{"id":964,"date":"2026-05-15T19:04:53","date_gmt":"2026-05-15T17:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=964"},"modified":"2026-05-15T19:04:53","modified_gmt":"2026-05-15T17:04:53","slug":"mach-dir-keine-umstaende-oder-auf-gutem-weg-alt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2026\/05\/15\/mach-dir-keine-umstaende-oder-auf-gutem-weg-alt-werden\/","title":{"rendered":"Mach dir keine Umst\u00e4nde!<br>&#8211; oder auf gutem Weg alt werden."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"780\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-780x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-965\" srcset=\"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-780x1024.jpg 780w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-229x300.jpg 229w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-768x1008.jpg 768w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-1170x1536.jpg 1170w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-1560x2048.jpg 1560w, https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Kuchen_sk-scaled.jpg 1950w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute kommt Besuch, auf den ich mich sehr freue. Beatenberg liegt nicht gerade am Weg, und so sah man sich in letzter Zeit nicht allzu h\u00e4ufig. Mit sorgf\u00e4ltiger Vorbereitung will ich meine Freude und Wertsch\u00e4tzung ausdr\u00fccken, was auch anerkennend registriert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat sich viel zu erz\u00e4hlen. Die Kombination aus gutem Essen, in alten Erinnerungen schwelgen und aktuelle Familienereignisse teilen, l\u00e4sst die Zeit verstreichen wie im Flug.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon ist es Zeit f\u00fcr Kaffee und Kuchen. Der Tisch wird abger\u00e4umt, und ich hole die Kuchenst\u00fccke aus dem K\u00fchlschrank. Jedes St\u00fcck in Folie verpackt auf einer Kartonunterlage. Ich will Dessertteller und Kuchengabeln aufdecken, aber der Besuch wehrt ab: &#8222;Mach dir keine Umst\u00e4nde! F\u00fcr uns tut&#8217;s das schon, wir k\u00f6nnen den Kuchen auf den Kartontellerchen und von Hand essen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lasse den Einwand nicht gelten, decke Dessertteller und Kuchengabeln auf und &#8230; Vor meinen inneren Augen ziehen einige wichtige Gedankeng\u00e4nge vorbei. Was ist mit der Wertsch\u00e4tzung geschehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Besuch war sich bewusst, dass der alte, alleinstehende Gastgeber anschliessend alles wieder sp\u00fclen und wegr\u00e4umen muss. Und man wollte mich entlasten. Das sind edle Beweggr\u00fcnde. Aber es gibt eine Kehrseite:<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Notwendiges Training<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Alle Funktionen, die wir uns im Leben angeeignet haben, gehen wieder verloren, wenn wir sie nicht fortgesetzt brauchen. Seien es Muskeln oder der Kreislauf oder Immunreaktionen, alles unterliegt diesem Prinzip. So ist unser K\u00f6rper eingerichtet. Und so funktioniert auch unser Hirn, es wird &#8222;vergesslich&#8220;. Alles, was als unn\u00f6tig erkannt wird, wird abgebaut und entsorgt. Im hohen Alter beschleunigt sich der Abbaumechanismus extrem. Deshalb ist die Frage berechtigt: Ist es f\u00fcr den alten Menschen eine nachhaltige Hilfe, wenn ich ihn von allen Herausforderungen entlaste? Oder k\u00f6nnte die gut gemeinte Liebesbezeigung im Endeffekt sogar abtr\u00e4glich sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Der optimale Weg ist nicht einfach zu finden, denn alte Menschen brauchen unbedingt Entlastung. Aber eben nicht pauschale Entlastung. Sie ben\u00f6tigen auch Herausforderungen. Zwar keine allzu hohen H\u00fcrden, aber so abgemessen, dass ein nachhaltiger Trainingseffekt entsteht. Dabei spielt auch die psychische Seite eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, in positiver wie auch in negativer Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Besuch es als selbstverst\u00e4ndlich hinnimmt, dass der alte Gastgeber alles im Alleingang erledigt, bek\u00e4me die Arbeit einen negativen Akzent und w\u00fcrde als Alterung beschleunigende Belastung empfunden. Ganz anders, wenn der Besuch nachfragt (wie im vorliegenden Fall): &#8222;Wie kann man dir helfen? Kann man dir etwas abnehmen? Schaffst du das alles alleine?