{"id":894,"date":"2024-09-09T19:11:13","date_gmt":"2024-09-09T17:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=894"},"modified":"2024-09-11T22:30:51","modified_gmt":"2024-09-11T20:30:51","slug":"sagt-den-gefangenen-dass-sie-los-sein-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2024\/09\/09\/sagt-den-gefangenen-dass-sie-los-sein-sollen\/","title":{"rendered":"Sagt den Gefangenen, dass sie los sein sollen!"},"content":{"rendered":"\n<p>(Lukas 4,18)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Prangerkette.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-895\" width=\"566\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Prangerkette.jpeg 672w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Prangerkette-300x168.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gestern Abend (8.09.2024) klingelte das Telefon. Ein langes Gespr\u00e4ch folgte. Anderthalb Stunden lang. Und in dieser Zeit wurde mir neu bewusst, wie hoch aktuell das Thema &#8222;Sucht&#8220; ist. Es reicht bis an unsere Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich denkt man bei diesem Thema zuerst an Drogen &#8211; und klammert die weiteren Gedanken einfach aus, weil die erforderliche Hilfe ja ohnehin von professioneller Seite her kommen muss. S\u00fcchte beschr\u00e4nken sich jedoch nicht auf Drogen, Alkohol, Medikamentenmissbrauch und Nikotin, bei denen es zu einer stofflichen Abh\u00e4ngigkeit kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwanghaftes Verhalten gibt es in allen Lebensgebieten. Wenn ich hier einige erw\u00e4hne: Esssucht (Bulimie), Spielsucht, Streitsucht, Handysucht, Internetsucht, Pornosucht, ja auch Arbeitssucht (Workaholic) geh\u00f6rt dazu und viele weitere S\u00fcchte. Erstaunlicherweise bleiben Menschen, die mit Jesus Christus unterwegs sind, keineswegs davor verschont. Im Gegenteil, gerade junge, \u00fcberzeugte Christen haben oft extrem M\u00fche, von zwanghaftem Verhalten loszukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber, warum beurteile ich hier das zwanghafte Verhalten von Christen so negativ? Geh\u00f6rt es nicht einfach zu unserem Leben? Nein, es geh\u00f6rt nicht zum Wesen eines wiedergeborenen Menschen, denn ein befreites Christenleben wird vom Heiligen Geist geleitet und steht nicht unter dem Diktat von Zwangshandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum haben trotzdem so viele junge Christen mit Zwangsverhalten zu k\u00e4mpfen? Hat uns Christus nicht aus der Macht des B\u00f6sen befreit? Ist Er nicht der Sieger \u00fcber H\u00f6lle, Tod und Teufel? L\u00e4sst Er uns nicht Anteil haben an Seinem Sieg? In Psalm 118,15-16 wird doch dieser Sieg proklamiert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Man singt mit Freuden vom Sieg in den H\u00fctten der Gerechten: Die Rechte Hand des HERRN beh\u00e4lt den Sieg! Die Rechte Hand des HERRN ist erh\u00f6ht; die Rechte Hand des HERRN beh\u00e4lt den Sieg!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Folgendes m\u00fcssen wir wissen:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Der Sieg von Jesus Christus steht f\u00fcr alle Zeiten fest, und Er sagt (Joh 8,36): <br><em>&#8222;Wenn der Sohn [Gottes] euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei.&#8220;<\/em><\/li><li>Obwohl diese Zusage unbedingt gilt, funktioniert sie nicht wie ein Automatismus auf Knopfdruck. Begr\u00fcndung: Wir verf\u00fcgen nicht \u00fcber Gottes Heilsg\u00fcter. Gottes Zusagen sind nicht unserem Willen unterworfen, sondern sie wirken sich aus, wenn wir uns ganz unter Gottes Herrschaft unterordnen. Damit bleibt die Befreiung aus Gebundenheiten stets Sein Werk.<\/li><li>Ein typischer Unterschied zwischen lebendigen Christen und Nichtchristen: Nichtchristen haben in der Regel keine Probleme mit zwanghaftem Verhalten. Sie entschuldigen ihren Lebensstil mit der Aussage: &#8222;Das machen doch alle.