{"id":544,"date":"2021-01-07T13:50:21","date_gmt":"2021-01-07T12:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=544"},"modified":"2021-01-07T13:54:23","modified_gmt":"2021-01-07T12:54:23","slug":"neu-danke-oder-doch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2021\/01\/07\/neu-danke-oder-doch-nicht\/","title":{"rendered":"Danke! &#8211; oder doch nicht? &#8211;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"938\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/RotkehlchenSchrift-2-1024x938.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-545\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/RotkehlchenSchrift-2-1024x938.jpg 1024w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/RotkehlchenSchrift-2-300x275.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/RotkehlchenSchrift-2-768x704.jpg 768w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/RotkehlchenSchrift-2.jpg 1050w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was empfinden wir, wenn wir f\u00fcr einen Liebesdienst keinen Dank erhalten? &#8211; oder wenn der kleine Neffe das sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlte Weihnachtsgeschenk an sich nimmt, die Geberin oder den Geber jedoch keines Blickes w\u00fcrdigt und auch kein &#8222;Merci&#8220; \u00fcber die Lippen bringt? <br><br>D\u00fcrfen wir Dank erwarten? D\u00fcrfen wir dies unter Umst\u00e4nden sogar signalisieren? &#8211; oder strafen wir uns dabei selbst? Und m\u00fcssen wir f\u00fcr eine empfangene Gabe in jedem Fall danke sagen? In all diesen Fragen schwingen tiefe und unterschiedlichste Gef\u00fchle mit. Vermutlich gibt es in unserer Kultur nur wenige andere W\u00f6rter, die ebenso stark mit Gef\u00fchlen besetzt sind. Warum ist das so?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dass die Bibel f\u00fcr das Danken ganz andere Bedeutungsfacetten kennt, wird uns sp\u00e4testens in Lukas&nbsp;17,7\u201110 bewusst. Dort erz\u00e4hlt Jesus ein Gleichnis, das im Blick auf unser Kulturverst\u00e4ndnis eine echte Knacknuss darstellt. Andererseits hilft uns dieses Gleichnis, eine befriedigende Antwort auf unsere Fragestellung zu finden.<br><br><strong>Schauen wir uns zuerst den Text selbst an (hier nach NG\u00dc):<\/strong><br><br> <em>\u00bbAngenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker bestellt oder das Vieh h\u00fctet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: \u203aKomm und setz dich zu Tisch!\u2039? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: \u203aMach mir das Abendessen, binde dir einen Schurz um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig bin, kannst auch du essen und trinken.\u2039? Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht daf\u00fcr, dass dieser getan hat, was ihm aufgetragen war?  Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: \u203aWir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.\u2039\u00ab <\/em><br><br><strong>Versuch einer Auslegung des Gleichnisses <\/strong><br><br>Zu diesem Bibelabschnitt habe ich noch nie eine Predigt mit befriedigender Auslegung geh\u00f6rt. Zugegeben, es handelt sich um einen schwierigen Text, der in unserem Denken sofort Widerspruch provoziert. Deshalb ist es gut, wenn wir uns zuerst bewusst werden, <strong>welche Schwierigkeiten in diesem Text vorkommen<\/strong>.<br><br><strong>1. <\/strong>  Hier wird der Arbeiter offensichtlich ausgebeutet. Er verrichtet tags\u00fcber harte Feldarbeit und wenn er m\u00fcde vom Feld kommt, warten h\u00e4usliche Aufgaben. M\u00fcde und mit knurrendem Magen muss er zuerst seinen Chef beim Abendessen bedienen. Erst danach darf er auch an seine eigenen Bed\u00fcrfnisse denken. <br><br><strong>2.