{"id":200,"date":"2018-05-06T23:01:36","date_gmt":"2018-05-06T21:01:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=200"},"modified":"2018-05-07T20:21:47","modified_gmt":"2018-05-07T18:21:47","slug":"der-gebets-bumerang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/05\/06\/der-gebets-bumerang\/","title":{"rendered":"Der Gebets-Bumerang"},"content":{"rendered":"<p>Heute h\u00f6rte ich eine Predigt, die<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-202 alignright\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Betende_Haende-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Betende_Haende-195x300.jpg 195w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Betende_Haende.jpg 244w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/> mich noch w\u00e4hrend einiger Zeit besch\u00e4ftigte. Es ging um das Gleichnis von der bittenden Witwe und dem ungerechten Richter in Lukas 18,1-8. Das Gleichnis ist eine Ermunterung zum beharrlichen Beten. Ich freute mich sehr \u00fcber die sorgf\u00e4ltige Auslegung des Textes und den klaren Hinweis, dass beharrliches Gebet nicht dazu dienen kann, den Willen Gottes zu manipulieren. Die Ausf\u00fchrungen m\u00fcndeten in den Gedanken, dass das Gebet vor allem auch eine R\u00fcckwirkung auf den Betenden habe, wie dies im &#8222;Unser-Vater&#8220; Gebet deutlich zum Ausdruck komme: <em>&#8222;&#8230;vergib uns unsere Schuld, <strong>wie auch wir vergeben<\/strong> &#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das Unser-Vater verlangt also von uns eine Handlungsweise, welche unserer Bitte entspricht. Unser Handeln entspringt jedoch dem Denken. Somit will Gott, wenn wir zu Ihm beten, unser Denken ver\u00e4ndern und erneuern. Bei diesem Gedanken standen gleich zwei sprechende Beispiele aus der Bibel vor mir.<!--more--><\/p>\n<h2>Das erste Beispiel<\/h2>\n<p>Das erste ist das Gebet der Hanna in 1Samuel 1. In den ersten drei Versen wird ganz kurz in den Hintergrund der Geschichte eingef\u00fchrt: <em>&#8222;Es war ein Mann von Ramatajim-Zofim, vom Gebirge Ephraim, der hiess Elkana &#8230; er hatte zwei Frauen; die eine hiess Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder und Hanna hatte keine Kinder. Dieser Mann ging j\u00e4hrlich hinauf von seiner Stadt, um anzubeten und dem HERRN Zebaoth zu opfern in Silo.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Aus dem Zusammenhang der drei Verse kann leicht der Grund gefunden werden, weshalb dieser sonst fromme und gesetzestreue Mann die Polygamie w\u00e4hlte. Seine Frau Hanna war unfruchtbar. Und weil es damals so enorm wichtig war, einen Stammhalter zu haben, heiratete er die Peninna. Und es funktionierte.<\/p>\n<p>Eine solche Handlungsweise war in Israel zur Zeit des Alten Bundes nicht ausdr\u00fccklich verboten. Trotzdem ist die Ehe nicht f\u00fcr eine Dreierbeziehung vorgesehen. Elkana missachtete eine Sch\u00f6pfungsordnung und erlebte in seiner Familie unausweichlich die Folgen seines Handelns. Es war dauernd Streit im Hause. Mit seinen menschlich \u00fcberlegten Massnahmen hatte Elkana das Problem der Kinderlosigkeit gel\u00f6st, daf\u00fcr ein schwereres Problem eingehandelt. Und wie in solchen F\u00e4llen \u00fcblich, hat das schw\u00e4chste Glied in der Kette am meisten zu leiden.<\/p>\n<p>Jahr um Jahr spielte sich die gleiche Trag\u00f6die ab. Wenn die Familie zum Opferfest nach Silo zog, nutzte Peninna die Gelegenheit, ihre Konkurrentin mit verletzenden Worten zu reizen und zu kr\u00e4nken. So hatte Hanna in dreifacher Weise ein schweres Los zu tragen.<\/p>\n<ol>\n<li>Weil Hanna keine Kinder zu Welt brachte, heiratete ihr Mann eine zweite Frau, mit welcher sie nun die Ehe teilen musste.<\/li>\n<li>Eine kinderlose Frau war stigmatisiert, weil die Kinderlosigkeit als Strafe Gottes f\u00fcr begangene S\u00fcnden betrachtet wurde.<\/li>\n<li>Hanna wurde von ihrer Nebenbuhlerin gedem\u00fctigt und konnte sich nicht wehren, weil die Tatsache der Kinderlosigkeit gegen sie sprach.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im weiteren Text lernen wir Hanna als eine Frau mit einer tiefen Gottesbeziehung kennen. Daraus l\u00e4sst sich schliessen, dass sie eine Beterin war. Zudem trieben die schwierigen Umst\u00e4nde sie zum Gebet an. Vermutlich betete sie schon in der Anfangszeit der Ehe, als sich keine Kinder einstellen wollten. Dann erlebte sie die tiefste Erniedrigung ihres Lebens, als ihr Mann eine zweite Frau heiratete. Auch das hatte sie im Gebet zu verarbeiten. Und schliesslich folgten die Jahre, in denen Peninna ihre Kinder gebar und aufzog. Alles zusammen ergibt eine lange, sehr lange Zeit des intensiven Gebets. Aus menschlicher Sicht w\u00e4re es doch jetzt dringend n\u00f6tig gewesen, dass Gott ihre Bitte um Nachwuchs erh\u00f6rt h\u00e4tte, um sie zu rehabilitieren. Aber Gott h\u00f6rte nicht. Scheinbar.