{"id":98,"date":"2018-01-31T08:03:01","date_gmt":"2018-01-31T07:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/?p=98"},"modified":"2018-05-23T15:05:52","modified_gmt":"2018-05-23T13:05:52","slug":"war-dies-soeben-eine-glaubensuebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.kuhn-widmer.ch\/index.php\/2018\/01\/31\/war-dies-soeben-eine-glaubensuebung\/","title":{"rendered":"War dies soeben eine Glaubens\u00fcbung?"},"content":{"rendered":"<p>Schon verschiedentlich haben mir bekannte Personen angedeutet, es sei vorbildlich, wie ich meine schwierige Situation im Glauben angehe.<\/p>\n<p>Was ist da vorbildlich? Ich tue ja nur das Einzige, was mir geblieben ist, was mir m\u00f6glich und richtig erscheint. Ich klammere mich, wie seinerzeit der Prophet Habakuk, an meinen Gott an. Dazu braucht es wahrlich keinen starken Glauben, sondern einen starken Gott. Und weil dieser starke Gott uns in seiner g\u00f6ttlichen Kraft tr\u00e4gt, kann Er es sich leisten, seine Kinder immer wieder mal durch ein \u00dcbungsfeld zu f\u00fchren.<!--more--><\/p>\n<p>Schon im letzten Sommer machte ich mir Gedanken, wie mein 80-er-Jubil\u00e4um gefeiert werden soll. Alle drei Generationen m\u00fcssen anwesend sein. Und ein halbes Jahr im voraus sollten alle eingeladen werden, damit es nicht zu Terminkollisionen kommt. Sch\u00f6n, es wird klappen.<\/p>\n<p>10 Tage vor dem Fest machen sich Anzeichen einer Erk\u00e4ltung bemerkbar. Sofort leite ich Feuerwehr-Massnahmen ein, um die Eindringlinge m\u00f6glichst rasch wieder los zu werden. N\u00fctzt nichts. Der K\u00f6rperthermostat schaltet auf Fieber um. Bald tropft die Nase im 2\u2011Sekunden-Takt. Es scheint, dass mich die Viren in ein Katz-und-Maus-Spiel verwickeln. All meine erprobten Tricks werden ausgetrickst.<\/p>\n<p>5 Tage vor dem Fest. Jetzt m\u00fcssen wir gemeinsam beten, denn es steht viel auf dem Spiel. E-Mail an meine Kinder und Schwiegerkinder: &#8222;Liebe Kinder, betet mit! Es scheint, dass der Widersacher Gottes keine Freude hat an unserer Feier. Er will sie verhindern.&#8220; Viele Hilferufe kommen im Himmel an, aber das Fieberthermometer stellt auf stur, und die N\u00e4chte werden mehr und mehr zur Qual.<\/p>\n<p>3 Tage vor dem Fest. Wie wichtig w\u00e4re jetzt eine Nacht mit erholsamem Schlaf. Das l\u00e4sst sich jedoch nicht per Knopfdruck realisieren. Statt dessen drehe ich mich mit meinem fieberheissen Brummsch\u00e4del hin und her, versuche die Gedanken abzuschalten, zu entspannen, in Jesus zu ruhen. Das ist doch dem Glaubenden zugesagt. Ja, ich will doch meinen Herrn durch Glauben ehren. Er hat alle Macht, hat alles im Griff, also kann ich relaxen.<\/p>\n<p>Da sind sie schon wieder, die Gedanken, die wie hungrige Ratten an meinem Glauben knabbern. Morgen ist der letzte Tag, an welchem das Fest allenfalls noch abgesagt werden k\u00f6nnte. 33 Leute, die sich auf das Fest gefreut haben. Und jetzt absagen? Nein, ich will mir keine Sorgen machen, mein Herr ist doch allm\u00e4chtig. &#8211; Aber wenn Er anders entschieden haben sollte? Wenn Er mir Bettruhe verordnet, statt Festfeier? Nein, so ist mein Herr nicht, Er will mich nicht strafen, nur pr\u00fcfen, meinen Glauben pr\u00fcfen. Jetzt m\u00f6chte ich eeendlich schlafen. Herr, lass mich doch bitte endlich den Schlaf finden!<\/p>\n<p>Ratten lassen sich nicht so leicht vertreiben. Gedanken auch nicht. Hast du \u00fcberhaupt Glauben? Oder hast du dir nur eingebildet, dass das Familienfest so wichtig sei? Doch, es ist wichtig, dass ich meinen Enkeln einige geistliche Impulse mit auf den Lebensweg gebe. Sch\u00f6n, das m\u00f6chte Gott auch, aber ist Er dazu auf dich angewiesen? Und ist Er verpflichtet, alles nach deinen Vorstellungen zu lenken?