<\/strong>   Der Chef ist undankbar. W\u00e4hrend sich der Arbeiter im \u00dcbermass f\u00fcr seinen Chef einsetzt, bekommt er daf\u00fcr keinen Dank.<br><br><strong>3.<\/strong>   In Vers 10 wendet Jesus das Gleichnis auf unsere Dienstgesinnung an und fordert von seinen J\u00fcngern nach Erf\u00fcllung aller ihrer Aufgaben zu sagen: &#8222;Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.&#8220;<br>Werden da nicht die Qualit\u00e4ten der Diener in grober Weise geringgesch\u00e4tzt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gleich vorweg gesagt: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus will in diesem Gleichnis weder das Ausbeuten eines Angestellten rechtfertigen, noch zur Undankbarkeit ermuntern und schon gar nicht den Dienst seiner Nachfolger geringsch\u00e4tzen. Er will uns Grundlegendes \u00fcber die Gesinnung des Dienens lehren.<br>Alle unsere Schwierigkeiten mit dem Gleichnis haben im Prinzip damit zu tun, dass uns mehr oder minder die biblische Bedeutung des Dankens, wie auch das biblische Verst\u00e4ndnis von Autorit\u00e4t zu wenig bekannt sind.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Betrachten wir nun die Details:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>A)   Das ausbeuterische Arbeitsverh\u00e4ltnis<\/strong><br><br>Hier ist es wichtig, dass wir nicht mit unseren Vorstellungen vom heutigen Arbeitsrecht an den Text herangehen. Staatlich festgeschriebenes Arbeitsrecht und Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge existieren erst seit relativ kurzer Zeit und mussten hart erk\u00e4mpft werden. <br><br>Jesus hingegen bezieht sich auf die Arbeitsverh\u00e4ltnisse, wie sie in seiner Zeit \u00fcblich waren. In den biblischen Berichten k\u00f6nnen wir im Allgemeinen zwei verschiedene Angestelltenverh\u00e4ltnisse feststellen. Da gab es die an manchen Stellen im Neuen Testament erw\u00e4hnten Tagel\u00f6hner. Sie wurden in der Regel auf dem Markt angeworben, f\u00fcr einen Tag eingestellt und am Abend f\u00fcr die Tagesleistung ausbezahlt. Ein Beispiel: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg Matth\u00e4us&nbsp;20,1\u201116.<br> <br>Daneben gab es auch Tagel\u00f6hner-\u00e4hnliche Anstellungen, die nicht auf einen Tag beschr\u00e4nkt waren. Beispiel: Johannes&nbsp;10,12\u201113. Hier spricht Jesus von angestellten Schafhirten. Sie waren nicht Herdenbesitzer, sondern Lohnarbeiter. Ihre Aufgabe, die Schafe zu h\u00fcten, setzt allerdings eine vertraute Beziehung zwischen Schafen und Hirten voraus, was nicht in einem einzigen Tag erreicht werden kann. Das spricht an dieser Stelle f\u00fcr ein l\u00e4ngerfristiges Dienstverh\u00e4ltnis.<br><br>Das in der Bibel weitaus am h\u00e4ufigsten erw\u00e4hnte Arbeitsverh\u00e4ltnis ist der Sklavendienst. Der Arbeiter war ein f\u00fcr Geld gekaufter Leibeigener. Dieses Verh\u00e4ltnis sagt jedoch noch nichts aus \u00fcber die Umgangsweise zwischen Herrn und Sklaven. Es gab Sklaven, die sehr gut behandelt wurden und in hohe Stellungen aufr\u00fccken konnten (ein Beispiel ist Josef in 1Mose&nbsp;39,1\u20116). <br><br>Wenn der Chef im Gleichnis nach unserem Empfinden den Sklaven ausbeutet, so ist dies keinesfalls als Empfehlung gemeint und nicht zur Nachahmung empfohlen. Jesus nimmt einfach ein Beispiel aus dem damals \u00fcblichen Umfeld. Und wie dies auch heute etwa in der Bildsprache (beim Cartoon) gemacht wird, w\u00e4re es unter Umst\u00e4nden denkbar, dass auch Jesus das Bild bewusst \u00fcberzeichnete, damit der wesentliche Gedanke umso besser sichtbar wird.