{"id":426,"date":"2020-02-25T18:46:54","date_gmt":"2020-02-25T17:46:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=426"},"modified":"2022-07-13T11:23:30","modified_gmt":"2022-07-13T09:23:30","slug":"rosmaries-lieblingsverse-ein-vermaechtnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2020\/02\/25\/rosmaries-lieblingsverse-ein-vermaechtnis\/","title":{"rendered":"Rosmaries Lieblingsverse \u2013 ein Verm\u00e4chtnis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"753\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Milan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-427\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Milan.jpg 1000w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Milan-300x226.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Milan-768x578.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Bild: Hannelore W\u00fcthrich, Aquarell 2019<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3> Zwei Bibelverse, die zum Aha-Erlebnis werden.<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn ein Mensch nicht mehr da ist, leben die Erinnerungen auf. In diesem Sinn besch\u00e4ftigen mich im Moment zwei Verse aus dem 1. Petrusbrief. Rosmarie hat sie in manchen Situationen nicht nur zitiert, sondern auch ganz praktisch danach gehandelt.<br>Sie war jedoch fest davon \u00fcberzeugt, dass fast alle deutschen \u00dcbersetzungen das richtige Verst\u00e4ndnis dieser beiden Verse verhindern. Und wenn das Verstehen auf der Strecke bleibt, fehlt dem Wort logischerweise die Durchschlagskraft. Worum handelt es sich?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nach der Luther-\u00dcbersetzung lauten die beiden Verse 1Petrus 5,6-7: <em>\u00abSo dem\u00fctigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit Er euch erh\u00f6he zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf Ihn; denn Er sorgt f\u00fcr euch.\u00bb<\/em>  <\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es zwei S\u00e4tze. Jeder der beiden S\u00e4tze enth\u00e4lt einen Befehl. Es ist nicht ersichtlich, dass die beiden Befehle etwas miteinander zu tun h\u00e4tten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Im Grundtext wird jedoch klar, dass es sich nicht um zwei voneinander unabh\u00e4ngige S\u00e4tze handelt, sondern um einen einzigen. Und es gibt nicht zwei Imperative (Befehle), sondern nur einen: <em>\u00abDem\u00fctigt euch also unter die gewaltige Hand Gottes &#8230;\u00bb<\/em> Was in den meisten \u00dcbersetzungen als zweiter Befehl formuliert wurde, ist ganz einfach die Anweisung, wie der Befehl auszuf\u00fchren ist: Wir sollen uns keine Sorgen machen, sondern alle Sorgen auf Ihn werfen. Diesen Sinn trifft die Elberfelder-\u00dcbersetzung sehr gut mit der Formulierung:  <em>\u00abDem\u00fctigt euch unter die gewaltige Hand Gottes &#8230; <\/em><strong><em>indem<\/em><\/strong><em> ihr alle eure Sorge auf Ihn werft! Denn Er ist besorgt f\u00fcr euch.\u00bb <\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir uns vor Gott dem\u00fctigen sollen, d\u00fcrfte klar sein. Aber\nwarum muss dies in der Weise geschehen, dass wir alle Sorgen auf Ihn\nwerfen? \n<\/p>\n\n\n\n<p>Erst muss uns klar werden, wie Gott selbst es empfindet, wenn wir\nSorgen hegen. Die meisten von uns machen im Alltag \u00e4hnliche\nErfahrungen. Wir sind mit einem Problem konfrontiert. Sofort wird ein\nL\u00f6sungsweg gesucht und die Sache ist erledigt. Finden wir jedoch\nkeine L\u00f6sung, kommt irgend wann der Gedanke, mit der Angelegenheit\nzu unserem Gott zu gehen. In der Regel erfahren wir dann &#8211; oft auf\nber\u00fchrende Weise &#8211; Gottes liebevolles Eingreifen. Er ist ein Gott,\nder so gerne hilft.