{"id":377,"date":"2020-01-05T20:53:23","date_gmt":"2020-01-05T19:53:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=377"},"modified":"2020-02-08T17:20:23","modified_gmt":"2020-02-08T16:20:23","slug":"am-ziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2020\/01\/05\/am-ziel\/","title":{"rendered":"Am Ziel!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rosmarie_Portrait-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-378\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rosmarie_Portrait.jpg 768w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rosmarie_Portrait-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Rosmarie Kuhn-Widmer    7. Januar 1942  bis  1. Januar 2020<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>\n\nZiel\nerreicht<\/h3>\n\n\n\n<p>Am 27.12.2019 erhielt ich einen Anruf aus dem &#8222;Haus Fuhrenmatte&#8220;, Boltigen. Meine Ehefrau sei am Sterben, erkl\u00e4rte mir die Leiterin. Sie habe ein gutes Klappbett organisiert, so dass ich die letzten Stunden bei meiner Liebsten verbringen k\u00f6nne.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aus den erw\u00e4hnten letzten Stunden wurden schliesslich f\u00fcnf Tage\nund f\u00fcnf N\u00e4chte. Eine \u00e4usserst anspruchsvolle Zeit f\u00fcr mein\nsensibles Innenleben. Zum ersten Mal konnte ich den ganzen Vorgang\ndes Sterbens aus n\u00e4chster N\u00e4he miterleben. Und das nicht einfach\nals neutraler Beobachter. Es war ja ein St\u00fcck von mir, das da\nendg\u00fcltig und brutal abgerissen wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Tage und N\u00e4chte &#8211; Zeit zum Nachdenken \u00fcber das Sterben.\nUnausweichlich steht Gottes Beschluss \u00fcber jedem Menschenleben, dass\nwir einmal sterben m\u00fcssen. Niemand kann sich der g\u00f6ttlichen\nAnordnung widersetzen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ja gewiss, der Tod ist ein besiegter Feind. Jesus Christus hat in seinem Tod und in seiner Auferstehung den Satan samt allen Finsternism\u00e4chten besiegt &#8211; und in diesen Sieg ist auch der Tod eingeschlossen. Trotzdem ist das Hindurchgehen durch den Tod kein Kinderspiel. Es ist ein Weg des Leidens. W\u00e4hrend mehr als 100 Stunden wurde ich Zeuge von all den herausfordernden Etappen auf dem Weg, wenn die &#8222;irdische H\u00fclle&#8220; verlassen wird.  <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich als Ehemann war es hart, wenn ich sehen musste, wie meine Liebste nach mehr Luft ringt. Reflexartig m\u00f6chte man eingreifen und helfen. Schliesslich hatte man in der Milit\u00e4rsanit\u00e4t die Reanimation gelernt und einge\u00fcbt. Aber dadurch w\u00fcrde die Leidenszeit nur verl\u00e4ngert. Gewaltsam musste ich mich zur\u00fcckhalten und in meinen Gedanken zu Rosmarie sagen: &#8222;Du musst jetzt hindurch, du bist am Sterben.&#8220;  Andererseits war es beruhigend zu wissen, dass meine Frau dank Morphin keine Schmerzen zu leiden hatte.  <\/p>\n\n\n\n<h3>Grund zur Anbetung<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz aller Belastung, die das Begleiten eines Sterbenden mit sich bringt, gibt es auch die erhabene Seite. Und diese f\u00fchrt zum Staunen. Ein Aha-Erlebnis folgt dem anderen. Als erstes wurde mir bewusst, dass Sterben ein Programm ist. In unserem K\u00f6rper ist es geheimnisvoll veranlagt, vorgegeben.  <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Ehefrau hatte stets einen guten Appetit. Noch vor drei Wochen hatte ich ihr ein Dessert mit Eiscreme eingel\u00f6ffelt. Das nahm sie gen\u00fcsslich und dankbar zu sich. Nur wenige Tage sp\u00e4ter wurde die Nahrungsaufnahme drastisch schwieriger, egal ob kleingeschnitten oder p\u00fcriert. Etwas sp\u00e4ter wurde das Essen ganz verweigert. Die Trinkmenge nahm von Tag zu Tag deutlich ab. Bald wurde auch hier eine Null geschrieben. Das w\u00fcrde sich kein Mensch einfach so antun. Gott hat schon bei der Erschaffung des Menschen an die Zeit nach dem S\u00fcndenfall gedacht und dieses geheimnisvolle Programm mit auf den Weg gegeben.  Damit wir sterben und so den Leib, in welchem die S\u00fcnde wohnt, ablegen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Da ich im Blick auf Anatomie und Physiologie nicht ganz ohne Grundkenntnisse bin, wurde mir in jeder Phase des Sterbevorgangs klar, was sich in diesem K\u00f6rper abspielt. Ein Notlaufmechanismus nach dem anderen wurde zugeschaltet &#8211; und dies nach einem vom Sch\u00f6pfer ausgedachten, intelligenten Worstcase-Programm. Parallel dazu das Sterbeprogramm, das unbeirrt auf das Ziel hin arbeitete.  <\/p>\n\n\n\n<p>Nun will ich meine Leser nicht mit Details belasten. Es ist auch nicht n\u00f6tig. F\u00fcr mich als Begleiter war es wie ein Film, der mich in tiefe Geheimnisse Gottes einf\u00fchrte. So wie man bei einer Geburt ein wunderbares Handeln Gottes erlebt, wenn ein Menschenleben in diese Welt eintritt, so ist es auch ein wunderbares Handeln Gottes, wenn die Seele eines Menschen ihre irdische H\u00fclle verl\u00e4sst und zu Gott zur\u00fcckkehrt. Nur die Anbetung Gottes kann in diesem Geschehen die angemessene Antwort sein.  <\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf das Erlebte scheint es mir ein bedauerlicher Verlust zu sein, wenn der Sterbevorgang in unserer Kultur gr\u00f6sstenteils aus dem Familienumfeld ausgelagert wird. Eine grundlegende Erfahrung, die f\u00fcr das ganze Leben hilfreich w\u00e4re, geht so unserer Generation verloren.   <\/p>\n\n\n\n<h3>Grund zur Freude<\/h3>\n\n\n\n<p>Aus allem, was das Neue Testament \u00fcber die Zeit danach lehrt, l\u00e4sst sich zusammenfassend sagen: Das was kommt, ist viel, viel wichtiger und herrlicher als das, was vergeht. Wenn wir Paulus dazu h\u00f6ren &#8211; immerhin wurde ihm eine Einblicknahme ins Himmlische gew\u00e4hrt (2Korinther 12,2-4) &#8211; so brauchen wir keine Bedenken zu haben, dass wir vielleicht in einem Totenschlaf irgendwo auf unsere Auferstehung warten m\u00fcssten. Paulus sagt voll \u00dcberzeugung (Philipper 1,23) : <em>&#8222;Ich m\u00f6chte am liebsten aus diesem Leben scheiden <strong>und bei Christus sein<\/strong><\/em><em>; das w\u00e4re bei weitem das Beste.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus selbst hat in seiner Bitte an seinen Vater klar seinen Willen ausgedr\u00fcckt (Johannes 17,24): <em>&#8222;Vater, Ich will, dass die, die Du mir gegeben hast, dort sind, wo Ich bin. Sie sollen bei mir sein, damit sie meine Herrlichkeit sehen.&#8220;<\/em>  So d\u00fcrfen wir uns zusammen mit Rosmarie freuen, dass sie jetzt da ist, wo Jesus ist, der sie und uns geliebt hat und der sie nun ans Ziel gebracht hat. Sie darf ihren Retter schauen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Kinder haben damit keine Probleme. Gestern kam meine Enkelin Jemima mit einer Frage zu ihren Eltern: <em>&#8222;Darf ich Jesus bitten, dass Er Grossmueti einen Gruss von mir ausrichtet?<\/em>&#8220;  Ja, so einfach ist das!