{"id":411,"date":"2020-02-15T13:42:43","date_gmt":"2020-02-15T12:42:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=411"},"modified":"2020-02-16T21:11:22","modified_gmt":"2020-02-16T20:11:22","slug":"darf-es-mir-gut-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2020\/02\/15\/darf-es-mir-gut-gehen\/","title":{"rendered":"Darf es mir gut gehen?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"511\" height=\"395\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Biene.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-414\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Biene.jpg 511w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Biene-300x232.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 511px) 100vw, 511px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3>Darf es mir gut gehen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit dem Hinschied meiner lieben Gattin erlebe ich ber\u00fchrend viel\nTeilnahme. Fast regelm\u00e4ssig wird mir dabei auch die Frage gestellt:\n\u00abWie geht es dir?\u00bb Meist stelle ich im Tonfall dieser Frage eine\nehrliche, warmherzige Anteilnahme fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine Antwort \u00abGut\u00bb reagieren die Fragesteller jedoch auf\ndrei verschiedene Weisen: Die einen freuen sich von Herzen, dass es\nmir trotz des Verlusts gut geht. Andere nehmen die Antwort zur\nKenntnis und sind zufrieden. Schliesslich gibt es die dritte Gruppe.\nUnd hier verraten die fragenden Gesichtsz\u00fcge, dass meinen Worten\nwohl nicht ganz zu trauen ist \u2013 so etwa als w\u00fcrde ich aus lauter\nH\u00f6flichkeit \u2039gut\u203a sagen. Vielleicht schwingt im Hinterkopf auch\nder Gedanke mit: \u00abWenn er ehrlich antworten w\u00fcrde, k\u00f6nnte er nicht\n\u2039gut\u203a sagen. Vielleicht verdr\u00e4ngt er die Trauer und wird sp\u00e4ter\nvon ihr eingeholt.\u00bb \n<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei solchen Reaktionen frage ich mich selbst, ob vielleicht bei mir etwas nicht stimme. Ob ich wom\u00f6glich eine Regel breche, oder ob ich ein schlechtes Gewissen haben m\u00fcsste, weil es mir gut geht. Deshalb fing ich an zu sagen: \u00abEs geht mir besser, als ich erwarten d\u00fcrfte.\u00bb Mit dieser Formulierung kann dann mein Gegen\u00fcber selbst entscheiden, wo sie oder er mich auf der Skala des Wohlbefindens einordnen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Blick auf solche Begegnungen muss ich mich der Frage stellen:\nDarf es mir angesichts meiner Situation gut gehen? Ist es in Ordnung?\nIn ganz \u00e4hnlichem Sinn stehen wir alle vor der Frage: Ist es\nrichtig, dass es uns im Westen so gut geht &#8211; \n<\/p>\n\n\n\n<ul><li>w\u00e4hrend in Syrien und Libyen totales Chaos und Elend\n\therrscht, &#8211; \n\t\n\t<\/li><li>w\u00e4hrend in der Sahelzone christliche D\u00f6rfer \u00fcberfallen und\n\tdie Bewohner grausam massakriert werden, &#8211; \n\t\n\t<\/li><li>w\u00e4hrend ein ansehnlicher Teil der Weltbev\u00f6lkerung nicht\n\t\u00fcber das Allernotwendigste zum Leben verf\u00fcgt. \n\t\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>M\u00fcssen wir ein schlechtes Gewissen haben, weil es uns gut geht?\nDie Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt\nunser Wohlstand auch ein St\u00fcck weit damit zusammen, dass die\nM\u00e4chtigen der Industriel\u00e4nder arme Entwicklungsl\u00e4nder ausbeuten.\nNat\u00fcrlich stehen wir auch in der Verantwortung, dass wir da wo es\nm\u00f6glich ist, unsere Stimme erheben und Unrecht beim Namen nennen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem d\u00fcrfen wir uns wegen unseres Wohlstands kein schlechtes\nGewissen unterschieben lassen. Dass es uns gut geht, ist Gottes Gabe.\nEine Gabe ist nicht verdient. Sie hat nichts damit zu tun, dass wir\nbesser w\u00e4ren. Sie ist geschenkt. Darum sollen wir Gott t\u00e4glich\ndanke sagen, dass wir seine G\u00fcte in einem so grossen Mass erleben.