<br><br>F\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis ist es wichtig, dass wir die zentrale Rolle der Autorit\u00e4tsfrage im Verh\u00e4ltnis zwischen dem Sklaven und seinem Herrn verstehen. Der Herr ist immer \u00fcbergeordnet, der Sklave immer untergeordnet. <br><br>Die Autorit\u00e4tsfrage darf jedoch nicht negativ besetzt werden, auch wenn sie in der Vergangenheit leider in sehr vielen F\u00e4llen dazu missbraucht wurde, die Sklaven auszubeuten und sie manchmal sogar wie Nutztiere zu behandeln. Die heute so sehr verp\u00f6nte Autorit\u00e4tsstruktur ist denn auch ein grundlegender Aspekt des Gleichnisses. Und nur wenn wir uns ohne Vorurteile damit auseinandersetzen, ist es uns m\u00f6glich, den eigentlichen Sinn des Gleichnisses zu erfassen. <br><br>Zum besseren Verst\u00e4ndnis: Die Autorit\u00e4tsfrage wird in der Dreieinigkeit Gottes dargestellt und gelebt: Der Sohn unterordnet sich dem Vater und der Heilige Geist unterordnet sich dem Sohn und dem Vater, wobei die Unterordnung keine Zwangsjacke ist, sondern aus der Grundhaltung der gegenseitigen Liebe praktiziert wird. <br>  <br><strong>B)   Der undankbare Chef.<\/strong><br><br>Was wir in der Umgangsweise des Chefs mit seinem Angestellten als Undankbarkeit empfinden, ist im Grunde nur konsequent kulturbezogenes Verhalten. Das l\u00e4sst sich leicht feststellen, wenn wir die verschiedenen Bibelstellen untersuchen, die vom Danken sprechen. Wir werden schnell sehen, dass immer der Untergebene dem \u00dcbergeordneten dankt. Aber nie umgekehrt. Von oben nach unten wurden wohl Lob und Anerkennung ausgesprochen, aber nie Dank. Darum setzte es auch Jesus im Gleichnis als selbstverst\u00e4ndlich voraus, dass der Chef seinem Angestellten nicht dankt. <br><br>Vermutlich erscheint uns diese Dankeskultur noch recht fremd. Wir begreifen sie jedoch besser, wenn uns die damalige Wortbedeutung von Danken bewusst wird. Obwohl das Neue Testament in Griechisch verfasst wurde, war doch das Denken der frommen Juden noch stark vom Hebr\u00e4ischen gepr\u00e4gt. Und im Hebr\u00e4ischen liegt die Bedeutung von Danken nahe bei folgenden Begriffsinhalten: Huldigen, Preisen, Ehren, die eigene Abh\u00e4ngigkeit vom Gebenden bekunden. Sogar das Wort &#8222;Anbetung&#8220; hat eine gewisse inhaltliche Verwandtschaft zum Danken.<br><br>Ein Beispiel: Im Abschnitt, welcher unserem Gleichnis folgt, wird das Danken praktiziert. Zehn auss\u00e4tzige Menschen wurden geheilt und nur einer kehrte zur\u00fcck und dankte Jesus, seinem Wohlt\u00e4ter. F\u00fcr ihn war die empfangene Heilung nicht einfach ein Gesch\u00e4ft, sondern eine Beziehungsangelegenheit. Achten wir auf seine K\u00f6rperhaltung: <em>&#8222;Er fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu F\u00fcssen und dankte Ihm.&#8220; <\/em> Dazu dr\u00fcckte er mit drei Gesten seine Ehrerbietung aus: a) Er f\u00e4llt nieder b) auf sein Angesicht c) zu den F\u00fcssen Jesu. Die Ehrerbietung gegen\u00fcber Jesus hat f\u00fcr ihn zwei Seiten: Indem er vor Jesus niederkniet, bezeugt er seine Abh\u00e4ngigkeit von Jesus (ohne Ihn w\u00e4re er nicht gesund geworden) und zugleich zollt er Jesus die Ehre, welche Ihm entsprechend seiner erhabenen Stellung zusteht. <br><br>Anschliessend stellte Jesus die Frage (Vers&nbsp;18 NG\u00dc): <em>&#8222;Ist es keinem ausser diesem Fremden in den Sinn gekommen, zur\u00fcckzukehren und Gott die Ehre zu geben?