{"id":255,"date":"2018-12-07T21:55:32","date_gmt":"2018-12-07T20:55:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=255"},"modified":"2019-03-02T20:48:34","modified_gmt":"2019-03-02T19:48:34","slug":"israel-und-sein-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/12\/07\/israel-und-sein-land\/","title":{"rendered":"Israel und sein Land"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-256 alignright\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Land.jpeg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"271\" \/>Gibt es ein Thema, welches mit mehr Spannung behaftet ist als &#8222;Israel und sein Land&#8220;? &#8211; Und dies bereits w\u00e4hrend Jahrtausenden! Wem geh\u00f6rt jener Landstreifen zwischen Mittelmeer und Jordan? Je nach Blickwinkel, aus welchem argumentiert wird, kommt man zu sehr unterschiedlichen Meinungen. Alle gehen davon aus, das Recht auf ihrer Seite zu haben. Aber wer hat wirklich recht? <!--more--><\/p>\n<p>Bei allem Respekt vor pers\u00f6nlichen Standpunkten kann Eines nicht ausser Acht gelassen werden: Das Recht geht unzweifelhaft von Gott selbst aus, denn Er ist der legitimierte und unparteiische Richter, vor dem sich alle Menschen zu verantworten haben. Und wenn wir diesen Richter fragen, hat Er eine \u00fcberraschende und unmissverst\u00e4ndliche Antwort bereit (3.Mose 25,23 &#8211; im Wortlaut nach Gute-Nachricht-Bibel):<\/p>\n<p><em>&#8222;Besitz an Grund und Boden darf nicht endg\u00fcltig verkauft werden, weil das Land nicht euer, sondern mein Eigentum ist. Ihr lebt bei mir wie Fremde oder G\u00e4ste, denen das Land nur zur Nutzung \u00fcberlassen ist.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Vor diesem Richterspruch m\u00fcssen sich alle Parteien beugen. Und wie steht es mit Israel?<\/p>\n<p>In 1.Mose Kapitel 17 schloss Gott mit Abraham einen Bund. In Vers 8 &#8211; in einer bedeutsamen Passage dieses Vertrags &#8211; sagte Er zu Abraham:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dir und deinen Nachkommen nach dir gebe Ich das Land, in dem du als Fremder weilst, das ganze Land Kanaan zum ewigen Besitz und Ich werde f\u00fcr sie Gott sein.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Wird folglich den Nachkommen Abrahams das Land doch zum ewigen Besitz gegeben? Jein!<\/p>\n<p>Weil Gott sich selbst als Eigent\u00fcmer des Landes vorstellt, hat Er das Recht, das Land nach seinem freien Willen zuzuteilen. Nun hat Er Israel dazu auserw\u00e4hlt, in diesem Land f\u00fcr ewige Zeiten zu wohnen. Das Besitzen des Landes muss jedoch entsprechend 3.Mose 25 nicht als Eigentumsrecht, sondern ein ewiges Nutzungsrecht verstanden werden.<\/p>\n<p>Wer sich mit der Geschichte Israels, vor allem auch mit der alten Geschichte auseinandersetzt, kennt sehr wohl die wechselvollen Besitzverh\u00e4ltnisse in jenem Land, welches Gott seinem Volk zugesprochen hatte. Seit eh und je wurde die Geschichte Israels in der Landfrage von einer ungeheuren Spannung begleitet. Und diese Spannung scheint in unserer Zeit auf einen H\u00f6hepunkt zuzulaufen.<\/p>\n<p>Heute Morgen (7.12.2018) sinnierte ich \u00fcber einen Vers im 5. Buch Mose, in welchem die ganze Spannung in der wechselvollen Geschichte Israels in einem einzigen Vers komprimiert erscheint (5Mose 4,40 nach EU). Hier sagte Mose zu Gottes Volk:<\/p>\n<p><em>&#8222;Daher sollst du seine Gesetze und seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, bewahren, damit es dir und sp\u00e4ter deinen Nachkommen gut geht und du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt f\u00fcr alle Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Recht deutlich lassen sich in diesem Vers zwei verschiedene Gedanken unterscheiden. Zun\u00e4chst geht es um das Befolgen der Gebote Gottes. Dies wird als Voraussetzung dargestellt, um in dem guten Land bleiben zu k\u00f6nnen. Hier findet die dauernde Spannung in der Geschichte Israels ihre Erkl\u00e4rung: Das Bleiben im Land ist an das Bleiben in Gottes Gesetz gebunden. Tats\u00e4chlich wird die Spannung im Blick auf die Landfrage, welche sich \u00fcber so viele Jahrhunderte hinzog, in diesem einen Vers hoch komprimiert dargestellt. Nun hat der Vers jedoch einen zweiten Teil, zwar nur sehr kurz, aber bedeutsam.