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 10. Januar 2020<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute wurde der irdische Leib meiner lieben Gattin auf dem Friedhof Beatenberg zur Ruhe gelegt. Die Abschiedsfeier in der sehr vollen Kirche hat viele Teilnehmer angesprochen und bewegt. Es war mir ein Anliegen, dass jenes Lied, welches ich meiner Rosmarie in Boltigen so oft vorgesungen habe, auch bei der Trauerfeier einen Platz fand. Nat\u00fcrlich war in meiner Verfassung nicht an live-singen zu denken, deshalb habe ich das Lied zwei Tage vor der Abschiedsfeier aufgenommen. Nun k\u00f6nnen es auch meine Blog-Leser im unten eingef\u00fcgten Audio h\u00f6ren: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Dann_wird_es_kein_Leid_mehr_geben.mp3\"><\/audio><figcaption>&#8222;Dann wird es kein Leid mehr geben &#8230;&#8220;           Liedvortrag von Heinrich Kuhn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2>\nLebenslauf von Rosmarie Kuhn-Widmer<\/h2>\n\n\n\n<p>Am 7. Januar 1942 wurde ich als zweites Kind des Ehepaars Werner\nund Barbara-Frieda Widmer-H\u00fcni in Z\u00fcrich im Inselhof geboren. Meine\nMutter hatte als Verdingkind eine schwere Jugendzeit hinter sich,\naber auch mein Vater hatte es nicht einfach. Als Linksh\u00e4nder wurde\ner von seinem Vater als \u201eder Linke\u201c abgestempelt. Trotz der\nerlebten Verletzungen gaben sich die Eltern sehr viel M\u00fche, uns eine\ngute Kinder- und Jugendzeit zu erm\u00f6glichen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Schweiz herum tobte der zweite Weltkrieg, deshalb befand\nsich der Vater im Aktivdienst. Zu meiner Geburt erhielt er Urlaub und\nkonnte f\u00fcr kurze Zeit nach Hause kommen. Schon mit drei Monaten\nerkrankte ich an Keuchhusten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich in den Kindergarten kam, z\u00fcgelten wir aus der engen\nDachwohnung am Ilanzhofweg in die erste Etage. Ich war gl\u00fccklich und\nhatte viele Freunde. Meine Mutter war nicht so gl\u00fccklich, denn sie\nmusste mich oft suchen, weil ich meistens irgendwo auf Besuch war,\nvor allem in Haushaltungen mit Babys und Kleinkindern. Da meine\nMutter N\u00e4hkurse besuchte, hatten wir auch diverse Aufgaben im\nHaushalt zu erledigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonderer Kindergartenfreund war Wernerli. Er war hellblond\nwie ich. Wir warteten immer aufeinander und die Leute fragten uns, ob\nwir Zwillinge seien. Das reizte uns, \u201eja\u201c zu sagen. Aber an einem\nVormittag war ich alleine. Wo bleibt denn dein Bruder, ist er krank?\nNein, er ist fortgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Besondere Bewahrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Nachbarn im Parterre hatten einen kleinen Wienerknaben f\u00fcr\nFerien aufgenommen, der als Kriegswaise Erholung ben\u00f6tigte\n(psychisch traumatisiert). Da wurde entsprechend gespielt. Er hatte\nvor Kriegsende miterlebt, wie SS-Verb\u00e4nde die Frontr\u00fcckkehrer an\nB\u00e4umen aufh\u00e4ngten. Nach der Kapitulation ging es umgekehrt. Jetzt\nbaumelten die SS-Leute an den B\u00e4umen. Und nun wollte der Wiener\nJunge uns zeigen, was er gesehen hatte. Wenn Gott nicht rechtzeitig\nmeine Mutter und eine Nachbarin auf das lebensbedrohliche Spiel\naufmerksam gemacht h\u00e4tte &#8230; \u2013 ich hatte bereits einen Strick um\nden Hals!<\/p>\n\n\n\n<p>Die 1. und 2. Klasse besuchte ich im evangelischen Lehrerseminar\nUnterstrass in Z\u00fcrich. Wir waren das \u00dcbungsfeld der zuk\u00fcnftigen\nLehrer. Es war eine gute Zeit. Auch da fand ich sofort auf Hilfe\nangewiesene Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich die 6. Klasse besuchte, zogen wir nach Feldmeilen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Soweit der von Rosmarie Kuhn selbst verfasste Lebenslauf.