"western\">Jesus bekommt den Platz, der Ihm zusteht<\/h3>\n<p>In den 48 Jahren unseres gemeinsamen Weges haben meine Frau und ich uns sehr gut aufeinander eingespielt. Unsere Begabungen erg\u00e4nzten sich wunderbar, unsere Wertvorstellungen deckten sich, und in der geistlichen Ausrichtung hatten wir die gleiche Wellenl\u00e4nge. Alles optimal. &#8211; Jein! &#8211; Gott sah das offenbar anders. Es war so einfach, Dinge mit meiner Frau zu besprechen. Wenn wir uns einig waren, war alles o.k. Aber ohne die Konsequenzen wirklich durchzudenken, gingen wir oft davon aus, dass Gott auch gleicher Meinung sei. So ist in gewissen Situationen meine Ehepartnerin, ohne dass ich es realisierte, f\u00fcr mich zu einem Ersatz f\u00fcr Gottes Willen geworden. Das darf nicht sein. Gott kann, weil Er Gott ist, niemanden neben sich dulden.<\/p>\n<p>Je mehr sich bei meiner Gattin die Krankheit bemerkbar machte, je unsicherer sie sich selbst f\u00fchlte, desto mehr wurde sie in allen betroffenen Lebensbereichen abh\u00e4ngig von mir. Das Abh\u00e4ngig sein von praktischen Hilfestellungen ist eine normale Entwicklung im Krankheitsverlauf. Daneben bahnte sich jedoch ein gef\u00e4hrlicher Verlauf an. Ganz unbemerkt wurde ich f\u00fcr meine Gattin zu einer Art Ersatz f\u00fcr den grundlegenden Schutz und die umfassende Geborgenheit, welche nur Gott bieten kann. Sie f\u00fchlte ihren Mangel und erwartete, ohne dies bewusst durchdacht zu haben, dass ich ihn ausf\u00fclle. Und dies mehr und mehr in vollem Umfang. Es entwickelte sich etwas in eine ungute, geistlich ungesunde Richtung.<\/p>\n<p>Nun sind bereits ein Jahr und vier Monate verstrichen, seit wir mit einem Schlag auseinander gerissen wurden.<\/p>\n<p>Im Zimmer meiner Ehefrau h\u00e4ngt eine Pinnwand. Die Heimleiterin hat dort schon am Tag des Eintritts in grosser Schrift darauf geschrieben: <i>&#8222;Der Herr ist mein Hirt &#8230;&#8220;<\/i> Seither erlebte ich bei meinen Besuchen schon oft, dass meine Gattin auf jenen Schriftzug schaut und laut liest: <i>&#8222;Der Herr ist mein Hirt.&#8220;<\/i> Es war zwar eine schmerzliche L\u00f6sung vom &#8222;Ersatzhirten&#8220;, aber eine heilsame Korrektur.<\/p>\n<p>Ich selbst wohne allein. Erledige alles allein. Kann meine Frau nicht mehr um Rat oder um ihre Meinung fragen. Sie fehlt mir auf Schritt und Tritt. Und ich f\u00fchle mich unsicher. Seit wir auseinander gerissen wurden, habe ich wiederholt \u00fcber den gleichen Vers aus Psalm 23 nachgedacht und ihn durchbuchstabiert. Dabei wurde mir vor allem die zweite Satzh\u00e4lfte wichtig: <i>&#8222;&#8230;mir mangelt nichts.&#8220;<\/i> Doch, mir mangelt alles, schreit es da aus meinem Inneren! &#8211; Nein, weil der Herr mein Hirt ist &#8211; und das ist Er &#8211; darum mangelt mir nichts. Er f\u00fcllt alle Bed\u00fcrfnisse aus nach dem Reichtum seiner Gnade. Tag um Tag erlebe ich in kleinen Allt\u00e4glichkeiten, wie dieser gute Hirt real da ist. Und wie Er sorgt. Und wie Er auch die Bed\u00fcrfnisse der Seele versteht. Reichtum seiner Gnade. Was f\u00fcr ein wunderbarer Herr!<\/p>\n<p>Es war zwar eine schmerzliche Abl\u00f6sung aus der Abh\u00e4ngigkeit von einem Menschen, aber eine heilsame Korrektur.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Liebe bekommt neue Qualit\u00e4ten<\/h3>\n<ul>\n<li>Liebe will gepflegt werden, braucht emotionale Nahrung und Nestw\u00e4rme. Statt dessen gibt es nun die grosse Distanz, die Kommunikationsblockade, das kalte Grinsen der fortschreitenden Krankheit. Wie kann da die Liebe \u00fcberleben?<\/li>\n<li>Ich bin verheiratet. Aber seit einem Jahr und vier Monaten lebe ich wie ein Witwer, allein in meiner Studiowohnung. Wie kann da die Liebe \u00fcberleben?<\/li>\n<li>In dieser Welt gibt es einen Gegenspieler Gottes, den Satan. Es ist sein erkl\u00e4rtes Ziel, den Menschen, welche ihr Vertrauen auf Gott setzen, m\u00f6glichst viel Schaden zuzuf\u00fcgen. Und er weiss, wo unsere Schwachstellen sind. Er weiss um die Fragilit\u00e4t eines Lebens im Verheirateten-stand und zugleich im Witwer-stand. In schlaflosen Nachtstunden spart er nicht mit scheinbar harmlosen Gedanken aus seiner Trickkiste. Wie kann da die Liebe \u00fcberleben?