&#8220;<br>Auf der anderen Seite leiden Christen oft extrem unter ihren Gebundenheiten, weil das praktische Verhalten eine andere Sprache spricht, als ihre Liebe zu Jesus.<\/li><li>Der Satan hat ein ureigenes Interesse, vor allem die jungen, heranwachsenden Gl\u00e4ubigen durch alle m\u00f6glichen Gebundenheiten in einen zerm\u00fcrbenden und aussichtslosen Kampf zu verwickeln. Auf diese Weise kann er sie entmutigen, in Zweifel st\u00fcrzen, ihr Selbstwertgef\u00fchl zerst\u00f6ren, ihr Zeugnis unglaubw\u00fcrdig machen. Er arbeitet auf das Ziel hin, dass sie des Kampfes m\u00fcde werden und die bewusste Jesusnachfolge aufgeben sollen.<\/li><li>Erschwerend kommt hinzu, dass Gebundenheiten im Zusammenhang mit Sexualit\u00e4t (von zwanghaften Gedanken und Vorstellungen bis hin zum zwanghaften Konsum von Pornographie) in die Isolation f\u00fchren. Man sch\u00e4mt sich vor sich selbst, dass man als Christ auf diesem Gebiet M\u00fche hat. Und vor allem sch\u00e4mt man sich, dar\u00fcber zu reden. Man sch\u00e4mt sich, zu einem Seelsorger zu gehen, weil man &#8222;das Gesicht verlieren&#8220; w\u00fcrde. Auch dies geh\u00f6rt in Satans Trickkiste, denn Gl\u00e4ubige, die ihre Probleme nicht l\u00f6sen, sondern hinter einer aufgesetzten guten Mine verstecken m\u00fcssen, sind kein attraktives Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr Gottes Sache.<\/li><li>Besonders schwierig wird es, wenn suchthaftes Verhalten nicht einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt, sondern zur Gewohnheit wird. Damit akzeptiert man sein eigenes Doppelspiel zwischen dem wirklichen, aber versteckten Leben und jener Fassade, die zur Anerkennung im Umfeld n\u00f6tig ist. Das Doppelspiel wird zur eigenen Identit\u00e4t.<\/li><li>Es schmerzt zutiefst, wenn ich daran denke, dass es geheime Pornosucht auch in den Reihen von Gemeinde\u00e4ltesten und sogar von Gemeindepastoren gibt. Es steht mir nicht zu, ein richtendes Urteil zu f\u00e4llen. Aber die Fragen seien erlaubt: Wie sollen solche Leiter die Gemeindeglieder zu einem geheiligten Lebensstil anleiten, wenn sich Gottes befreiende Macht in ihrem eigenen Leben nicht offenbaren kann? Und wie sollen sich die Wirkungen des Heiligen Geistes in der Gemeinde entfalten, wenn Gottes Geist im Leben der Verantwortlichen behindert wird?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>Die Hilfe<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die billigste und schlechteste Art, auf Menschen mit Suchtproblemen zu reagieren, ist das Stigmatisieren, d.h. sie in eine Schublade, in eine Kategorie einzusortieren. Aufforderungen im Konjunktiv &#8222;du solltest&#8220;, &#8222;als Christ m\u00fcsstest du doch&#8220; usw. sind kontraproduktiv und verhindern jede Ver\u00e4nderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Menschen mit Suchtproblemen brauchen, sind Menschen, die zu ihnen stehen, die an sie glauben. Menschen, die nicht das Problem, sondern den leidenden Menschen betrachten. Menschen, die mit einem v\u00e4terlichen\/m\u00fctterlichen Herzen Anteil nehmen an der Not. Menschen, welche die kampfesm\u00fcde Person an die Hand nehmen und mit ihr zusammen geduldig kleine Schritte vollziehen, bis ein Ziel erreicht wird. Das ist praktische Seelsorge.<\/p>\n\n\n\n<p>Lasst uns in unserer Gesinnung so werden wie Jesus Christus. Von Ihm heisst es in Hebr\u00e4er&nbsp;4,15: <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Dieser Hohe Priester hat Mitgef\u00fchl mit unseren Schw\u00e4chen, weil Ihm die gleichen Versuchungen begegnet sind wie uns \u2013 aber Er blieb ohne S\u00fcnde.