{"id":629,"date":"2022-02-28T18:34:28","date_gmt":"2022-02-28T17:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=629"},"modified":"2022-12-31T16:31:25","modified_gmt":"2022-12-31T15:31:25","slug":"roemer-828-ein-axiom-und-die-konsequenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2022\/02\/28\/roemer-828-ein-axiom-und-die-konsequenzen\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 8,28 &#8211; Ein Axiom und die Konsequenzen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"697\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sonne-.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-630\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sonne-.jpg 1000w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sonne--300x209.jpg 300w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Sonne--768x535.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit dem Besuch der Notfallstation beginnt eine ganze Abfolge von Terminen. Untersuchungen, Diagnosestellung, Operation. Darauf folgt eine \u00e4usserst spannende Zeit, bis das Resultat der Histologie (Gewebeuntersuchung) bekannt gegeben wird. In dieser Zeit ist kein Ausweichen m\u00f6glich, kein Verdr\u00e4ngen, kein Sch\u00f6nreden. Die Grundstruktur des Denkens und des Gottvertrauens werden in einem hellen Scheinwerferlicht durchleuchtet und gepr\u00fcft. Und man muss Antworten finden, die dem Sturm standhalten. Es ist das, was ich gerade durchlebe, w\u00e4hrend ich dies schreibe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieses Erleben ist eine Gelegenheit, mich eingehend mit dem viel zitierten Vers aus R\u00f6mer 8,28 zu besch\u00e4ftigen: &#8222;Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten dient, ihnen, die nach seiner freien Entscheidung berufen sind.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Tagen habe ich viel Anteilnahme und echten Zuspruch empfangen, wor\u00fcber ich mich freute und es zu sch\u00e4tzen weiss. Zugleich ist mir jedoch bewusst, dass manche Menschen in \u00e4hnlicher Situation wenig Verst\u00e4ndnis erfahren. Leider wird in schwierigen Situationen allzu oft der oben zitierte Vers aus reiner Verlegenheit zitiert. Eine echte Anteilnahme am Leiden anderer Menschen w\u00e4re dabei hilfreicher. Was hilft es dem anderen, wenn ich ihn darauf vertr\u00f6ste, dass es (wahrscheinlich) am Ende schon gut kommen wird? In so vielen F\u00e4llen haben Menschen wirklich auf Gott vertraut &#8211; und es kam nicht gut. Im Gegenteil, sie haben schwere Schicksale ohne Happyend erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Hintergrund konfrontiert uns mit der Frage: Ist das, was Paulus hier sagt, wahr, oder nur eben ein frommer Wunsch? Kann man sich im Ernstfall darauf verlassen?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist R\u00f6mer 8,28 ein Axiom, eine Aussage, die in sich selbst wahr ist und deshalb nicht bewiesen werden muss. Darum leitet Paulus den Satz nicht so ein: &#8222;Wir hoffen, dass,&#8230;&#8220; sondern &#8222;Wir wissen, dass,&#8230;&#8220; Und wie aus einem Axiom Theoreme abgeleitet werden, so ergeben sich auch aus der Aussage von R\u00f6mer 8,28 einige Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Ich muss anerkennen, dass das &#8222;Gute&#8220;, von dem hier die Rede ist, nicht nur den Bereich umfasst, der mir angenehm und w\u00fcnschenswert erscheint, sondern wie Paulus es hier ausdr\u00fccklich formuliert: &#8222;Alles&#8220;! Kann es also sein, dass auch schwierige Wege, Scheitern, Verlust, Schmerzen und Leid dazu geh\u00f6ren? Nein, gewiss nicht! All dies ist nicht substantiell gut. Und Paulus meint es auch nicht in der Weise. <br>Der Apostel qualifiziert hier nicht das Negative an sich, sondern das Resultat, welches daraus entstehen soll. Seine These lautet nicht &#8222;alles ist gut&#8220;, sondern &#8222;alles <strong>dient<\/strong> zum Guten.