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist das wesentlichste Kennzeichen echter Liebe, dass sie Belastungsproben durchsteht. Und dass sie in den Belastungsproben nicht \u00e4rmer, sondern reicher wird. Um dies zu verstehen, m\u00fcssen wir verschiedene Faktoren beachten, die zusammen wirken:<\/p>\n<ul>\n<li>Auf sich selber gestellt, w\u00e4re es schwierig, die Liebe in dieser anspruchsvollen Zeit aufrecht zu erhalten. Aber ich bin nicht allein. Ich bin mit Jesus unterwegs. Tag f\u00fcr Tag lebe ich aus seiner Liebe und erfahre bis in die kleinsten Allt\u00e4glichkeiten seine Aufmerksamkeit, seine Liebesbeweise. Das ist Nahrung auch f\u00fcr die Liebe auf der waagrechten Ebene. Und aus dem gef\u00fcllten Gef\u00e4ss kann ich Liebe weitergeben.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend eines langen Lebens haben wir beide unsere Beziehung zu Jesus Christus gepflegt und vertieft und uns in der Praxis des &#8218;Lebens als Christen&#8216; einge\u00fcbt. Nun kommt es mir vor &#8211; verzeiht mir das profane Bild! &#8211; wie ein angespartes Alterskapital, von dem wir beide zehren d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend vielen Jahren haben wir unsere gegenseitige Liebe gepflegt und bewahrt. An Versuchungen und Anfechtungen fehlte es nicht, aber diese Situationen dienten letztlich dazu, dass wir lernten, richtig damit umzugehen, richtig zu reagieren. Heute klingeln sofort die Alarmglocken, wenn sich die Gedanken selbst\u00e4ndig machen und sich mit der &#8222;Zeit danach&#8220; besch\u00e4ftigen wollen. Nat\u00fcrlich muss ich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass ich meine geliebte Gattin \u00fcberlebe. Aber noch bin ich verheiratet, und so ist die gedankliche Besch\u00e4ftigung mit der Zeit nach ihrem Hinschied verbotenes Terrain. Eine gesunde Gedankendisziplin ist die Voraussetzung f\u00fcr ein siegreiches Christenleben. Und wenn ich meine Liebste besuche, zeigt sich jedes Mal, wie sehr sich dies lohnt. Auf den ersten Blick ist der innere Kontakt da, weil die Gedanken aufger\u00e4umt sind.<\/li>\n<li>In den Jahren der ersten Verliebtheit ist es ein wundersch\u00f6nes Erlebnis, wenn die Blume der Liebe aufbl\u00fcht und sich entfaltet. Aber bei den Blumen dienen weder die h\u00fcbschen Farben noch die anmutigen Formen einem Selbstzweck. Alles ist dem Ziel unterordnet, dass Fr\u00fcchte heranreifen. Die s\u00fcssesten Fr\u00fcchte ernten wir im Herbst, wenn die k\u00fchlen Nebel ins Land ziehen. So ist es auch mit der Liebe in der Ehe. Die zunehmenden Belastungen sind kein Grund zum Jammern, sondern Grund zur Freude, weil sie die Liebe reif werden lassen. Was ist denn reife Liebe? Reife Liebe liebt nicht, um etwas zu erhalten, sondern um sich dem geliebten Menschen zu verschenken. Sie beweist sich in der Treue. Was das heisst, wird erst richtig klar, wenn wir das Gegenst\u00fcck dazu betrachten: Wenn (so wie heute leider in der Welt oft \u00fcblich) der Gegenstand der Liebe wegen irgend eines Vorteils ausgewechselt werden kann, ist die Triebkraft solcher Liebe im Egoismus begr\u00fcndet, denn diese Liebe ist nicht auf das Gegen\u00fcber, sondern auf den eigenen Vorteil ausgerichtet. Und warum ist es so wichtig, dass unsere Liebe reif wird? In unserem Leben soll die Wesensart unseres Herrn, Jesus Christus, sichtbar werden (2Korinther\u00a03,18): <i>&#8222;Wir alle aber stehen mit unverh\u00fclltem Gesicht vor Gott und spiegeln seine Herrlichkeit wider. Der Herr ver\u00e4ndert uns durch seinen Geist, damit wir <\/i><i>I<\/i><i>hm immer \u00e4hnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen.&#8220;<\/i> Jesus hat uns geliebt und sein Leben f\u00fcr uns hingegeben, als wir nicht liebensw\u00fcrdig, sondern seine Feinde waren. Und in seiner Liebe bleibt Er uns treu trotz all unseren Fehlern und Schw\u00e4chen und unserer Untreue.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Damit komme ich wieder zum Anfangsgedanken zur\u00fcck: Wenn also die belastenden Lebensumst\u00e4nde nur dazu dienen, dass die Liebe heranreifen kann und dass Gott jetzt an zwei verschiedenen Orten Segen wirkt, ist es gewiss nicht sinnvoll, Mitleid mit mir zu haben. Viel mehr sollten sich alle mit mir freuen \u00fcber Gottes gute Entscheidung und F\u00fcgung in unserem Leben, denn wenn Gott etwas tut, f\u00fchrt Er es zu einem guten Ziel hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6fter als mir lieb ist, wird mir Mitleid bezeugt, weil meine schwerkranke Ehefrau weit von mir weg in einem Heim im Simmental wohnt. Aber selbst wenn die Anteilnahme ehrlich gemeint ist, mag ich dieses Stehenbleiben bei den Problemen nicht. 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