<\/p>\n<p>Nur scheinbar, denn in dieser Zeit bewirke das anhaltende Gebet Hannas eine \u00c4nderung in ihrem Denken.<\/p>\n<p>Diesmal geht sie in die N\u00e4he des Tempels (das war damals nicht der sp\u00e4tere massive Tempelbau, sondern das heilige Zelt resp. die &#8222;Stiftsh\u00fctte&#8220;). In den Versen 10-11 h\u00f6ren wir von Hannas Gebet: <em>&#8222;Sie war von Herzen betr\u00fcbt und betete zum HERRN und weinte sehr und gelobte ein Gel\u00fcbde und sprach: HERR Zebaoth, wirst Du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst Du deiner Magd einen Sohn geben, <strong>so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang<\/strong>.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was hat sich ver\u00e4ndert? Sie bittet nicht mehr um einen Sohn, um sich zu rechtfertigen\u00a0 gegen\u00fcber ihrer Widersacherin und allen, die schlecht \u00fcber sie denken und reden. Jetzt m\u00f6chte sie einen Sohn haben, um ihn dem HERRN geben zu k\u00f6nnen. Gott ist ihr in der langen Leidenszeit so gross und wichtig geworden, dass sie Ihn auszeichnen m\u00f6chte, indem sie bereit ist, Ihm das Beste zu geben, den Sohn, auf welchen sie so viele Jahre gewartet hatte. Diese kostbare Frucht des Glaubens, wiegt die Jahre des scheinbar vergeblichen Wartens bei weitem auf.<\/p>\n<h2>Das zweite Beispiel<\/h2>\n<p>Unser zweites Beispiel steht im Neuen Testament. Interessanterweise geht es auch hier um das Problem der Kinderlosigkeit. In Lukas 1,5-7 h\u00f6ren wir vom Priester Zacharias und seiner Frau Elisabeth, die beide sehr alt und kinderlos waren. Die beiden hatten vermutlich auch w\u00e4hrend vielen Jahren beharrlich um ein Kind gebetet. W\u00e4hrend nun Zacharias im Tempel das R\u00e4ucheropfer darbringt, hat er eine Engelerscheinung (Vers 13): <em>&#8222;Aber der Engel sprach zu ihm: F\u00fcrchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erh\u00f6rt, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn geb\u00e4ren, dem sollst du den Namen Johannes geben\u00a0&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein grossartiger Augenblick, wenn Gott extra einen Boten vom Himmel sendet, um die Gebetserh\u00f6rung anzuk\u00fcndigen! Aber war dies zu unvermittelt? Oder hatten die beiden frommen alten Leute gar aufgeh\u00f6rt, um ein Kind zu beten, weil sie ja ohnehin zu alt waren? Jedenfalls stehen in diesem Augenblick f\u00fcr Zacharias die Probleme \u00fcbergross vor ihm, so dass er die gute Nachricht gar nicht fassen kann (Vers 18): <em>&#8222;Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Kennen wir solche Situationen? Man betet \u00fcber eine lange Zeit hinweg und erlebt scheinbar keine Erh\u00f6rung. Wenn uns dann Gott \u00fcberrascht und die Erh\u00f6rung doch eintritt, wird man sich bewusst, dass man im Grunde die Erh\u00f6rung gar nicht mehr wirklich erwartet hatte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Zacharias gab es Konsequenzen, weil er die vom Engel \u00fcberbrachte Nachricht nicht wagte anzunehmen. Bis zur Geburt seines Sohnes blieb er sprachlos. Das waren mindestens 9 Monate, ohne ein Wort sagen zu k\u00f6nnen. In dieser Zeit vollzog sich bei Zacharias eine Ver\u00e4nderung. Bei der Namensgebung seines Sohnes wird sein Mund wieder ge\u00f6ffnet und er lobt Gott und redet prophetisch vom Auftrag seines Sohnes Johannes und dem Erscheinen des erwarteten Messias (Verse 67-79). Jetzt steht nicht mehr sein Wunsch im Zentrum, einen Sohn als Stammhalter zu haben. Gott hat ihm und seiner Frau etwas unvergleichlich Gr\u00f6sseres gegeben. Sie durften Eltern des Johannes des T\u00e4ufers werden, der vor Jesus hergeht und dessen Weg vorbereitet.<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p>Gebet ver\u00e4ndert unsere Denkrichtung. Der Blick wird von den eigenen Problemen weg gelenkt und auf Gottes grosse Gedanken und Ziele ausgerichtet. Bei Hanna geschah dies im Schmelztiegel des jahrelangen Leidens. Ihr Glaube ist im Ausharren gereift. Bei Zacharias scheint der erwartende Glaube nach der langen erfolglosen Wartezeit abgenommen zu haben. Aber die Ver\u00e4nderung und die Neuausrichtung auf Gottes Absichten und Gedanken wurden bei ihm &#8222;nachgeliefert&#8220;. So oder so &#8211; dranbleiben im Gebet lohnt sich auf jeden Fall, erfordert von uns jedoch die Bereitschaft, von eigenen W\u00fcnschen weg gef\u00fchrt zu werden, damit Gott unser Leben zusammen mit seiner Erh\u00f6rung in sein grosses Konzept einbauen kann. Denn was Gott an uns tut, ist wichtiger als das, was Er f\u00fcr uns tut. In diesem Sinn ist Gebet wie ein Bumerang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute h\u00f6rte ich eine Predigt, die mich noch w\u00e4hrend einiger Zeit besch\u00e4ftigte. Es ging um das Gleichnis von der bittenden Witwe und dem ungerechten Richter in Lukas 18,1-8. Das Gleichnis ist eine Ermunterung zum beharrlichen Beten. 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