<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8230;in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt f\u00fcr alle Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Diese Formulierung &#8222;f\u00fcr alle Zeit&#8220; (nach dem Hebr. Wortlaut: &#8222;f\u00fcr alle Tage&#8220;) kn\u00fcpft an der Bundesverheissung an Abraham an (zum ewigen Besitztum) und best\u00e4tigt diese nun innerhalb des Gesetzesbundes. Nun setzen wir die beiden Teile des Verses in ihre vorgegebene Beziehung:<\/p>\n<ul>\n<li>Im zweiten Teil des Verses ist die Ewigkeitsdimension wichtig. Hier geht es um den Geber. Gott gab seinem Volk das Land zum ewigen Besitztum, was nach 3Mo 25 heisst: zur ewigen Nutzniessung. Weil der Geber sich durch einen Bund verpflichtet hat, wird die Gabe nie zur\u00fcckgefordert. Zur\u00fcckgefordert wird wohl die momentane Nutzniessung, aber nicht die Gabe.<\/li>\n<li>Ganz anders im ersten Teil des Verses. Hier steht nicht der Geber im Fokus, sondern die Empfangenden. Gott spricht hier von der Bedingung, die von den Empfangenden eingehalten werden muss, damit die ewige Nutzniessung auch praktisch erfahren werden kann. Und weil die Menschen so wankelm\u00fctig sind, d.h. ihre Seite des Bundes einmal einhielten und einmal nicht, ist die praktische Erfahrung entsprechenden Schwankungen unterworfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beim Vergleich der verschiedenen \u00dcbersetzungen f\u00e4llt auf, dass die GN den Sinn des zweiten Versteils auf den Kopf stellt. Hier wird die Ewigkeitsdimension vom souver\u00e4nen Beschluss des Gebers abgetrennt und auf die Seite der in Pflicht stehenden Empfangenden geschoben. Zitat:<\/p>\n<p><em>&#8222;Lebt nach seinen Geboten und Weisungen, die Ich euch heute verk\u00fcnde! Dann wird es euch und euren Nachkommen gut gehen, und ihr werdet f\u00fcr immer in dem Land bleiben, das der Herr, euer Gott, euch geben wird.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das klingt sehr \u00e4hnlich, sodass der Unterschied kaum bemerkt wird. Und doch ist die Aussage eine ganz andere. Im ver\u00e4nderten Sinn ist die Zusage des Landes als einmalige Gabe ohne zeitliche Definition dargestellt (&#8222;&#8230;das der Herr, euer Gott, euch geben wird.&#8220;). Und diese einmalige Gabe kann offensichtlich wieder verloren gehen, wenn Israel die vorher genannte Bedingung nicht einh\u00e4lt. Ein solches Verst\u00e4ndnis f\u00fchrt dann nicht zu den in der Geschichte dokumentierten wechselvollen Besitzverh\u00e4ltnissen, sondern zu einem endg\u00fcltigen Verlust der Gabe des Landes. Bei dieser Formulierung scheinen die \u00dcbersetzer doch recht deutlich von der Substitutionstheologie geleitet gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Wie dankbar sollten wir sein, dass wir eine Vielzahl von deutschen und anderen \u00dcbersetzungen miteinander vergleichen k\u00f6nnen, um solche kleinen, aber verh\u00e4ngnisvollen Unterschiede zu erkennen. Gegen\u00fcber fr\u00fcheren Generationen sind wir heute \u00fcberaus bevorzugt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es ein Thema, welches mit mehr Spannung behaftet ist als &#8222;Israel und sein Land&#8220;? &#8211; Und dies bereits w\u00e4hrend Jahrtausenden! Wem geh\u00f6rt jener Landstreifen zwischen Mittelmeer und Jordan? Je nach Blickwinkel, aus welchem argumentiert wird, kommt man zu sehr unterschiedlichen Meinungen. 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