<\/p>\n<p>Jetzt halte ich es nicht mehr aus in diesem Karussell. &#8222;Herr Jesus, morgen ist Stichtag. Ich werde mich beim Arzt melden. L\u00e4sst er mich springen, weiss ich, dass Du gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das Fest gegeben hast. Hat der Arzt jedoch Bedenken, betrachte ich dies als Stoppzeichen und werde das Fest absagen.&#8220;<\/p>\n<p>Ich schlage die Augen auf und f\u00fchle mich erstaunlich ausgeruht. Durch das Dachfenster leuchtet mir schon die Morgend\u00e4mmerung entgegen. Also habe ich doch einige Stunden gut geschlafen. Decke weg! &#8211; und zum ersten Mal werden wieder einige morgendliche Turn\u00fcbungen durchgef\u00fchrt. Dann ist es Zeit f\u00fcr den Anruf. Ich erhalte umgehend einen Termin f\u00fcr die Sprechstunde, die Zeit reicht noch zum Duschen &#8211; und dann los!<\/p>\n<p>&#8222;Kein Fieber mehr&#8220;, sagt der Arzt. Es gibt nichts, was gegen das Fest sprechen w\u00fcrde. Er schreibt die Verordnungen, h\u00e4ndigt mir die Medikamente aus und entl\u00e4sst mich mit ein paar mahnenden Worten. Danke Herr, die ganze Last ist weg! Und nun gehts gelassen ans Werk, um alle liegengebliebenen Vorbereitungen zu erledigen. Und das ist Einiges.<\/p>\n<p>Bum, bum, bum, mahnt mich mein Herz. Ja, ich weiss, ich sollte mich schonen. Hat der Arzt gesagt. Sollte. Aber wie komme ich vom Konjunktiv zum Indikativ Pr\u00e4sens? Gehorsam ist ein wesentlicher Aspekt des Glaubens. Also!<\/p>\n<p>Samstag, Tag des grossen Festes! Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck rasch in die Dusche und dann in den festlichen Anzug. Rechtzeitig stehe ich im Stationsgeb\u00e4ude und warte, bis sich die automatische T\u00fcr \u00f6ffnet und ich in die Standseilbahn einsteigen kann. Doch, die T\u00fcr will und will heute nicht aufgehen. Schon springt der Zeiger auf 09:44. Gleichzeitig erl\u00f6scht die angezeigte Abfahrtszeit im Display. T\u00fcr immer noch geschlossen. Und nun ert\u00f6nt bereits das erste Hornsignal, welches die Abfahrt ank\u00fcndigt. Da rase ich wie elektrisiert zum Billetschalter, poltere gegen die Scheibe und rufe ohne jeglichen freundlichen Unterton: &#8222;T\u00fcr \u00f6ffnen&#8220;. Die Abfahrt kann gerade noch verhindert werden. Die T\u00fcr geht auf. Ich steige als einziger Fahrgast in das noble &#8222;B\u00e4hnli&#8220;, und los gehts.<\/p>\n<p>Wow! Das war knapp. Die h\u00e4tten mich ja prompt vor verschlossener T\u00fcr stehen lassen. Und das Vorbereitungsteam h\u00e4tte vergeblich auf das Mischpult gewartet, welches ich im Rucksack mitbringe. Ein Probelauf der Anlage w\u00e4re vor dem Fest nicht mehr m\u00f6glich gewesen. Und die G\u00e4ste h\u00e4tten beim Ap\u00e9ro vergeblich auf das Anstossen mit dem Geburtstagskind gewartet. Aber nun sitze ich ja wirklich in der Seilbahn und gleite gem\u00e4chlich zum Thunersee hinunter.<\/p>\n<p>Im Bus und im Zug finde ich gen\u00fcgend Zeit, um mir die geplante Tischrede &#8222;Grossvater erz\u00e4hlt aus seinem Leben&#8220; Punkt um Punkt nochmals durch den Kopf gehen zu lassen. Wie ich das geniesse. Und wie wichtig, das alles wie ein Verm\u00e4chtnis der dritten Generation zu \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>Boltigen. Hotel Simmental. Ich werde von der Chefin selbst empfangen und in den &#8222;Amtssaal&#8220; gef\u00fchrt. Hier f\u00e4llt mir die gedr\u00fcckte Stimmung gleich auf. Offenbar wurden mit dem Hotelier getroffene Vereinbarungen betriebsintern nicht weitergeleitet. Da stehen nun die beiden Enkelinnen, die f\u00fcr das Einschenken beim Ap\u00e9ro bestimmt waren, ziemlich tuuch (bedr\u00fcckt) herum, w\u00e4hrend die Servierdame des Hotels den Ap\u00e9rotisch bedient und damit den M\u00e4dchen die Show stiehlt.