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3>Fortsetzung durch Ehemann und Kinder verfasst<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit 7 Jahren durfte Rosmarie zum ersten Mal an einem Kinderlager\nder Bibelschule Beatenberg teilnehmen. Dort traf sie die\nEntscheidung, die f\u00fcr ihr ganzes weitere Leben richtungweisend\nwurde: Sie wollte Jesus Christus nachfolgen und war \u00fcberzeugt, dass\nsie ihr ganzes Leben in den Dienst Gottes stellen werde. Mit Eifer\nerz\u00e4hlte sie ihren Klassenkameradinnen von Jesus und versorgte sie\nmit Kindertraktaten. Bald durfte sie erleben, dass auch andere den\nWeg mit Jesus w\u00e4hlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosmaries Berufsziel war Kinderkrankenschwester. F\u00fcr den Eintritt\nin die Lehre war sie jedoch nach Abschluss der Sekundarschule noch zu\njung. Also nutzte sie die Zeit f\u00fcr eine Erstausbildung als\nDamenschneiderin in der Frauenfachschule in Z\u00fcrich. Ein\nausserordentlich n\u00fctzlicher Beruf, wenn man sp\u00e4ter eine eigene\nFamilie mit Kleidern auszur\u00fcsten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lehre als Kinderkrankenschwester absolvierte Rosmarie im\nInselhof in Z\u00fcrich. Sie liebte die Kinder und hatte ein\nausgesprochenes H\u00e4ndchen, um sie zu pflegen. Denjenigen Patientchen,\ndie von anderen Pflegenden weniger Zuwendung erhielten, brachte sie\nbesonders viel Liebe entgegen. So kam es, dass ihr vor allem die\nProblemkinder anvertraut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem anschliessenden Praktikumsjahr im Kinderspital Basel\ntrat Rosmarie am 1. September 1965 ins Bibel- und Missionsseminar\nBeatenberg ein. Es war eine f\u00fcr sie sehr pr\u00e4gende Zeit. Was sie aus\ndem Wort Gottes erkannte, wollte sie im eigenen Leben auch umsetzen.\nNach Abschluss der zweij\u00e4hrigen Ausbildung entschloss sie sich,\nzus\u00e4tzlich einen Katechetikkurs zu belegen \u2013 ohne zu wissen, dass\nein junger Bibellehrer auf sie wartete. Am 9. November 1967 war es\ndann so weit, dass jener Bibellehrer um ihre Hand warb. Obwohl dies\nall ihre Pl\u00e4ne zum Einst\u00fcrzen brachte, erkannte sie es als Gottes\nF\u00fchrung, dass sie \u201eJa\u201c sagen sollte. Ja zum Heiraten, und Ja zum\nBleiben als Mitarbeiterin an der Bibelschule.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, 1968 &#8211; wiederum am 9. November &#8211; gaben sich Heinrich und Rosmarie Kuhn das offizielle JA-Wort. Beatenberg, der Ort, der Rosmarie schon im fr\u00fchen Kindesalter zur Herzensheimat wurde, sollte von nun an ihre Heimat sein und bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im August 1969 wurde dem jungen Ehepaar eine Tochter geschenkt \u2013\nClaudia. Im Januar 1971 kam Matthias zur Welt, und im Dezember 1973\nerweiterte sich die Familie mit dem 3. Kind, Christoph.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosmarie liebte es, Zeit mit ihren eigenen Kindern zu verbringen.\nNebenher arbeitete sie nach Kr\u00e4ften an der Bibelschule mit. Mit der\nZeit wurde das Leben und Arbeiten als Familie innerhalb des\nGrossbetriebs immer herausfordernder. Auf \u00e4rztlichen Rat hin dr\u00e4ngte\nsich eine \u00c4nderung der Wohnsituation auf. Der Wunsch nach einer\nWohnung im Dorfteil Waldegg kam auf. Nur: Mietwohnungen suchte man\ndort zu jener Zeit vergeblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dann folgte, war typisch Rosmarie:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine im Dorf geachtete Person sagte ihr: \u201eWenn ihr in die\nWaldegg ziehen wollt, m\u00fcsst ihr etwas kaufen\u201c \u2013 und hat ihr\ngleich ein Objekt empfohlen. Als Rosmaries Mann abends nach Hause\nkam, war schon alles eingef\u00e4delt. \u201eMorgen m\u00fcssen wir ein Haus\nanschauen.