&#8220;<\/em><br><br>F\u00fcr die Bedeutung der &#8218;Abh\u00e4ngigkeit vom Gebenden&#8216; gibt es einen aufschlussreichen Kurzbericht in Apostelgeschichte&nbsp;24,2\u20113, wo der Advokat Tertullus seine Anklagerede gegen Paulus mit folgenden Worten beginnt: <em>&#8222;\u2026Dass wir in grossem Frieden leben unter dir und dass sich f\u00fcr dieses Volk vieles gebessert hat durch deine F\u00fcrsorge, das erkennen wir allezeit und allenthalben mit aller Dankbarkeit an, hochgeehrter Felix.&#8220;<\/em>  &#8211; Hier kommt doch in der schmeichelnden Formulierung des Dankes sehr deutlich die Stellung der Abh\u00e4ngigkeit des j\u00fcdischen Volks von Felix, aber auch die zweckdienlich unterw\u00fcrfige Haltung zum Ausdruck.  <br><br><strong>C)   Der Appell an die J\u00fcnger.<\/strong><br><br>Warum sollen die J\u00fcnger nach erf\u00fcllter Pflicht sagen: <em>&#8222;Wir sind gew\u00f6hnliche Diener, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren?&#8220;<\/em>  Um den Sinn zu verstehen, m\u00fcssen wir den Textzusammenhang beachten. Was ging voraus? In Vers&nbsp;5 lesen wir:  <em>&#8222;Die Apostel baten den Herrn: Gib uns doch mehr Glauben!&#8220;<\/em> <br><br>W\u00e4hrend die Nachfolger Jesu im vorausgehenden, wie auch im nachfolgenden Text als J\u00fcnger bezeichnet werden, heissen sie an dieser Stelle &#8222;Apostel&#8220;. Mit dieser hier neuen Bezeichnung wird ihre hohe Stellung nach dem Tod und der Auferstehung Jesu angedeutet. Sie werden F\u00fchrer der Gemeinde Jesu Christi sein. Und dass sie dazu mit mehr Glauben ausger\u00fcstet sein m\u00fcssen, versteht sich. Und doch gibt es einen Haken. Die Apostel sind Menschen mit ihren menschlichen Schw\u00e4chen. <br><br>Bereits in Lukas&nbsp;9,46 wurde eine solche Schwachstelle sichtbar: <em>&#8222;Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf, wer von ihnen der Gr\u00f6sste w\u00e4re.&#8220; <\/em> Und derselbe Gedanke erscheint nochmals (22,26), w\u00e4hrend Jesus zum letzten Mal mit ihnen beim Abendmahl zusammen war. Das ist doch aufschlussreich und zugleich ern\u00fcchternd realistisch. <br> <br>Wenn Jesus ihre Bitte so erh\u00f6ren w\u00fcrde, wie die J\u00fcnger es sich vorstellten, w\u00fcrde das gr\u00f6ssere Mass an Glauben dazu missbraucht, sich selbst darzustellen und f\u00fcr sich eine h\u00f6here Position zu erwirken. Dazu wird aber der Glaube nicht gegeben. Im Gegenteil. Der Glaube ist die Verbindung mit dem lebendigen Gott und f\u00fchrt uns notwendigerweise in die Abh\u00e4ngigkeit von Ihm. Jesus hat in all seinen Wundertaten das Handeln im Glauben vorgelebt. Er sagte (Johannes&nbsp;5,19): <em>&#8222;Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was Er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn.&#8220; <\/em><br><br>Aus dieser Sicht muss die Antwort verstanden werden, die Jesus den J\u00fcngern gab (Vers&nbsp;6): <em>&#8222;Wenn ihr Glauben h\u00e4ttet wie ein Senfkorn, w\u00fcrdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiss dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er w\u00fcrde euch gehorsam sein.&#8220;<\/em>  Im Klartext: Die J\u00fcnger h\u00e4tten gerne einen grossen Glauben gehabt, um in Eigenregie grosse Taten vollbringen zu k\u00f6nnen. Das sind falsche Erwartungen. Demgegen\u00fcber braucht es nur einen kleinen Glauben, um das auszuf\u00fchren, was Gott von uns erwartet. Denn <strong>wenn Er erwartet<\/strong>, dass ich einem Maulbeerbaum sage, er soll sich ins Meer versetzen, dann wird es letztlich nicht mein grosser Glaube sein, der dies zustande bringt, sondern Gott als Auftraggeber wird es durch seine g\u00f6ttliche Kraft bewerkstelligen, insofern ich Ihm vertraue und gehorche.  <br><br>Somit ist das Handeln aus Glauben stets die Erf\u00fcllung eines Auftrags und nicht meine F\u00e4higkeit, etwas Besonderes zu vollbringen. Dieses Prinzip entspricht schlicht und einfach der Stellung, in die hinein wir erschaffen und auch erl\u00f6st wurden. Wir sind zwar zur Freiheit erl\u00f6st worden (Galater&nbsp;5,1): <em>&#8222;Zur Freiheit hat uns Christus befreit!&#8220;<\/em>  Aber was heisst das? Bei der Befreiung geht es stets um die zwei Seiten: Ausgangslage und Ziel. Das Ziel ist nicht einfach offen, das kann sich der Befreite nicht selbst w\u00e4hlen. Gott hat uns nicht f\u00fcr die Selbstverwirklichung, sondern zum Dienen befreit. Paulus formuliert dies treffend in Titus&nbsp;2,14:  <br><br><strong><em>Die Ausgangslage:<\/em><\/strong><br> <em>&#8222;Er hat sich selbst f\u00fcr uns hingegeben, um uns <strong>von aller Gesetzlosigkeit zu erl\u00f6sen\u2026<\/strong> <\/em><br><br><strong><em>Das Ziel:<\/em><\/strong><br> <em>\u2026und f\u00fcr sich selbst ein Volk <strong>zum besonderen Eigentum<\/strong> zu reinigen, das eifrig ist, <strong>gute Werke zu tun<\/strong>.&#8220; <\/em> <br><br>Als freigekaufte Menschen (1Korinther&nbsp;6,20) geh\u00f6ren wir unserem Herrn. Das ist logisch. Wer etwas kauft, ist Besitzer. Und der Besitzer bestimmt den Verwendungszweck seines Eigentums. Auf Grund der Erl\u00f6sung lautet unser Lebensziel: Wir wurden erkauft, um Ihm zu dienen. Das ist in keiner Weise abwertend gemeint, hat auch nichts mit Unterdr\u00fcckung zu tun, denn wir sind ja seine Geliebten. Aber diese notwendige Stellung des Dienens richtet sich gegen unsere Lebensautonomie. Jene w\u00fcrde n\u00e4mlich automatisch dazu f\u00fchren, dass unser irdisches Leben f\u00fcr die Ewigkeit wertlos bliebe. <br><br>Darum holt Jesus seine Apostel vom &#8222;Aufstiegsdenken&#8220; zur\u00fcck in die ihnen zustehende Ehrenstellung: Sie sollen sich als gew\u00f6hnliche Diener betrachten. Und was sie tun, das sind sie zu tun schuldig. Der oben verwendete Ausdruck &#8222;Ehrenstellung&#8220; ist \u00fcbrigens nicht ironisch gemeint, denn wir werden tats\u00e4chlich von Gott geehrt (Lukas 12,37), wenn wir an dem Platz, zu welchem Er uns berufen hat, seinen Auftrag treu ausf\u00fchren.<br> <br>Wieviel g\u00f6ttliche Weisheit offenbart sich in dieser unumg\u00e4nglichen Korrektur des Denkens seiner J\u00fcnger! Und wie n\u00f6tig haben wir diese Korrektur! <br> <br><strong>Schlussfolgerung<\/strong><br>In den obigen Ausf\u00fchrungen haben wir folgendes gesehen:<br> <br><strong>1.<\/strong>   Danken symbolisiert urspr\u00fcnglich die Abh\u00e4ngigkeit des Empfangenden vom Gebenden. <br>Obwohl dieser geschichtliche Hintergrund den meisten Menschen unbekannt ist, stellt sich doch beim Danken so oft das Gef\u00fchl ein, als m\u00fcssten wir hinuntersteigen, als m\u00fcssten wir unsere Abh\u00e4ngigkeit zugeben. Und wir merken: Tief in uns verwurzelt lebt ein unb\u00e4ndiger Drang zur Unabh\u00e4ngigkeit und zur Selbstverwirklichung.<br> <br>Verbirgt sich hier nicht unsere eigentliche Not? Wir wollen nicht abh\u00e4ngig sein von Gott, von seiner F\u00fcrsorge, G\u00fcte und Gnade, obwohl wir es in jeder Hinsicht sind. Wenn man die eigene Abh\u00e4ngigkeit von Ihm nicht zugestehen will und den uns zustehenden Platz nicht einnehmen will, unterl\u00e4sst man eben den Dank. Aber ist das Problem durch die Verweigerung des Dankens gel\u00f6st? Ist es nicht eine Art Vogel-Strauss-Politik, eine fatale Selbstt\u00e4uschung? <br><br>Auch unsere Abh\u00e4ngigkeit auf der waagrechten Ebene l\u00e4sst sich nicht wegleugnen, indem wir nicht Danke sagen. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir sind eingebunden in die eine Welt, in der wir leben d\u00fcrfen. Eingebunden in einen Staat, von dem wir viel profitieren. Eingebunden in eine Gemeinschaft von Familienmitgliedern, Nachbarn, Arbeitskolleginnen und -kollegen usw. &#8211; und von allen sind wir ein St\u00fcck weit abh\u00e4ngig. Vor allem sind wir abh\u00e4ngig von Menschen, die \u00fcber uns gestellt sind und f\u00fcr uns Verantwortung \u00fcbernehmen. <br><br>Wenn wir das einsehen und damit beginnen, eine echte Dankeskultur zu leben, k\u00f6nnen wir ein grosses St\u00fcck innere Freiheit erleben und auf diesem Weg das werden, wozu Gott uns geschaffen und berufen hat.<br><br><strong>2. <\/strong>  Danken bringt die Ehrenstellung des Gebenden zum Ausdruck.<br><br>Diese Aussage ist zwar selbstverst\u00e4ndlich, aber wenn es konkret wird, wenn wir Gott f\u00fcr alles, wirklich f\u00fcr alles danken sollen, um Ihn zu ehren, k\u00f6nnte es schwierig werden.<br><br>Gott handelt oft nicht so, wie wir Menschen es von Ihm erwarten w\u00fcrden. So manches Gebet wird scheinbar nicht erh\u00f6rt. So manches schreiende Unrecht l\u00e4sst Gott in dieser Welt zu. Von daher ist es begreiflich, dass manche Menschen M\u00fche haben, Gottes vollkommene Herrschaft und seine \u00fcber alles erhabene Stellung zu anerkennen. Warum ist das so? K\u00f6nnte es daran liegen, dass wir Gottes Handeln aus unserer menschlichen Perspektive und nach unseren Wunschvorstellungen messen? <br> <br>Wechseln wir auf die waagrechte Ebene: Wie l\u00e4uft es in der Politik? Da setzen wir doch alles daran, F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten zu w\u00e4hlen, die nach unseren eigenen Vorstellungen regieren. Wenn sie anders f\u00fchren, werden sie abgew\u00e4hlt. Und ohne zu \u00fcberlegen, \u00fcbertragen wir diese Betrachtungsweise auf Gott. Solange Er tut, was wir von Ihm m\u00f6chten, ist Er akzeptiert, andernfalls wird Ihm die Gefolgschaft gek\u00fcndigt. In Johannes Kapitel 6 wird diese Haltung in drastischen Farben dargestellt, als die Juden Jesus gerne als &#8222;Brot-K\u00f6nig&#8220; eingesetzt h\u00e4tten &#8211; und Er bei diesem Vorhaben nicht mitmachte. <br> <br>Gott ist immer Gott. Er ist nicht unser Wunscherf\u00fcller. Er l\u00e4sst sich nicht vor unseren Karren spannen. Und aus diesem Grund ist Er f\u00fcr viele Menschen nicht der richtige F\u00fchrer. Deshalb verweigern sie Ihm die Ehrerbietung. Allerdings: Gott l\u00e4sst sich nicht abw\u00e4hlen, weder von uns Menschen, noch von irgend welchen geistigen M\u00e4chten. Er ist und bleibt der HERR. Das hat Konsequenzen f\u00fcr uns. Wer jetzt Gott die Ehre verweigert, wird es beim kommenden Gericht lernen m\u00fcssen (Philipper 2,9-11):  <em>&#8222;Darum hat Gott Ihn auch hoch erhoben und Ihm den Namen verliehen, der \u00fcber jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesus<strong> jedes Knie sich beuge<\/strong>, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und <strong>jede Zunge bekenne<\/strong>, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.&#8220; <\/em><br><br>Bleiben wir jedoch nicht beim Negativen stehen. Schon im Alten Testament sagte Gott (1Samuel&nbsp;2,30):  <em>&#8222;Wer mich ehrt, <strong>den will Ich auch ehren<\/strong>; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden.&#8220;<\/em>  Wer also Gott die Ihm zustehende Ehre gibt, bekommt unendlich viel mehr zur\u00fcck. Und dies bereits in diesem Leben. Und was im zuk\u00fcnftigen Leben noch auf uns wartet, k\u00f6nnen wir uns schlicht nicht ausmalen, denn Jesus hat uns versprochen (Johannes 12,26) <em>&#8222;\u2026wer Mir dienen wird, <strong>den wird mein Vater ehren<\/strong>.