&#8220; Es handelt sich also um die Plattform, auf welcher Gott f\u00fcr mich Gutes wirkt. Wenn wir die Bibel durchst\u00f6bern, f\u00e4llt sofort auf, dass unser Gott darauf spezialisiert ist, auf negativem Hintergrund positive Resultate hervorzubringen.<br><\/li><li>Nun ist es nicht so, dass wir automatisch das Gute erkennen w\u00fcrden, zu welchem alles hinf\u00fchren muss. Wir sind herausgefordert, ein wenig Denkarbeit zu leisten, d.h. uns immer wieder die Frage zu stellen: &#8222;Was haben die Schwierigkeiten und N\u00f6te in meinem Leben bewirkt?&#8220; Dann wird uns bewusst, dass das gute Resultat sich nicht vorrangig auf irdische Wohlfahrt bezieht, sondern auf Charakterbildung, Ver\u00e4nderung des Denkens, neue Zielsetzungen, kurz: Wir sollen immer mehr Christus \u00e4hnlich werden. Vor allem werden wir auch erkennen, dass sich das Gute in der Beziehung zu unseren Mitmenschen zeigt. Durchgestandene N\u00f6te und Leiden werden so oft zum reichen Segen f\u00fcr andere.<br><\/li><li>Und wenn nichts von all dem sichtbar wird? Auch dann bleibt Gottes Wort wahr. Unsere Vor-Vorfahren haben sich in schwierigen Zeiten an Gottes Zusagen im Blick auf das zuk\u00fcnftige ewige Leben gehalten und daraus Hoffnung und Kraft gesch\u00f6pft. Demgegen\u00fcber konzentriert sich unsere heutige Christenheit mehrheitlich auf den gegenw\u00e4rtigen Komfortbereich &#8211; und steht dabei in der Gefahr, eine wesentliche Dimension des Glaubens aus den Augen zu verlieren. <br>Es ist mir bewusst, dass ich mit diesen Gedanken bei manchen Christen anecke. In meinem Alter schliessen die Gespr\u00e4che automatisch auch das Lebensende mit ein. So oft habe ich bei Plaudereien den Wunsch geh\u00f6rt: &#8222;Am liebsten m\u00f6chte ich einfach einschlafen und dr\u00fcben erwachen.&#8220; Nat\u00fcrlich habe ich daf\u00fcr Verst\u00e4ndnis. Es ist menschlich. Aber wenn ich dann entgegne: &#8222;Das w\u00fcnsche ich mir nicht&#8220;, sind die Gespr\u00e4chspartner irritiert oder schockiert. <br><br>Ich muss meine Haltung erkl\u00e4ren: Dabei gehe ich von einer ganz simplen Rechnung aus, die man in der Unterstufe lernt. Eine grosse Zahl mal eine grosse Zahl ergibt ein sehr viel gr\u00f6sseres Produkt, als wenn ich eine kleine Zahl mit einer kleinen multipliziere. Logisch. Auf das Leben angewandt heisst dies: Das Erdenleben ist sehr, sehr kurz und was es hier zu leiden gilt, ist zeitlich beschr\u00e4nkt. Andererseits ist die Ewigkeit sehr, sehr lang, unendlich lang. Und dort werden wir ernten, was wir hier ges\u00e4t haben. Welch gewaltige Bedeutung bekommt damit jeder einzelne Augenblick unseres irdischen Lebens! Daraus l\u00e4sst sich meine Haltung nachvollziehen. <br><br>Um richtig verstanden zu werden: Ich w\u00fcnsche mir sicher nicht unn\u00f6tige Leiden herbei. Ich bin auch ein Mensch aus Fleisch und Blut und neige dazu, dem Schweren und Leidvollen auszuweichen. Aber im Blick auf die lange Ewigkeit will ich nicht ausweichen. Ich w\u00fcnsche mir ein solches Ende, das genau zugemessen ist auf das, was noch notwendig ist als Vorbereitung im Blick auf das Zuk\u00fcnftige. Ja, auch dann, wenn es hier noch ein St\u00fcck Leidensweg sein sollte. Bitte, nicht falsch verstehen! Ich meine nicht, dass man sich durch Leiden bessere Karten f\u00fcr die Ewigkeit verdienen k\u00f6nnte. Eine solche Auffassung w\u00e4re v\u00f6llig falsch.