{"id":552,"date":"2021-04-18T16:13:10","date_gmt":"2021-04-18T14:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=552"},"modified":"2021-04-25T11:30:43","modified_gmt":"2021-04-25T09:30:43","slug":"vorbild-in-der-anbetung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2021\/04\/18\/vorbild-in-der-anbetung\/","title":{"rendered":"Vorbild in der Anbetung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"844\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Couvert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-553\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Couvert.jpg 1000w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Couvert-300x253.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Couvert-768x648.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Meine Eltern leiteten eine Gebetsgruppe, die sich zweiw\u00f6chentlich jeweils am Mittwoch bei uns versammelte. F\u00fcr uns Kinder war diese Gruppe von einem geheimnisvollen Schleier umwoben.<\/p>\n\n\n\n<p>An meinem 16. Geburtstag lud mich mein Vater in jenen Gebetskreis ein. Es war eine Geste, die enorme Wertsch\u00e4tzung ausdr\u00fcckte. Daf\u00fcr bin ich Vater heute noch dankbar. Ich durfte dazugeh\u00f6ren. Ich wurde von diesen bew\u00e4hrten Christen ernst genommen und konnte von ihnen lernen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Gr\u00f6sste: Im Gebet offenbart man sein Herz. So lernte ich meinen Vater von einer anderen, f\u00fcr mich neuen Seite her kennen. Hier galt nicht mehr die Beziehung von oben nach unten, sondern die Bruderschaft in Christus, die Begegnung auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art und Weise, wie eine schlichte, fast schm\u00e4chtige Frau im fortgeschrittenen Alter jeweils Gott anbetete, hat mich nachhaltig beeindruckt. Hulda Ehrensperger (ich nenne ihren Namen, weil sie schon l\u00e4ngst gestorben ist) &#8211; arbeitete zu einem sehr geringen Lohn im Haushalt ihres Bruders, dem Patron der Metallgiesserei Ehrensperger im Vogelsang bei Turgi. Sie war dort die einzige \u00fcberzeugte Christin und hatte in der rauen und Gott entfremdeten Umgebung keinen leichten Stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso mehr lebte Hulda Ehrensperger innerlich auf, wenn sie am Mittwoch zum Gebet kam. Das Gebet, das Reden mit dem lebendigen, erhabenen Herrn &#8211; das war ihr Lebenselement. Wenn sie mit ihren eigenen Worten, oder auch den Worten der Psalmisten Gott anbetete, hatte man das Gef\u00fchl, als ob sich der Himmel \u00f6ffne und sie direkt vor dem Thron Gottes knie.<\/p>\n\n\n\n<p>1960 trennten sich unsere Wege. Ich ging zur Bibelschule und blieb anschliessend auf dem Beatenberg. So hatten wir w\u00e4hrend dieser ganzen Zeit keinen Kontakt mehr. Achtzehn Jahre sp\u00e4ter zog ich mit meiner Familie notgedrungen &#8211; und mit der finanziellen Hilfe lieber Freunde &#8211; in den Dorfteil Waldegg, ins Chalet Marianne. Unser Geld war aufgebraucht, wir lebten aus der Hand in den Mund. Doch vor dem Winter musste der fast leere \u00d6ltank gef\u00fcllt werden &#8211; und dies in einer Zeit der sehr hohen \u00d6lpreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich Ende Monat den Lohn nach Hause brachte, sagte meine Frau: Es reicht nicht, um die \u00d6lrechnung zu bezahlen, schon gar nicht zusammen mit den anderen f\u00e4lligen Rechnungen. Dann brachte der Brieftr\u00e4ger ein dickes gelbes Couvert. Als wir es \u00f6ffneten, fanden wir einen kleinen Zettel mit den Worten: &#8222;Der Herr hat mir aufs Herz gelegt, euch etwas zu senden &#8211; Hulda Ehrensperger.&#8220; Im Couvert befanden sich drei noch unge\u00f6ffnete &#8222;Lohnt\u00fcten&#8220;. Was f\u00fcr ein Opfer!<\/p>\n\n\n\n<p>Da sah ich vor meinen inneren Augen wieder diese schlichte Frau, wie sie vor dem Thron Gottes kniete und den Allerh\u00f6chsten anbetete. Und nun war das Bild vollst\u00e4ndig. Jene Worte der Anbetung haben sich gemeinsam mit dieser Opfergabe zu einer Ganzheit zusammengef\u00fcgt. Und ich fing an zu verstehen, was Anbetung heisst.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor mir sah ich Abraham, den Stammvater Israels, wie er zusammen mit seinem Sohn Isaak nach Moria wanderte, um dort Gottes Auftrag zu erf\u00fcllen (1Mo 22,2): <em>&#8222;Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak! Zieh ins Land Morija und opfere ihn als Brandopfer auf dem Berg, den Ich dir zeigen werde!