<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste trudeln ein, es wird begr\u00fcsst, angestossen, geplaudert, einfach eine fr\u00f6hliche Stimmung, aber so fr\u00f6hlich, dass es schwierig ist, die Leute an die Tischpl\u00e4tze zu bringen. Das Essen beginnt mit Versp\u00e4tung. Ich halte die kurze Begr\u00fcssungsrede und will das Mikrophon der Tagesleiterin \u00fcbergeben. Doch diese erschrickt, hat keine Ahnung, dass sie die Festgemeinde durch das Programm f\u00fchren soll &#8211; und hat auch meinen detaillierten Plan f\u00fcr den Ablauf und die entsprechenden Hinweise nicht gesehen. Panne total!<\/p>\n<p>Das Fest nimmt &#8222;ungeleitet&#8220; seinen Lauf mit vielen fr\u00f6hlichen Unterhaltungen zwischen Sitznachbarn oder quer \u00fcber den Tisch. Und wie es so ist, wo es viel zu erz\u00e4hlen gibt, dreht sich der Uhrzeiger schneller. So bleibt gerade noch Zeit f\u00fcr ein paar Darbietungen, aber meine f\u00fcr mich so wichtige Tischrede findet keinen Platz mehr. Ich f\u00fchle mich vernichtet. Mein Schlussbukett ist das Einzige, was zeitlich noch drin liegt. Eigentlich wollte ich das Lied vorsingen, in die Herzen hineinsingen. Aber mit all den Nachwirkungen meiner hartn\u00e4ckigen Erk\u00e4ltung ist nicht daran zu denken. Wir singen das Lied gemeinsam.<\/p>\n<p>In der erkl\u00e4renden Einf\u00fchrung zu diesem Lied berichte ich von der Hochzeit meines j\u00fcngsten Bruders und der Schw\u00e4gerin. Er hatte es gewagt, den einstigen Gemeindepastor aus unserer Jugendzeit anzufragen, ob er bereit w\u00e4re, die Trauung vorzunehmen. Aber dieser Mann Gottes war zu jener Zeit sehr, sehr alt. Und er war sterbenskrank. Trotzdem betrachtete er es als Auftrag Gottes, die Trauung zu halten. Da stand er nun, dieser vom Tod gezeichnete Mann, hinter dem Altar, hielt sich mit beiden Armen am Pult fest &#8211; und predigte pl\u00f6tzlich mit seiner gewohnt m\u00e4chtigen Stimme, so dass der ganze Kirchenraum widerhallte. So \u00fcbermittelte er uns eine unvergessliche Botschaft mit dem Kernsatz: &#8222;Gebt um Gottes willen dieser sterbenden Welt ein mutiges Bekenntnis f\u00fcr unseren Heiland, Jesus Christus!&#8220;<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend jener Gottesmann laut und klar diese Botschaft in unsere Herzen schrieb, hatte ich selbst grosse M\u00fche, davon zu berichten. Weil mich die Erinnerung beim Erz\u00e4hlen so sehr ber\u00fchrte, musste ich ein paar Male unterbrechen und den Satz nochmals beginnen. Ich kam mir vor, wie ein ganz grosser Versager.<\/p>\n<p>Schlussgebet. Die G\u00e4ste beginnen sich zu verabschieden. Alle zeigen sich tief bewegt von diesem sch\u00f6nen Fest. Was gab es denn so Bewegendes? Der Glanz der Gegenwart Gottes \u00fcber der ganzen Feier. Und ich hatte gedacht, dass es auf mich ankomme, dass ich das Entscheidende beitragen m\u00fcsste. Wie t\u00f6richt! L\u00e4sst sich denn der Gegenwart Gottes irgend etwas Ebenb\u00fcrtiges gegen\u00fcberstellen?<\/p>\n<p>Glaubens\u00fcbung heisst eben auch: In seinen eigenen Vorstellungen korrigiert zu werden.<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon verschiedentlich haben mir bekannte Personen angedeutet, es sei vorbildlich, wie ich meine schwierige Situation im Glauben angehe. Was ist da vorbildlich? Ich tue ja nur das Einzige, was mir geblieben ist, was mir m\u00f6glich und richtig erscheint. Ich klammere mich, wie seinerzeit der Prophet Habakuk, an meinen Gott an. 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