<br>Aber wenn Gott findet, dass ich als Zubereitung auf die kommende Herrlichkeit noch eine mit Leiden verbundene Wegstrecke n\u00f6tig h\u00e4tte, will ich es dankbar akzeptieren. <br>Wie dankbar bin ich, dass mein HERR, Jesus Christus, vor dem schweren Weg ans Kreuz nicht ausgewichen ist, sondern durchgehalten und uns gerettet hat.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>P.S. Den Ausgang meiner Situation werde ich hier erg\u00e4nzend zuf\u00fcgen, sobald ich am 3.3.2022 Bescheid \u00fcber die Resultate erhalten haben werde. Siehe Fortsetzung unten!<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Nachtrag vom 3.03.2022:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Soeben komme ich vom Arztbesuch zur\u00fcck &#8211; mit einer guten Nachricht, dass der histologische Befund Entwarnung bedeute! Beim entfernten Tumor handle es sich um ein gutartiges Geschw\u00fcr. Nun muss ich nur viertelj\u00e4hrlich und sp\u00e4ter halbj\u00e4hrlich zur Kontrolle gehen. Viel Grund, unserem grossen Herrn zu danken!  <\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Nachtrag vom 21.09.2022:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nach einem erneuten Aufenthalt in der Notfallklinik wurde am 12. September eine zweite, etwas aufwendigere Operation durchgef\u00fchrt. Heute am 21. September wurde mir der Histologiebericht mitgeteilt. Der Arzt, welcher die Operation durchgef\u00fchrt hatte, erkl\u00e4rte mir sehr behutsam, dass der Tumor in der Harnblase im Gegensatz zum Fr\u00fchjahr nun aggressiver geworden sei. Daraufhin fragte ich konkret nach, ob aggressiver bedeute, dass der Tumor jetzt kanzer\u00f6s (= b\u00f6sartig, Krebs) sei. Der Arzt sagte &#8222;Ja&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich war innerlich so darauf vorbereitet und getragen, dass ich dieses &#8222;Ja&#8220; entgegennehmen konnte, wie wenn ich den Arzt gefragt h\u00e4tte, ob es morgen regnen wird und er mit &#8222;Ja&#8220; geantwortet h\u00e4tte. Es war einfach normal. Die Diagnose geh\u00f6rt nun zu mir und sie schm\u00e4lert die Liebe Gottes in keinster Weise. Im Gegenteil, im Leiden ist Gott n\u00e4her, und seine Liebe wird viel konkreter erlebt. Und ein weiterer Pluspunkt: Viele beten f\u00fcr mich &#8211; und das gibt Kraft und Zuversicht, denn Gott l\u00e4sst Gebete nicht unbeantwortet. <\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Nachtrag vom 29.12.2022<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-vivid-red-color\"><strong>Mit guter Nachricht ins neue Jahr!<\/strong><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer etwas herausfordernden Immuntherapie (Instillation eines Medikaments mit abget\u00f6teten Tuberkelbakterien) wurde vor einer Woche wieder eine Kontrolle durchgef\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute lag nun der Histologiebericht jener Untersuchung vor. Der Arzt erkl\u00e4rte, dass keine Krebszellen mehr gefunden worden seien. Somit habe ich viel Grund zum Danken und darf mit grosser Zuversicht ein neues Jahr betreten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Besuch der Notfallstation beginnt eine ganze Abfolge von Terminen. Untersuchungen, Diagnosestellung, Operation. Darauf folgt eine \u00e4usserst spannende Zeit, bis das Resultat der Histologie (Gewebeuntersuchung) bekannt gegeben wird. In dieser Zeit ist kein Ausweichen m\u00f6glich, kein Verdr\u00e4ngen, kein Sch\u00f6nreden. 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