{"id":44,"date":"2017-11-10T16:50:50","date_gmt":"2017-11-10T15:50:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=44"},"modified":"2017-12-13T08:42:09","modified_gmt":"2017-12-13T07:42:09","slug":"befreiung-durch-vergebung-teil-1-meine-eigene-erfahrung-im-blick-auf-vergebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2017\/11\/10\/befreiung-durch-vergebung-teil-1-meine-eigene-erfahrung-im-blick-auf-vergebung\/","title":{"rendered":"Befreiung durch Vergebung &#8211; Teil 1: Meine eigene Erfahrung im Blick auf Vergebung"},"content":{"rendered":"<h2>Der geschichtliche Hintergrund<\/h2>\n<p>Den Start im Dienst f\u00fcr unseren Herrn, Jesus Christus, erlebte ich in einem extrem schwierigen Umfeld. Das war f\u00fcr meinen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn und f\u00fcr die uns Schweizern angeborene Freiheitsliebe eine t\u00e4gliche Herausforderung, ein Dauerleiden.<!--more--><\/p>\n<h2>Die andere Seite<\/h2>\n<p>Meine weiteren Ausf\u00fchrungen k\u00f6nnten den Eindruck erwecken, als h\u00e4tte ich in einem schlimmen Sektenzentrum gearbeitet. Darum scheint es mir wichtig, auch die andere Seite zu betonen. Gott hat das christliche Werk, in welchem ich Jahrzehnte lang gearbeitet habe, \u00fcber alle Massen reich gesegnet. Vor allem wurde auch die damalige Leitung von Gott m\u00e4chtig gebraucht, um im Nachkriegseuropa weithin klare geistliche Impulse zu vermitteln. Das alles ist unverdiente Gnade. Neben dem Segen, der f\u00fcr viele offensichtlich wurde, gab es leider auch eine andere Seite, denn Gott baut sein Reich auf dieser Erde nicht mit seinen Engeln, sondern mit Menschen. Das typische Merkmal f\u00fcr Gottes Bodenpersonal heisst: Menschen machen Fehler. Ja! Aber Gott ist so gross, dass Er aus unseren Fehlern wieder etwas Gutes wirken kann. In diesem Sinn hat Arbeit in Gottes Reich stets zwei Seiten: Eine menschliche und eine g\u00f6ttliche. Im Folgenden wende ich mich &#8211; mit Zur\u00fcckhaltung &#8211; aber ehrlich und klar der menschlichen Seite zu:<\/p>\n<h2>Wenn Vorgesetzte im Reich Gottes zum Problem werden<\/h2>\n<p>Unter einer autorit\u00e4ren Leitung, welche keine Widerrede duldet, werden Mitarbeiter entweder unterw\u00fcrfig und &#8222;gef\u00fcgig&#8220; gemacht, oder sie werden als &#8222;Rebellen&#8220; aus der Dienstgemeinschaft ausgeschlossen. Bei mir traf &#8211; nach 5 Jahren Drill &#8211; das erste zu. Das geht nicht ohne tiefgreifende seelische Verletzungen ab. Das Resultat ist der Verlust des eigenen Wertgef\u00fchls. Und dies ist groteskerweise der N\u00e4hrboden f\u00fcr eine \u00dcberheblichkeit im M\u00e4ntelchen der Demut.<\/p>\n<h2>Die Folgesch\u00e4den sind gravierend. Man wird tief verunsichert.<\/h2>\n<ul>\n<li>F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten sollen geachtet und geehrt werden. Wenn jedoch eine solche Person grundlegende biblische Verhaltensregeln ignoriert &#8211; kann ich dann noch respektvoll zu dieser Person aufschauen? Oder w\u00e4re das geheuchelt?<\/li>\n<li>Wenn diese Person Gottes Wort verk\u00fcndigt, kann ich dann die Botschaft h\u00f6ren als &#8222;Gottes Reden zu mir&#8220;? Und wenn nicht, w\u00fcrde ich mich dann nicht gegen Gott verschliessen, der durch genau diese Person zu mir reden m\u00f6chte?