\u201c So lautete die Begr\u00fcssung. Und es gab nichts mehr\ndaran zu r\u00fctteln. Als die beiden dann am n\u00e4chsten Nachmittag das\nChalet Marianne besichtigten, drehte sich Rosmarie schon im Korridor\num und fl\u00fcsterte ihrem Gatten ins Ohr: \u201eHier f\u00fchle ich mich wohl,\ndas Haus kriegen wir.\u201c \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Verm\u00f6gen auf dem Sparbuch der Familie z\u00e4hlte zu jenem Zeitpunkt nur 80 Schweizerfranken. Die Entl\u00f6hnung in der Bibelschule bestand damals lediglich aus Taschengeld, Haushaltungsgeld und freier Wohnung. Ein Hauskauf schien also unm\u00f6glich!!! Aber zwei Wochen nach jenem Termin der Hausbesichtigung fand die \u00dcberschreibung beim Notar statt. F\u00fcr Rosmarie war es selbstverst\u00e4ndlich, dass Gott ein Gott ist, der Wunder tut, was Er in diesem Moment auch in grossem Masse tat. Rosmaries Devise lautete: Wir sind Kinder des gr\u00f6ssten K\u00f6nigs, und ein K\u00f6nig l\u00e4sst seine Kinder nicht darben. Die entsprechende Erfahrung hat sich auch ihren Kindern tief eingepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz nach dem Einzug ins neue Eigenheim vervollst\u00e4ndigte Markus\nim April 1979 das Familiengl\u00fcck. Trotz der anspruchsvollen Aufgabe\nmit einer inzwischen 6-k\u00f6pfigen Familie, Haus und Garten, fand\nRosmarie noch Zeit, sich in verschiedene Aufgaben zu investieren. So\nbetreute sie w\u00e4hrend mancher Jahre eine Kinder-Bibelgruppe im Dorf.\nIn den 70-er Jahren nahm sie mit diesen Kindern drei biblische\nH\u00f6rspiel-Kassetten auf und verlieh den H\u00f6rspielen mit ihren\nselbstgeschriebenen Liedern und ihrer jungen Erz\u00e4hlstimme ihre ganz\npers\u00f6nliche Note. Bis heute sind diese H\u00f6rspiele gerade f\u00fcr die\nEnkelkinder eine ganz besondere Erinnerung an Grossmueti.<\/p>\n\n\n\n<p>In Heinrichs vielf\u00e4ltigen Arbeitsbereichen konnte er mit Rosmarie\nauf eine geschickte und stets hilfsbereite Gattin z\u00e4hlen. Beim\nAufbau eines Tonstudios legte sie tatkr\u00e4ftig Hand an und war auch\njedes Mal dabei, wenn mit dem Bibelschul-Chor oder mit ausw\u00e4rtigen\nCh\u00f6ren Tonaufnahmen f\u00fcr die Kassettenherstellung gemacht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Jahrzehnte \u00f6ffnete Rosmarie ihr Herz und Haus f\u00fcr Anliegen\nund N\u00f6te anderer Menschen, insbesondere f\u00fcr Studentinnen der\nBibelschule, die so manchen Kummer bei ihr abladen durften.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls korrigierte sie schriftliche Pr\u00fcfungsaufgaben aus dem\nUnterricht ihres Mannes, was sich zugleich als Vorbereitungszeit\nerwies f\u00fcr eine besondere Aufgabe, die anschliessend an die\nPensionierung noch auf das Ehepaar wartete.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber eine l\u00e4ngere Zeit reifte n\u00e4mlich der Gedanke, neben dem\nStudienangebot auf dem Campus der Bibelschule auch ein zeitgem\u00e4sses\nAngebot via Internet anzubieten. Mit der technischen Umsetzung durch\nden Sohn Markus, welcher sich zu jener Zeit im Informatik-Studium\nbefand, ging das Projekt \u00abOnline-Bibelkurs\u00bb im Herbst 2002, kurz\nvor Heinrichs Pensionierung, an den Start.