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In der gegenseitigen Absprache wird der Gastgeber in seiner Selbstwahrnehmung gest\u00e4rkt, denn die Besucher halten ihn f\u00fcr f\u00e4hig, dass er die Herausforderung meistern wird. Diese R\u00fcckmeldung verleiht dem alten Menschen Fl\u00fcgel, sodass die Arbeit ihm viel leichter von der Hand geht. Solche Erfahrungen wirken sich wie ein Jungbrunnen aus.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Der geistliche Aspekt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir sind uns viel zu wenig bewusst, dass jede unserer T\u00e4tigkeiten im Alltag auch eine geistliche Botschaft vermittelt, denn Paulus erkl\u00e4rt in Kol 3,17: <em>&#8222;<\/em><em>Alles, was ihr <\/em><em><strong>sagt,<\/strong><\/em><em> und alles, was ihr <\/em><em><strong>tut,<\/strong><\/em><em> soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen<\/em><em> &#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet es demnach, wenn ich im Alter nachl\u00e4ssiger werde und in meinen T\u00e4tigkeiten &#8222;F\u00fcnfe gerade sein lasse&#8220;? Mein Dienstherr im Himmel w\u00fcrde durch Nachl\u00e4ssigkeit abgewertet. Meine Arbeitsweise w\u00fcrde zum Ausdruck bringen: F\u00fcr Ihn ist das gut genug. Das w\u00e4re fatal! Soweit darf es niemals kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie ist es, wenn wir nicht f\u00fcr Besucher sondern f\u00fcr uns selbst das Men\u00fc planen, das Essen zubereiten, den Tisch decken, Zeit zum gen\u00fcsslichen Essen nehmen, den Abwasch besorgen? Im Alter befinden wir uns ohnehin auf dem Abstellgeleise, sind nichts mehr wert. Da brauchen wir es doch nicht mehr so genau zu nehmen? Wirklich???<\/p>\n\n\n\n<p>Nein! Gerade wenn es um uns selbst geht, d\u00fcrfen wir in keiner Weise nachlassen. Aus folgendem Grund: Obwohl ich nur Staub bin, achtet mich Gott so wertvoll, dass Er f\u00fcr meine Rettung den h\u00f6chst m\u00f6glichen Preis bezahlte. Er opferte seinen eigenen Sohn am Kreuz. Wenn also Gott mich so unbegreiflich wertsch\u00e4tzt, darf ich dann mit meinem anvertrauten K\u00f6rper geringsch\u00e4tzig umgehen? Nein, denn damit w\u00fcrde ich Gott beleidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich soll ich nicht in narzisstischer Weise mein Leben und meinen K\u00f6rper \u00fcberbewerten. Aber ich soll mit dem, was f\u00fcr Gott kostbar ist, behutsam und wertsch\u00e4tzend umgehen mit dem Ziel: In der Art und Weise, wie ich mit mir selbst umgehe, soll sichtbar werden, dass ich Gott ehre.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss steht die wichtige Frage im Raum: Wie kann ich diese Herausforderungen erf\u00fcllen, wenn meine Kraft von Jahr zu Jahr abnimmt? Ich kann unm\u00f6glich einen gewissen Standard bis zum letzten Tag meines Lebens beibehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg ist eigentlich einfach: Wir m\u00fcssen uns konsequent vom Leistungsdenken verabschieden. Das Alter ist so eingerichtet, dass wir St\u00fcck um St\u00fcck abgeben m\u00fcssen. Die Einschr\u00e4nkungen werden stets drastischer. Das ist ein von Gott so vorgegebener Werdegang, den ich akzeptieren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit kann ich unm\u00f6glich einen materiellen Qualit\u00e4tsstandard aufrecht erhalten. Aber innerhalb der enger werdenden Grenzen darf und soll ich die Grundhaltung meines Handelns beibehalten: Das wenige, das ich noch tun kann, will ich in einer solchen Haltung tun, die Gott ehrt. Ich will Gott, den Mitmenschen und mir selbst gegen\u00fcber <strong>Wertsch\u00e4tzung zum Ausdruck bringen<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute kommt Besuch, auf den ich mich sehr freue. Beatenberg liegt nicht gerade am Weg, und so sah man sich in letzter Zeit nicht allzu h\u00e4ufig. Mit sorgf\u00e4ltiger Vorbereitung will ich meine Freude und Wertsch\u00e4tzung ausdr\u00fccken, was auch anerkennend registriert wird. Man hat sich viel zu erz\u00e4hlen. 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