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal scheint es jedoch, dass unser Gebet ins Leere geht. Man betet intensiver, und es tut sich nichts. Man betet gemeinsam, aber die Erh\u00f6rung bleibt aus. Und w\u00e4hrend der ganzen Zeit hat sich das Problem mehr und mehr zugespitzt. Irgend wann halten wir es nicht mehr aus, denn vor uns sehen wir bereits die Katastrophe. Deshalb nehmen wir die Sache selbst in die Hand und suchen sie gewaltsam zu l\u00f6sen. Und schon sind wir in der Pr\u00fcfung durchgefallen! Was wir wissen m\u00fcssen: Der Faktor &#8218;Zeit&#8216; ist ein wichtiges Kriterium in der Pr\u00fcfung. Gott wartet manchmal bewusst so lange, bis keine menschliche Hilfe mehr m\u00f6glich ist. Denn erst an diesem Punkt zeigt sich, ob wir Ihm wirklich vertrauen, ob wir Ihn als den \u00fcber alles erhabenen Gott ernst nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wo war Gott in der Zeit seines Schweigens? Er war die ganze Zeit \u00fcber da. Er ist noch nie auch nur einen Augenblick zu sp\u00e4t gekommen. Aber wie gehen wir in solchen Situationen mit Ihm um? Wir neigen dazu, Ihn in unsere Alltagsprobleme einzubeziehen, solange wir Ihm zutrauen, dass Er helfen kann und helfen wird. Wenn es jedoch sehr schwierig wird, nehmen wir pl\u00f6tzlich die Sache selbst in die Hand. Was bringen wir damit zum Ausdruck? Unsere Handlungsweise sagt: Gott Du kannst helfen bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn dieser \u00fcberschritten wird, bist Du nicht mehr zust\u00e4ndig. Dann muss ich selbst zusehen, dass es nicht zur Katastrophe kommt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Das heisst im Klartext: Wir machen unseren herrlichen, \u00fcber alles erhabenen Gott klein, und wir massen uns begrenzten, schwachen Menschen das \u00dcbermenschliche an. Das ist nichts weniger als grobe Majest\u00e4tsbeleidigung. Und dies gegen\u00fcber der allergr\u00f6ssten Majest\u00e4t im ganzen Universum! Hinter dem Sorgen-machen verbirgt sich also unsere tief verwurzelte \u00dcberheblichkeit. Unser Gef\u00fchl sagt uns, dass unsere letzte Sicherheit doch in der eigenen Hand liegen w\u00fcrde. Dieser Hochmut entspringt unserer Urs\u00fcnde, der Auflehnung gegen Gottes Oberherrschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Verstehen wir jetzt, warum Petrus uns mit solcher Dringlichkeit aufruft: <em>\u00abDem\u00fctigt euch unter die gewaltige Hand Gottes &#8230;\u00bb<\/em> &#8211; und warum das Merkmal dieses Heruntersteigens lautet: <em>\u00ab&#8230;indem ihr alle eure Sorge auf Ihn werft! Denn Er ist besorgt f\u00fcr euch.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was Petrus uns in Vers 7 sagt, ist weit mehr als eine freundliche Einladung, alle unsere Sorgen auf Ihn zu werfen. Es ist die existentiell erforderliche Grundhaltung im Zusammengehen mit Gott. Mit weniger w\u00fcrden wir Ihn beleidigen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Ein Beispiel<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Sichtweise hilft uns auch, gewisse schwierige Begebenheiten\naus dem Alten Testament besser zu verstehen. Wer die Geschichte von\nSauls Verwerfung liest (1Samuel 13), kommt leicht in die Versuchung,\nGottes Gerechtigkeit zu hinterfragen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hier soll K\u00f6nig Saul vor dem Kampf gegen die Philister w\u00e4hrend sieben Tagen warten, bis Samuel kommt und das Brandopfer darbringt. Wohlverstanden, warten angesichts des feindlichen Heers! Der siebte Tag neigte sich bereits dem Ende zu, und Samuel war noch nicht gekommen. Diese Situation brachte K\u00f6nig Saul so arg in Bedr\u00e4ngnis, dass er das Brandopfer schliesslich selbst opferte, obwohl er weder Priester noch Levit war.   <\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Anlass sagte Samuel zu Saul Verse 13-14: <em>\u00abDas war unbesonnen von dir! Warum hast du dich nicht an den Befehl gehalten, den der Herr, dein Gott, dir gegeben hat? Dann h\u00e4tte Er dir und deiner Familie das K\u00f6nigtum \u00fcber Israel f\u00fcr alle Zeiten zugesprochen. Nun wird dein K\u00f6nigtum keinen Bestand haben, weil du dem Herrn nicht gehorcht hast. Er hat sich schon einen anderen ausgesucht, einen Mann, an dem Er Gefallen hat. Den hat Er zum Anf\u00fchrer seines Volkes bestimmt.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aus unserer Sichtweise hat Saul lediglich in einer Notsituation unbesonnen und voreilig gehandelt. Und wegen dieser Bagatelle wird ihm das K\u00f6nigtum Israels aberkannt. K\u00f6nig David hingegen hat Ehebruch begangen und den Ehemann jener Frau (einen seiner Helden) ermorden lassen (2Samuel 11). Doch er findet Gnade und Vergebung. Und sein K\u00f6nigtum wird best\u00e4tigt. Ist das nicht ein Messen mit verschiedenen Ellen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst sollte klar sein: Gott, der die Gerechtigkeit \u2039erfunden\u203a hat, wird niemals selbst ungerecht handeln. Wenn Er unser Leben beurteilt, wird Er zwar niemals \u00fcber unsere S\u00fcnde hinwegsehen. Aber was letztlich z\u00e4hlt, ist nicht die \u2039Schwere\u203a unserer S\u00fcnde, sondern unsere ehrliche Umkehr, unser Vertrauen und unsere Liebe zu Ihm.  <\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinn war die schwierige Situation bei Saul ein Pr\u00fcfstein. Hier sollte sichtbar werden, dass Saul in der extremen Herausforderung nicht mehr auf Gott vertraute, sondern auf sich selbst. Sein Handeln hatte die Wurzeln nicht in der Liebe zu Gott, sondern in seinem Selbst. Diese Haltung war f\u00fcr Gott eine Beleidigung. Zwar hatte Saul rein formell Einsehen, aber er dem\u00fctigte sich nicht vor Gott. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei David war es anders. Er war zwar tief gefallen, aber sein Vertrauen und seine Liebe zu Gott h\u00f6rten nicht auf. Er dem\u00fctigte sich vor Gott. In seiner tiefen Seelennot war es sein Anliegen, dass Gottes Ehre wiederhergestellt wird. Seine eigene Wiederherstellung vertraute er Gott an, d.h. er warf diese Sorge auf Gott.<\/p>\n\n\n\n<h3>Zusammenfassung:<\/h3>\n\n\n\n<p>Unser Vertrauen und unsere Liebe zu Jesus Christus werden unter anderem anhand unserer Umgangsweise mit den Sorgen gemessen.<br>Wenn wir in allen Lebenssituationen alle Sorgen auf Jesus Christus werfen, dr\u00fcckt dies wahre Demut aus. Der Mensch nimmt die Stellung ein, die ihm zusteht und anerkennt Gott in der Stellung, die Ihm zusteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine liebe Ehefrau hat jede Art von Sorgen gehasst wie die Pest. In der R\u00fcckschau frage ich mich, ob darin das Geheimnis ihrer inneren Freiheit und ihres auffallend sonnigen Gem\u00fcts lag, n\u00e4mlich das Wissen: Ich bin Sein Kind &#8211; nicht mehr und nicht weniger. Und weil Gott mein Vater ist, sorgt Er vollkommen f\u00fcr sein Kind, ja, Er kann gar nicht anders, denn Er ist Gott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Bibelverse, die zum Aha-Erlebnis werden. Wenn ein Mensch nicht mehr da ist, leben die Erinnerungen auf. In diesem Sinn besch\u00e4ftigen mich im Moment zwei Verse aus dem 1. Petrusbrief. Rosmarie hat sie in manchen Situationen nicht nur zitiert, sondern auch ganz praktisch danach gehandelt.Sie war jedoch fest davon \u00fcberzeugt, dass fast alle deutschen \u00dcbersetzungen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2020\/02\/25\/rosmaries-lieblingsverse-ein-vermaechtnis\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRosmaries Lieblingsverse \u2013 ein Verm\u00e4chtnis\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[17,18],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=426"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":661,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426\/revisions\/661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}