<\/li>\n<li>Wenn diese Person Anweisungen erteilt, hinter denen ich nicht voll und ganz stehen kann, mir jedoch keine M\u00f6glichkeit gibt, meine Bedenken zu \u00e4ussern &#8211; ist dann mein erzwungener Gehorsam Heuchelei?<\/li>\n<li>Im s\u00e4kularen Bereich sind wir eher bereit, Ungerechtigkeiten einzustecken und zu verkraften. Wenn aber Menschen in geistlicher F\u00fchrungsposition s\u00fcndigen, wird es schwierig. Soll ich reden und das Risiko eingehen, dass ich aus der Dienstgemeinschaft ausgeschlossen werde? Soll ich schweigen, weil ich ohnehin nicht geh\u00f6rt werde. Mache ich mich schuldig, wenn ich rede, weil ich meine Berufung aufs Spiel setze? Mache ich mich schuldig, wenn ich schweige, weil dann meine Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes auch angeschlagen ist? Das sind nur einige jener vielschichtigen Probleme, die ich durchlebt hatte.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wichtig: \u00dcber allem steht Gott, der HERR.<\/h2>\n<p>Mit dem Leitungswechsel schlitterte das Werk in eine tiefe Krise. Und ich w\u00fcrde sagen, dass Gott dies so vorgesehen hat, um mit allem Alten abzuschliessen und Raum f\u00fcr Neues zu schaffen. Er wachte \u00fcber der Zeit unter der alten Leitung, und Er wachte auch \u00fcber allem, was damals nicht gut lief. Er selbst setzte den Schlusspunkt hinter jene Zeit. Und Er selbst f\u00fchrte weiter &#8211; in die Krise &#8211; durch die Krise &#8211; und aus der Krise heraus.<\/p>\n<h2>Dem Neubeginn geht ein Prozess voraus<\/h2>\n<p>Nun w\u00fcrde man annehmen, dass unter den Mitarbeitenden das grosse Aufatmen kam, als der Druck von Seiten der alten Leitung weg war. Das ist eine Fehleinsch\u00e4tzung. Die Entlastung von jenem Druck f\u00fchrte erstmals dazu, dass das seit langem totgetretene &#8222;seelische Schmerzempfinden&#8220; wieder erwachte. Diese R\u00fcckkehr des Schmerzempfindens ist ein unumg\u00e4nglicher Schritt auf dem Weg zur Genesung. In der R\u00fcckschau l\u00e4sst sich das so leicht sagen. In der Wirklichkeit handelt es sich um einen sehr schmerzvollen Prozess, wenn man St\u00fcck um St\u00fcck erkennt, was die Jahre unter einer autorit\u00e4ren Leitung an seelischen Sch\u00e4den verursacht und hinterlassen haben.<\/p>\n<p>Mit dem erwachenden Schmerzempfinden und dem Erkennen des erlittenen Unrechts wird die Frage nach Vergebung aktuell. &#8222;Ja, nat\u00fcrlich, ich bin Christ, ich soll vergeben, also gut.&#8220; Aber das war mehr ein Verdr\u00e4ngen als ein Vergeben. Dies zeigte sich in Gespr\u00e4chen mit solchen, die auch viel Unrecht erlitten hatten, zum Teil auch ausgeschlossen wurden. Diese Leute kamen nun zu Besuch. Man sass mit ihnen beim Essen zusammen. Und unweigerlich kam das Gespr\u00e4ch auf die alte Zeit, und, und &#8230; Bei jedem Gespr\u00e4ch war es so, wie wenn jemand mit einer grossen Kelle im Suppentopf umr\u00fchren w\u00fcrde. Der ganze Bodensatz kam wieder hoch. Ich litt darunter und fragte mich, ob es in diesem Bereich keine dauerhafte L\u00f6sung g\u00e4be.<\/p>\n<h2>Neubeginn<\/h2>\n<p>Dann kamen meine liebe Gattin und ich in unserer fortlaufenden, t\u00e4glichen Bibelbetrachtung zu Kol\u00a03. Bei Vers\u00a013 blieb ich stehen und musste nochmals lesen, und nochmals. Da steht: &#8222;ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr.&#8220; Wann soll ich also vergeben? Nicht erst, wenn die andere Person kommt und sich entschuldigt, sondern wenn ich Grund zur Klage habe. Das heisst mit anderen Worten: Wenn mir bewusst wird, dass mir Unrecht geschehen ist. Dann bin ich aufgerufen, der anderen Person sogleich zu vergeben.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich echt gefordert. M\u00fcsste n\u00e4mlich die andere Person zu mir kommen und mich um Verzeihung bitten, w\u00e4re dies f\u00fcr jene Person ein Akt der Dem\u00fctigung. Und ich k\u00f6nnte von oben herab &#8211; so gleichsam als noble Geste &#8211; dieser Person verzeihen. So ist die biblische Aufforderung zur Vergebung nicht gemeint. Ich selber soll auf dem Weg der Demut aktiv werden. Ich habe zwar einen konkreten Rechtsanspruch, aber um Jesu willen werde ich auf das Einfordern meines Rechts verzichten und der anderen Person vergeben.<\/p>\n<p>Wie im Weiteren jene Person mit ihrem begangenen Unrecht umgeht, ist dann nicht mehr meine Sache, sondern eine Angelegenheit zwischen dieser Person und ihrem Herrn im Himmel. Auf diese Weise sind beide Seiten entlastet. Ich, dem das Unrecht angetan wurde, aber auch die andere Person, welche ich jetzt frei gebe.<\/p>\n<p>Das ist das Eine. Der Satz geht jedoch weiter und weist auf die geforderte Dimension der Vergebung hin: &#8222;&#8230;gleichwie Christus euch vergeben hat &#8230;&#8220; Das ist der Massstab, an welchem unsere Vergebung gemessen wird. Nun \u00fcberlegte ich. Wie hat Christus mir vergeben? Meine Antwort: Vollst\u00e4ndig. Jede einzelne S\u00fcnde ist weg. Er hat keine meiner S\u00fcnden als &#8222;stille Reserve&#8220; zur\u00fcckbehalten, um mich sp\u00e4ter wieder zur Verantwortung ziehen zu k\u00f6nnen, falls ich mich mal nicht gut verhalten w\u00fcrde. Wenn Er vergibt, ist vergeben. Die Angelegenheit ist f\u00fcr immer erledigt. Und genau so soll ich jetzt vergeben? Ja! &#8211; Das bedeutet aber, dass ich alle meine &#8222;Waffen&#8220; abzugeben habe und sie in sp\u00e4teren Auseinandersetzungen nicht mehr hervorholen kann. Genau so ist es. Bin ich dazu bereit? &#8211; &#8222;Ja, ich will genau so vergeben!&#8220;<\/p>\n<h2>Die Ver\u00e4nderung<\/h2>\n<p>In diesem Augenblick blieb alles ruhig. Es kam keine Stimme vom Himmel, keine Engelerscheinung, einfach nichts. Aber ich war eine riesige Last los geworden. Ich f\u00fchlte mich frei &#8211; und war frei. Diese Befreiung war der Ausgangspunkt und die Voraussetzung, dass die erlittenen seelischen Verwundungen langsam und nat\u00fcrlich heilen konnten.<\/p>\n<p>Dass die Vergebung echt war, zeigte sich bald in den Begegnungen mit Menschen, die in gleicher Weise unter der fr\u00fcheren Leitung gelitten hatten. Unweigerlich landeten die Gespr\u00e4che wieder beim Thema &#8222;alte Zeit&#8220;. Und nun erlebte ich, dass ich v\u00f6llig ohne Groll, ohne Bitterkeit \u00fcber jene Zeit mitreden konnte, ohne dass mich die Sache noch belastet h\u00e4tte. So ist Vergebung. Wahre Vergebung befreit zu einem neuen und entlasteten Leben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der geschichtliche Hintergrund Den Start im Dienst f\u00fcr unseren Herrn, Jesus Christus, erlebte ich in einem extrem schwierigen Umfeld. 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