\nUnd wir sollen mit denen teilen, welche sich keines solchen Vorrechts\nerfreuen k\u00f6nnen. So d\u00fcrfen wir mit Freude und mit gutem Gewissen\nGottes Gabe geniessen und Ihm daf\u00fcr danken. Dadurch wird Gott\ngeehrt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne habe auch ich keinen Grund, irgendwelche Skrupel zu haben, weil es mir trotz des Verlusts gut geht. Ich nehme es dankbar aus Gottes Hand an. Nat\u00fcrlich schmerzt es, dass der liebste Mensch endg\u00fcltig von mir getrennt ist, dass ich ihre Stimme nicht mehr h\u00f6re, ihre strahlenden Augen nicht mehr sehe, ihre W\u00e4rme nicht mehr f\u00fchle. F\u00fcr immer. Nat\u00fcrlich hat der Verbrauch von Taschent\u00fcchern zugenommen. Aber nicht nur wegen des Schmerzes, sondern ebenso wegen den Freudentr\u00e4nen. Vielleicht klingt dies komisch oder \u00fcbertrieben. Aber nein, es ist nicht \u00fcbertrieben. Ich will es erkl\u00e4ren.  <\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Korintherbrief erw\u00e4hnt Paulus die in der Provinz Asia\nerlebten enorm belastenden Erfahrungen. In diesem Zusammenhang\nschreibt er (2Kor&nbsp;1,3 nach NG\u00dc):  \u00abGepriesen sei Gott, der\nVater unseres Herrn Jesus Christus! Denn Er ist ein Vater, der sich\nerbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tr\u00f6stet und\nermutigt.\u00bb \n<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas weiter im Text (Vers 8-9) beschreibt er jene \u00fcberaus\nschwere Bedr\u00e4ngnis, welche sie in Asia durchzustehen hatten. Die\nSituation war so hart, dass er es so ausdr\u00fcckt: \u00ab&#8230;wir\nverzweifelten sogar am Leben &#8230;\u00bb Mit anderen Worten: Paulus und\nseine Mitarbeiter hatten nur noch den Tod vor Augen. Und genau dies\nwar der Hintergrund, vor welchem sie Gottes Trost erlebten. \n<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table aligncenter\"><tbody><tr><td>\n\t\t\t<strong>Was Trost ist, l\u00e4sst sich ausschliesslich in der Bedr\u00e4ngnis\n\t\t\terleben. <br>\nDabei gilt: <br>\nJe h\u00e4rter die Bedr\u00e4ngnis, desto\n\t\t\twichtiger wird der Trost <br>\nund desto kraftvoller wird er\n\t\t\terlebt. <\/strong>\n\t\t\t\n\t\t<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>Was will ich damit sagen? Bedr\u00e4ngnis erlebe ich auch, allerdings nicht so, dass ich am Leben verzweifeln m\u00fcsste, wie Paulus es schreibt. Trotzdem ist meine Situation eine perfekte Voraussetzung, um Gottes Trost ganz praktisch und in all seinen Details zu erleben. Um dies besser verst\u00e4ndlich zu machen, kehre ich nochmals zu Vers 3 zur\u00fcck, diesmal jedoch entsprechend dem griechischen Text nach der Interlinear-\u00dcbersetzung:  <\/p>\n\n\n\n<p>\u00abGepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,\nder Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tr\u00f6stet in\naller unserer Bedr\u00e4ngnis &#8230;\u00bb \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun schauen wir uns die einzelnen Teile an:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Gepriesen sei \u2026<br> <\/strong>Paulus beginnt mit einem Lobpreis. Damit lenkt er die Blickrichtung nach oben. Und in dieser Perspektive sieht alles anders aus. Gott tritt an die erste Stelle. Er ist die alles entscheidende Gr\u00f6sse in meinem Leben. Das Belastende, das weiterhin real da ist, tritt in den Hintergrund. Es verliert an Bedeutung. Es kann nicht mehr erdr\u00fccken. <\/li><li><strong>Der Gott<\/strong> \u2013  <br> Er ist &#8218;DER EINE&#8216; und ausser Ihm gibt es keinen anderen. Von diesem Gott kommt alles Leben. Er ist die Quelle. Das haben Paulus und seine Mitarbeiter in jener harten Bedr\u00e4ngnis in Asia hautnah erlebt (Vers 9b):  \u00ab&#8230;es geschah dazu, dass wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf den Gott, <strong>der die Toten auferweckt<\/strong>.\u00bb Hier geht es um den Kernpunkt des Trostes: Gott ist gr\u00f6sser als die schlimmste Not, Er ist gr\u00f6sser als der letzte Feind, der Tod. Somit kann uns selbst der Tod nichts mehr anhaben, weil Gott uns zum ewigen Leben auferwecken wird. Dieser Trost gilt nicht nur im Blick auf die Zukunft. Auch im ganz praktischen Alltagsleben d\u00fcrfen wir am Auferstehungsleben unseres Herrn Jesus Christus teilhaben. Und dieser Gott ist mein Gott. Er l\u00e4sst auch mich immer wieder aufleben.  <\/li><li><strong>und Vater unseres Herrn Jesus Christus<\/strong><br> Die Evangelien (vor allem das Johannes-Evangelium) schildern eindr\u00fccklich die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Gott-Vater und Jesus Christus. Vermutlich gibt es keinen Menschen in dieser Welt, der so viel Ablehnung, Verachtung und Hass erlebte wie Jesus Christus. Trotzdem ging Jesus seinen Weg sicher, ruhig und gelassen, denn Er kannte den Vater \u2013 und dieser Vater bewahrte und umsorgte Ihn.