&#8220;<\/em><br> <br><strong>Die praktische Ausf\u00fchrung<\/strong><br>Eingangs wurden die Fragen aufgeworfen: D\u00fcrfen wir Dank erwarten &#8211; und sollen wir f\u00fcr Empfangenes immer Danke sagen? <br><br>Entsprechend den oben dargestellten Ausf\u00fchrungen ist hier keine schnelle Ja\/Nein-Antwort m\u00f6glich. <br><br>In der Hinsicht auf unseren Dank gegen\u00fcber Gott ist zwar alles klar. Er ist und bleibt unser Gott, unser Sch\u00f6pfer, Erhalter und Erl\u00f6ser, dem wir unendlich viel verdanken. Darum erwartet Er unseren Dank f\u00fcr alles und in jeder Situation &#8211; auch wenn Er Schweres in unser Leben sendet. Es ist richtig und n\u00f6tig, weil wir durch unseren Dank, der aus einem vertrauenden Herzen kommt, unsere Abh\u00e4ngigkeit und Unterordnung ausdr\u00fccken und unserem erhabenen HERRN die Ehre geben, die Ihm zusteht. <br> <br>Anders sieht es im zwischenmenschlichen Bereich aus. Die heute \u00fcbliche Bedeutung des Dankens hat sich im Lauf der Kulturgeschichte weit von den damals \u00fcblichen Umgangsformen weg entwickelt. Kulturelle Entwicklungen k\u00f6nnen wir nicht zur\u00fcckdrehen, sollen es auch nicht versuchen. Also ist es heute durchaus richtig, wenn in hierarchischen Strukturen Dank von unten nach oben, aber auch von oben nach unten ausgesprochen wird. Danken ist eine Geste der Wertsch\u00e4tzung &#8211; und diese sind wir allen Menschen schuldig. Im christlichen Kontext wird dieser Grundsatz von Paulus noch unterstrichen in Epheser 5,21: <em>&#8222;Ordnet euch einander unter, wie es die Ehrfurcht vor Christus verlangt.&#8220;<\/em> oder Philipper 2,3: <em>&#8222;Achtet andere h\u00f6her als euch selbst!&#8220;<\/em><br><br>Das &#8222;Wie&#8220; spielt allerdings eine wichtige Rolle. Mechanisch ausgesprochene Dankesfloskeln, die nur einer allgemeinen Gepflogenheit folgen, dr\u00fccken keine Wertsch\u00e4tzung aus, im Gegenteil. Deshalb ist es entscheidend, dass der Dank aufrichtig und von Herzen kommt. Das hebt den Empf\u00e4nger des Danks empor &#8211; oder anders ausgedr\u00fcckt: Dank ist f\u00fcr den Empf\u00e4nger lebensf\u00f6rdernd.<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td><strong>Danken ist ein unverzichtbarer Aspekt der Beziehungspflege <\/strong><\/td><\/tr><tr><td>\u2022 im Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und uns<\/td><\/tr><tr><td>\u2022 und ebenso zwischen uns und unseren Mitmenschen.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was empfinden wir, wenn wir f\u00fcr einen Liebesdienst keinen Dank erhalten? &#8211; oder wenn der kleine Neffe das sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlte Weihnachtsgeschenk an sich nimmt, die Geberin oder den Geber jedoch keines Blickes w\u00fcrdigt und auch kein &#8222;Merci&#8220; \u00fcber die Lippen bringt? D\u00fcrfen wir Dank erwarten? D\u00fcrfen wir dies unter Umst\u00e4nden sogar signalisieren? &#8211; oder strafen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2021\/01\/07\/neu-danke-oder-doch-nicht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDanke! &#8211; oder doch nicht? &#8211;\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[20,17,29],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/544"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=544"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":548,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/544\/revisions\/548"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}