{"id":314,"date":"2019-07-31T22:23:01","date_gmt":"2019-07-31T20:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=314"},"modified":"2020-02-06T21:38:57","modified_gmt":"2020-02-06T20:38:57","slug":"nationalfeiertag-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2019\/07\/31\/nationalfeiertag-2019\/","title":{"rendered":"Nationalfeiertag 2019"},"content":{"rendered":"\n<p>\nBoltigen, 1. August 2019<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"876\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Fuhrenmatte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-315\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Fuhrenmatte.jpg 1000w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Fuhrenmatte-300x263.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Fuhrenmatte-768x673.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Am 1. August 2019 wird im HAUS FUHRENMATTE in Boltigen mit den G\u00e4sten (=Patienten) der Geburtstag der Schweiz gefeiert &#8211; und ich werde zum ersten Mal in meinem Leben eine Ansprache zum Nationalfeiertag halten. Es ist eine Gelegenheit, meine Blog-Leser auch daran teilhaben zu lassen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ansprache zum Nationalfeiertag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe G\u00e4ste, liebe Angeh\u00f6rige, liebe Mitarbeitende des HAUSES FUHRENMATTE<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben gemeinsam unsere Schweizerische Nationalhymne gesungen.\nEs ist ein Hymnus, der meisterhaft zum Ausdruck bringt, was der\neigentliche Inhalt dieses Feiertags sein soll. Jede Strophe schildert\netwas von der Sch\u00f6nheit und Einzigartigkeit unseres wundersch\u00f6nen\nLandes. Und jede Strophe endet mit der Feststellung: Eure fromme\nSeele ahnt, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland. \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mitten in der ersten Strophe werden wir direkt angesprochen und\naufgefordert: &#8222;Betet, freie Schweizer, betet!&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Liederdichter bezeichnet uns als &#8222;freie Schweizer&#8220;.\nIst uns bewusst, welch grosses Vorrecht es ist, dass wir freie\nSchweizer sind und in einem freien Land leben d\u00fcrfen? Viele von\nunseren Vorfahren haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um uns diese\nFreiheit zu erk\u00e4mpfen und auch zu erhalten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In der Anrede als &#8222;freie Schweizer&#8220; werden wir doppelt aufgerufen: &#8222;Betet, betet!&#8220; Warum ruft die Nationalhymne so dringlich zum Gebet auf? Es war eine schwierige Zeit, als Leonhard Widmer im Jahr 1840 diesen Text geschrieben hat. Und er wusste, dass Freiheit nicht in Stein gemeisselt ist. Nur der allm\u00e4chtige Gott kann letztlich unsere Freiheit erhalten. Darum ist das Gebet unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch heute leben wir wieder in einer turbulenten Zeit &#8211; genau so\nwie damals. Wenn ich die Nachrichten h\u00f6re, muss ich oft den Atem\nanhalten. Wo f\u00fchrt die Weltpolitik hin?  Niemand von uns weiss, was\nauf uns zukommen wird. Darum gilt an diesem 1. August 2019 der Ruf\ndieses Liedes auch uns: Betet freie Schweizer, betet!<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit, bevor Leonhard Widmer diesen Text schrieb, hatte die Franz\u00f6sische Revolution ganz Europa ersch\u00fcttert. Daraufhin wechselten die Regierungsformen in rascher Folge: 1815 die Mediation, dann die Restauration, und ab 1830 folgte die Regeneration. Die Zeit war gepr\u00e4gt von verschiedenen polarisierenden Kr\u00e4ften. Sie wollten die Schweiz nach ganz unterschiedlichen Vorstellungen neu gestalten. Zur gleichen Zeit sammelten sich in der Schweiz viele Fl\u00fcchtlinge, ganz \u00e4hnlich wie heute. Damals jedoch nicht aus Afrika, sondern aus Deutschland, Frankreich und Italien. Diese Fl\u00fcchtlinge versuchten von der Schweiz aus in ihren eigenen L\u00e4ndern politische Ver\u00e4nderungen herbei zu f\u00fchren. Sie organisierten Freischarenz\u00fcge. In der Folge musste die Schweiz gewisse Fl\u00fcchtlinge ausschaffen.   <\/p>\n\n\n\n<p>Innerschweizerisch versuchten die st\u00e4dtischen Kantone mehr Macht\nvom Land auf die St\u00e4dte zu konzentrieren (Patrizierherrschaft).\nWegen dieser Entwicklung schlossen sich die Landkantone in einem\nSonderbund zusammen. 1847 kam es schliesslich zum Sonderbundskrieg.\nVielleicht sagt Ihnen das nicht viel, f\u00fcr mich selbst ist es\nbedeutungsvoller, denn mein Urgrossvater k\u00e4mpfte dort als\nArtillerist mit. Aus dieser Zeit ist ein Brief erhalten geblieben.