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6nste Erfahrung habe ich gemacht, als ich mit einer hilfesuchenden Person eine Abmachung getroffen hatte. Sie lautete: &#8222;Wir arbeiten drei Wochen lang zusammen. Ich unterst\u00fctze dich, indem ich w\u00e4hrend diesen drei Wochen keine S\u00fcssigkeiten esse und du legst mir jeden Tag Rechenschaft ab, wie du mit deiner Sucht umgegangen bist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere effektive Hilfe ist das Gebet f\u00fcr den Hilfesuchenden. Darunter verstehe ich nicht nur die F\u00fcrbitte als solche, sondern einen Gebetsdienst im Sinn eines stellvertretenden Glaubens. Hier denke ich an jene M\u00e4nner, welche einen Gel\u00e4hmten zu Jesus bringen wollten. Weil der Platz versperrt war, stiegen sie auf das Dach und liessen den Patienten durchs aufgedeckte Dach hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang heisst es Markus 2,5: <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gel\u00e4hmten: Mein Sohn, deine S\u00fcnden sind dir vergeben.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Da war also offensichtlich der Glaube jener Tr\u00e4ger massgebend, dass Jesus dem Gel\u00e4hmten Vergebung zusprechen und ihn anschliessend heilen konnte. In solchem stellvertretenden Glauben sehe ich ein grosses Potential, welches wir viel mehr nutzen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich w\u00e4ren gerade in unserer Zeit M\u00e4nner und Frauen n\u00f6tig, welche so intensiv und so unmittelbar mit Gott leben, dass Gott ihnen verborgene N\u00f6te im Leben ihrer Mitchristen offenbart, so dass sie dann in einer priesterlichen Gesinnung die erkannten N\u00f6te vor Gottes Thron bringen und in einem weiteren Schritt die betreffende Person, von der Liebe Christi bewegt, ansprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Grundsatz f\u00fcr die Umgangsweise mit Christen, die an Gebundenheiten leiden, kann Kolosser 3,12 als Richtschnur dienen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;So zieht nun an als die Auserw\u00e4hlten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, <strong>herzliches Erbarmen<\/strong>, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Ein Vortrag zum Thema<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Vor genau 50 Jahren habe ich einen Vortrag aufgenommen von Dr. med. Willi Sartorius. Er war ein bekannter und t\u00fcchtiger Hausarzt in Maienfeld, Graub\u00fcnden. Leider geriet er bald in eine Alkoholabh\u00e4ngigkeit und hat auf dem Tiefpunkt seines Lebens eine sehr bewegende Befreiung erlebt. Daraufhin hat er sich beim Blauen Kreuz engagiert und weitherum, auch international, Vortr\u00e4ge zum Thema Suchtgefahren gehalten. In diesem Rahmen kam er alle zwei Jahre f\u00fcr eine Vortragsreihe zur Bibelschule Beatenberg und orientierte die Studierenden \u00fcber Suchtgefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Den folgenden Vortrag habe ich im Jahr 1974 aufgenommen. Im ersten Teil spricht Dr. med. Sartorius \u00fcber medizinische Aspekte zum Suchtverhalten. Im zweiten Teil berichtet er sehr offen und ehrlich \u00fcber die Anf\u00e4nge und die nicht aufzuhaltende Entwicklung seiner eigenen Alkoholsucht und wie er dann auf wunderbare Weise davon befreit wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/7401_Sartorius_Jesus_ist_staerker_als_die_Sucht.mp3\"><\/audio><figcaption>Vortrag von Dr. med. Willi Sartorius: &#8222;Jesus ist st\u00e4rker als die Sucht&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><br>Bildnachweis Titelbild:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.party.ch\/kostueme-zubehoer\/zubehoer-accessoires\/handschellen-fussfesseln\/\">https:\/\/www.party.ch\/kostueme-zubehoer\/zubehoer-accessoires\/handschellen-fussfesseln\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Lukas 4,18) Gestern Abend (8.09.2024) klingelte das Telefon. Ein langes Gespr\u00e4ch folgte. Anderthalb Stunden lang. 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