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosmarie war aktiv daran beteiligt, passende Lektionen f\u00fcr das\nSelbststudium auszuarbeiten. Weiter betreute sie die administrativen\nBelange und korrigierte die eingesandten Aufgaben der Teilnehmer. In\nden Jahren 2009 und 2010, bevor zus\u00e4tzliche Korrektoren eingesetzt\nwurden, korrigierte sie pro Jahr an die 1000 Aufgaben. Ihre\nMotivation f\u00fcr diese Arbeit war stets, dass interessierte Christen\nin allen Lebenslagen die M\u00f6glichkeit erhalten, sich intensiv mit der\nlebensver\u00e4nderndern Botschaft der Bibel zu besch\u00e4ftigen. Im Jahr\n2013 konnte die Verantwortung f\u00fcr diesen Onlinekurs in j\u00fcngere\nH\u00e4nde gegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In all ihren Aufgaben fiel es Rosmarie nie schwer, sich viel Zeit\nf\u00fcr die Kinder zu nehmen. In den letzten 22 Jahren waren dies\nbesonders ihre Enkelkinder &#8211; schlussendlich 16 an der Zahl &#8211; f\u00fcr die\nsie immer behutsame F\u00fcrsorge, ein offenes Ohr, ein Sp\u00e4sschen oder\neine fesselnde Geschichte bereit hielt. Die Kinder zauberten selbst\nin schweren Stunden immer ein L\u00e4cheln auf ihr Gesicht. Auch liebte\nsie es, in der sch\u00f6nen Beatenberger Natur zu sein, sei es f\u00fcr einen\nausgiebigen Spaziergang, oder eine Auszeit auf der Ch\u00fcematte.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider machte sich vor ca. 7 Jahren dann Rosmaries schwere\nAlterskrankheit verst\u00e4rkt bemerkbar, was ein Geniessen des\nLebensabends zunehmend schwieriger machte. Wichtiger als das\nGeniessen k\u00f6nnen ist jedoch dieses felsenfeste, und doch kindliche\nGottvertrauen, welches Rosmarie ausgemacht hat. Sie wusste sich von\nGott geliebt und hat uns in all den Jahren viel, viel Liebe mit auf\nden Weg gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand w\u00fcnscht sich ein Lebensende als Demenz-Patient. Schon das\nWort an sich l\u00f6st bei vielen Menschen \u00c4ngste aus. Und so stellt\nsich uns die Frage: H\u00f6rt Gottes liebende F\u00fcrsorge auf, wenn Er eine\ndementielle Erkrankung zul\u00e4sst? &#8211; Nein, das ist unm\u00f6glich! Der\nGott, der uns so sehr liebt, dass Er seinen Sohn f\u00fcr uns am Kreuz\nsterben liess, der kann uns unm\u00f6glich einen schlechten Weg f\u00fchren,\nselbst dann nicht, wenn wir aus unserer Optik den Sinn nicht erkennen\nk\u00f6nnen. Seine Liebe ist best\u00e4ndig, darum k\u00f6nnen wir Ihm vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 16. Januar 2017 begann f\u00fcr Rosmarie die letzte Lebensetappe.\nAn diesem Tag trat sie ins Pflegeheim &#8222;Haus Fuhrenmatte&#8220; in\nBoltigen ein. Es ist bemerkenswert, dass die Segenslinie \u00fcber ihrem\nLeben mit dem Heimeintritt nicht aufh\u00f6rte. Mit ihrer Ausstrahlung\nhat sie weiterhin Liebe ausgestreut, sodass manche Pflegende w\u00e4hrend\nsie Rosmarie umsorgten, selbst wieder aufgerichtet wurden. So bleibt\nuns zum Schluss nur das dankbare Aufschauen zu dem Gott, der Rosmarie\ndas Leben geschenkt hat, der sie mit vielen Gaben und einem\nliebevollen Wesen ausger\u00fcstet und auf der ganzen Lebensreise treu\nbewahrt hat. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der HERR hat&#8217;s gegeben, der HERR hat&#8217;s genommen, der Name des Herrn sei gelobt!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziel erreicht Am 27.12.2019 erhielt ich einen Anruf aus dem &#8222;Haus Fuhrenmatte&#8220;, Boltigen. Meine Ehefrau sei am Sterben, erkl\u00e4rte mir die Leiterin. Sie habe ein gutes Klappbett organisiert, so dass ich die letzten Stunden bei meiner Liebsten verbringen k\u00f6nne.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[18],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/377"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=377"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/377\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":410,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/377\/revisions\/410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}