\nDarin erw\u00e4hnt mein Urgrossvater, damals 21-j\u00e4hrig, ein erstes\nGefecht. Vermutlich handelt es sich um die Kampfhandlungen von\nGeltwil und Lunnern am 12. November 1847. Er schreibt: \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Lieber Vater und Geschwisterte, ich\ngr\u00fcsse euch und alle Freunde vilmahl &#8230;  <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8230; Da kam ein Mann der sagte die\nLuzerner seien im Anzuge. Unsere Kanonen stellten wir auf einer\nAnh\u00f6he auf. Die Schiffsbr\u00fccke wurde abgebrochen. Da kamen sie mit\neinem furchtbaren Geschrei entgegen. Da feuerten wir zwei Runden\ngegeneinander. Bei uns aber hatte niemand keine Verletzung bekommen,\nnur ein einziges Pferd ging verloren. Von der Infanterie gab es zwei\nTote und sieben blessierte &#8230; <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr aber hoffet auf Gott. Er wird euch\nwohl erhalten, wie er uns in diesem Gefecht erhalten hat. Es mag\nkommen wie es will, so bin ich unverzagt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Affoltern, 15. Wintermonat 1847\t \tJakob\nKuhn&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Sieg des eidgen\u00f6ssischen Heers wurde der Sonderbund\naufgel\u00f6st, und dies machte den Weg frei f\u00fcr eine neue\nBundesverfassung, die am 12. September 1848 angenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg, welcher vorausgegangen war, pr\u00e4gte das Bewusstsein der\nAutoren beim Schreiben der neuen Verfassung. Sie waren \u00fcberzeugt,\ndass der Frieden ein sehr zerbrechliches Gut ist. Darum schrieben sie\nin der Pr\u00e4ambel:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Namen Gottes des Allm\u00e4chtigen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie wussten sehr wohl, dass der Zusammenhalt des Volks in\nschwierigen Zeiten nur mit Gottes Hilfe und nur unter seinem Schutz\ngelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so steht es auch in der heute g\u00fcltigen Form der Verfassung in\nder Revision 1999. Trotz viel Widerstand von liberaler Seite her ist\nder Satz so erhalten geblieben: Im Namen Gottes des Allm\u00e4chtigen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nun habe ich nicht im Sinn, mit Ihnen einen Gang durch die\nBundesverfassung zu machen. Aber auf einen Satz m\u00f6chte ich doch kurz\neingehen, weil er f\u00fcr uns alle, die wir hier zusammensitzen, eine\ngrosse Bedeutung hat:  \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Artikel 41b:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Bund und Kantone setzen sich (in Erg\u00e4nzung zu pers\u00f6nlicher Verantwortung und privater Initiative) daf\u00fcr ein, dass:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>jede Person die f\u00fcr ihre Gesundheit\nnotwendige Pflege erh\u00e4lt;&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Anwesende, mit diesem Artikel hat der Staat den Rahmen\ngeschaffen, dass dieses Pflegeheim, das HAUS FUHRENMATTE, durch\nPrivatinitiative und viel pers\u00f6nlichem Einsatz zustande gekommen\nist. So konnte ein gesch\u00fctzter Ort entstehen, an welchem viele\nMitarbeitende ihren Beitrag leisten und auch Opfer bringen, damit in\ndiesem Haus 12 schwer hilfsbed\u00fcrftige Menschen ein wirkliches\nZuhause erleben und auf einem sehr hohen Niveau liebevoll gepflegt\nwerden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles ist Grund zum Danken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein erster grosser Dank geht an Gott, der \u00fcber allem gewacht hat.\nIhm verdanken wir es in erster Linie, dass wir in dieser sch\u00f6nen\nSchweiz in Freiheit leben d\u00fcrfen. Und Ihm verdanken wir es\nletztlich, dass dieses HAUS FUHRENMATTE entstehen konnte. Er hat\nseinen Segen und das Gelingen geschenkt. Und Er wacht auch in der\nZukunft \u00fcber diesem Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer grosser Dank geht an Ruth und Werner Lempen-Wyss als\nInitiatoren des HAUSES FUHRENMATTE. Ihr habt viel Herzblut, viel\nFachwissen und viele Mittel investiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und last but not least geht ein grosser Dank an alle\nMitarbeitenden hier. Denn was hier angeboten und geleistet wird, das\nmacht Ihr alle mit eurem grossen Einsatz erst m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die G\u00e4ste m\u00f6chte ich nicht vergessen: Auch euch, liebe\nG\u00e4ste, ein herzliches Dankesch\u00f6n, dass ihr eine so zufriedene\nGruppe seid, so dass man euch gerne pflegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen herzlichen Dank allen!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"360\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/600px-Geltwil1847.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-317\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/600px-Geltwil1847.jpg 600w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/600px-Geltwil1847-300x180.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Schlacht\nbei Geltwil<\/strong> (Nachweis Quelle: Wikipedia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boltigen, 1. 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