<br> Der gleiche Vater ist auch mein Vater. Er bewahrt und umsorgt auch mich t\u00e4glich.  <\/li><li><strong>der Vater der Erbarmungen<\/strong><br> Diese Formulierung dr\u00fcckt mehr aus als nur \u2039mit jemandem Erbarmen haben\u203a. Gott selbst ist die Quelle. Jedes Erbarmen kommt letztlich von Ihm, denn Er ist der eigentliche Erfinder des Erbarmens. Mit meinen N\u00f6ten bin ich deshalb bei Ihm an der un\u00fcbertroffen besten Adresse.  <\/li><li><strong>Gott allen Trostes<\/strong><br> Weiter oben habe ich bereits dargelegt, was g\u00f6ttlicher Trost bedeutet. Sein Trost besteht nicht einfach aus tr\u00f6stlichen Worten, sondern gr\u00fcndet in seinem Sein. Es gibt kein Problem, das f\u00fcr Gott zu gross w\u00e4re. Nie wird Ihm irgend eine Situation aus dem Ruder laufen.  <\/li><li><strong>der uns tr\u00f6stet in aller unserer Bedr\u00e4ngnis<br><\/strong> Jetzt kommt es zur Aktivit\u00e4t. Es ist nicht so, dass Gott aus der Ferne zuschauen und mir von seiner gesicherten Plattform her tr\u00f6stliche Worte zurufen w\u00fcrde. Er kommt zu mir in meine Bedr\u00e4ngnis und nimmt sich meiner an. Und nie werden meine Problemchen f\u00fcr Ihn zu unbedeutend sein, weil Er wichtigeres zu tun h\u00e4tte. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Zusammenfassung:<\/h3>\n\n\n\n<p>Trost ist f\u00fcr mich Gottes reale Gegenwart in meinem praktischen\nAlltag. Mit all dem, was Er ist, was Er hat und was Er kann, ist Er\nda bei mir. In kleinen wie auch in grossen Dingen darf ich erleben,\nwer Er ist, wie Er ist und wie freundlich Er mit mir umgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Erfahrung seiner unmittelbaren N\u00e4he wird der ganze\nMensch, Leib, Seele und Geist belebt und erbaut.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Weil dieser Gott mich t\u00e4glich mit seiner Liebe umgibt, habe ich\nallen Grund, mich \u00fcber meinen wunderbaren Herrn zu freuen. Und\nFreude ist ein wahres Lebenselixier. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freude dr\u00fcckt sich in Dankbarkeit aus. Zum Beispiel dass ich\ntrotz Jahrzehnte langer Fingerarthrose noch auf dem E-Piano begleiten\nund dazu Loblieder singen kann. Das Gotteslob hebt die Seele empor\nvor Gottes Thron. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Gotteslob empfange ich neue Kraft und kann den Haushalt\nimmer noch ohne fremde Hilfe bew\u00e4ltigen. Dies bringt mir wiederum\nein grosses Mass an Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss, das Alter hat auch mich eingeholt. Aber das ist kein Grund zum Jammern. Der Gott allen Trostes, hat auch den im Alter unvermeidlichen \u2039R\u00fcckbau\u203a im Griff. Und entsprechend erlebe ich immer wieder neu, wie Er liebevoll sorgt, wo immer sich meine Defizite zeigen. Das bringt Gelassenheit in den Alltag. Und es hebt mich weg von der Besch\u00e4ftigung mit dem Gef\u00fchl der Leere wegen des Verlusts. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei so viel Gutem darf man wohl einige\nFreudentr\u00e4nen vergiessen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es mir nicht gut gehen d\u00fcrfte, m\u00fcsste logischerweise etwas nicht stimmen, denn manche Personen haben w\u00e4hrend der ganzen Zeit von Rosmaries Krankheit nicht nur f\u00fcr sie, sondern  auch f\u00fcr mich gebetet. Und seit Rosmaries Abschied trifft dies in noch viel st\u00e4rkerem Mass zu. Unser Gott lebt, Er nimmt das Gebet seiner Kinder ernst, oft viel ernster als wir selbst. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es mir heute gut geht, ist dies schlicht Gottes Antwort auf viele Gebete. An dieser Stelle: Ein herzliches Dankesch\u00f6n allen, die f\u00fcr mich vor Gottes Thron eingestanden sind und es weiterhin tun! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darf es mir gut gehen? Seit dem Hinschied meiner lieben Gattin erlebe ich ber\u00fchrend viel Teilnahme. Fast regelm\u00e4ssig wird mir dabei auch die Frage gestellt: \u00abWie geht es dir?\u00bb Meist stelle ich im Tonfall dieser Frage eine ehrliche, warmherzige Anteilnahme fest. 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