&#8220;<\/em> Abraham gehorchte. In einiger Entfernung vom Ziel sagte er seinen Begleitern (5): <em>&#8222;Ihr bleibt mit dem Esel hier! Ich werde mit dem Jungen dort hinaufgehen, <strong>um anzubeten<\/strong>. Dann kommen wir wieder zur\u00fcck.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie kamen dann tats\u00e4chlich beide zur\u00fcck, weil Gott dem Abraham einen Schafbock im Gestr\u00fcpp zeigte, den er anstelle seines Sohnes opfern durfte. Die Pr\u00fcfung hatte er bestanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Abraham war bereit, Gott sein Bestes zu geben, seinen Sohn, durch welchen sich Gottes Verheissungen erf\u00fcllen sollten. Dieses Opfer ist eine Botschaft. Es bringt praktisch und sichtbar zum Ausdruck: Gott, Du bist mir mehr wert als alles, mehr als mein geliebter Sohn. Das ist der Kernpunkt der Anbetung. So hat sp\u00e4ter Jesus Christus sein vollkommenes Leben am Kreuz als Anbetung dem Vater hingegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich weiss, beim Kreuz gehen unsere Gedanken sofort zu unserer Erl\u00f6sung. Aber diese Bedeutung kommt erst in zweiter Linie. Zuallererst ist f\u00fcr Jesus das Opfer am Kreuz der eigentliche H\u00f6hepunkt in der Anbetung des Vaters. Dies kommt deutlich in den Abschiedsreden zum Ausdruck, als Jesus beim Aufbruch zum Garten Gethsemane sagte (Joh 14,30-31): <em>&#8222;&#8230;der Herrscher dieser Welt ist schon gegen mich unterwegs. Er wird zwar nichts an mir finden, aber die Welt soll erkennen, <strong>dass <\/strong><\/em><em><strong>I<\/strong><\/em><em><strong>ch den Vater liebe und das tue, was <\/strong><\/em><em><strong>E<\/strong><\/em><em><strong>r mir aufgetragen hat.<\/strong><\/em><em> \u2013 Steht auf, wir wollen gehen!&#8220;<\/em> Jesus selbst wies also darauf hin, dass sein Kreuzestod seine Liebe zum Vater ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von daher wird auch verst\u00e4ndlich, warum Gott sich beim alttestamentlichen Anbetungs-Gottesdienst \u00fcber die fehlende Echtheit beklagte (Amos 5,23): <em>&#8222;H\u00f6rt auf mit dem Gepl\u00e4rr eurer Lieder!&#8220;<\/em> Wenn der Tatbeweis der Lebenshingabe fehlt, sind Anbetungsworte resp. -Lieder leere Worth\u00fclsen, Gepl\u00e4rr und Geklimper, das Gott nicht h\u00f6ren mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nun zur\u00fcck zu jenem Brief von Hulda Ehrensperger, zu jenem &#8222;Ganzopfer&#8220;. Unsere Rechnungen konnten alle termingerecht bezahlt werden. Und es blieb noch ein kleiner Rest, um t\u00e4glich Milch und Butter zu kaufen &#8211; aber nicht mehr. Und wie ging es dann weiter? &#8211; denn allein mit Milch und Butter hat man noch nicht gelebt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Wie Gott Menschen lenkt<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn das Geld weg ist und man eine Familie ern\u00e4hren sollte, bleibt letztlich nur noch der eine Ausweg, aus Glauben zu leben. Das ist Gottes bevorzugte Methode, um uns in die Praxis des Vertrauens einzuf\u00fchren. Das blanke \u00dcberleben h\u00e4ngt dann von der Zuverl\u00e4ssigkeit der Zusagen Gottes ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hausglocke klingelte. Meine Ehefrau ging zur T\u00fcr. Draussen standen zwei Frauen, die sich als K\u00f6chinnen einer Jugendfreizeit im Jugendhaus Ramsern vorstellten. Sie h\u00e4tten zu viele Lebensmittel mitgenommen und m\u00f6chten diese nicht wieder mit nach Hause nehmen. Ob sie dies bei uns abladen d\u00fcrften. Da war ein Fahrrad-Anh\u00e4nger voll von K\u00f6stlichkeiten. Ein ganzer Jutesack voll Kartoffeln. Ein Sack D\u00f6rrbohnen, eine Menge Konservendosen, verschiedene Gem\u00fcse, und, und, und &#8211; sogar Cremepulver f\u00fcr Desserts. Wir konnten einen ganzen Monat lang ohne jeglichen Mangel leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum kamen jene Frauen gerade zu uns? Es gab andere H\u00e4user dazwischen. Warum haben sie es nicht gleich im n\u00e4chsten Haus abgegeben? Wir wussten keine Antwort &#8211; und wissen sie bis heute nicht. Gott hatte zu diesen Frauen gesprochen. Und sie haben geh\u00f6rt. Und sie gehorchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein herrlicher Gott, der denen die Treue h\u00e4lt, die sich auf Ihn verlassen. Wahrlich, dieser Gott ist anbetungsw\u00fcrdig. Nicht nur mit Worten. Er ist es wert, dass wir Ihm mit der Hingabe unseres Lebens unsere Liebe beweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Eltern leiteten eine Gebetsgruppe, die sich zweiw\u00f6chentlich jeweils am Mittwoch bei uns versammelte. 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