Was ist normal?
Gestern war ich an einem bemerkenswerten Gespräch beteiligt. Es ging um das zunehmende Suchtverhalten in unserer Gesellschaft und wie sich dieses belastend auf die Arbeitsqualität und ebenso auf das Umfeld auswirkt. Zur Sprache kamen nicht die schweren Süchte wie z.B. Drogenkonsum. Die vielen kleinen, von der Gesellschaft tolerierten und in der persönlichen Sichtweise heruntergespielten Süchte oder Süchtchen können insgesamt sehr negative Resultate hervorbringen.
Und gleich kam die Illustration
Ich war im Zug auf der Heimfahrt. Schräg vor mir nahmen eine auffallend übergewichtige Frau und ein schätzungsweise 10 Jahre altes Mädchen Platz. Das Smartphone wurde ausgepackt, um den Einkaufszettel zusammenzustellen.
Frage an das Mädchen: „Was möchtest du?“ Antwort: „Salat!“ Rückfrage: „Findest du Salat interessant?“
Hopla, musste ich denken, dieser Frau würde ein wenig Salatdiät gewiss nicht schaden.
Das Mädchen hat dann doch noch gewonnen mit seiner Antwort: „Ich möchte die Salatsauce selbst machen.“
Was für eine aufschlussreiche Erfahrung! Extremes Übergewicht kommt meistens nicht ohne eine Gewohnheit als Auslöser. Und diese Gewohnheit möchte man auf keinen Fall aufgeben. Bei den meisten Süchten ist es ein Gefühl oder eine Stimmung, welche man immer wieder reproduzieren möchte. Und ohne jenes Gefühl scheint das Leben seinen Sinn zu verlieren. Wie sehr wir von Gefühlen und Stimmungen abhängig sind, zeigt sich erst, wenn wir uns dazu entschliessen, eine liebgewordene Gewohnheit zu ändern oder aufzugeben. Da wird’s echt hart! Und wenn’s eben nicht funktioniert, haben wir rasch die Ausrede zur Hand: Es ist eben normal, dass jeder Mensch auch seine unguten Gewohnheiten oder seine zu tolerierenden Süchtchen hat.
Menschen, die mit Christus verbunden sind, haben eine bessere Ausgangsbasis.
Wer sich Jesus Christus zuwendet und sein Leben unter Gottes Führung stellt, ist nicht mehr allein im Kampf gegen schlechte Gewohnheiten oder gegen sein Suchtverhalten. Der an Christus Glaubende empfängt den Heiligen Geist, und dieser Geist ist Gottes Kraft. Davon spricht der Apostel Paulus klar und unmissverständlich im Epheserbrief 1,18-20: „Er öffne euch die Augen des Herzens, damit ihr erkennt … mit was für einer überwältigend grossen Kraft Er unter uns, den Glaubenden, am Werk ist. Es ist dieselbe gewaltige Stärke mit der Er am Werk war, als Er Christus von den Toten auferweckte und Ihm in der himmlischen Welt den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gab.“
Ja, es ist richtig, uns selbst fehlt die Kraft, um schlechte Gewohnheiten abzulegen. Darum stehen wir immer auf verlorenem Posten, wenn wir in eigener Kraft oder in Eigenregie ans Werk gehen. Das sollen wir jedoch nicht, denn es selbst zu probieren, während uns doch die grösste Kraft versprochen wurde, wäre definitiv Dummheit.
Wie aber wird Gottes Kraft aktiv? Das ist eine zentrale Frage, denn die Befreiung von schlechten Gewohnheiten und Süchten geschieht nicht nach einem Automatismus-Prinzip. Gott bezieht uns in den Prozess mit ein. Auf meiner menschlichen Seite sind zwei Schritte notwendig, die ich zu gehen habe. Der erste Schritt lautet: Ich soll bereit sein, dass ich das, was ich aufgeben soll, auch wirklich und entschlossen los lasse. Der zweite Schritt ist das völlige Vertrauen in Gott, in seine Zusage und in die gewaltige Kraftwirkung seines Geistes. Diese beiden Schritte habe ich im Gehorsam gegenüber Gott zu gehen. Dann folgt die Erfahrung, nämlich die wunderbare Freiheit der Kinder Gottes.
Christen leben in einer anderen Normalität
Weil Gott die grösste Kraft einsetzt, um uns ein befreites Leben unter seiner Führung zu ermöglichen, gilt für einen lebendigen Christen eine neue Normalität. Es würde nicht seiner von Gott empfangenen Identität entsprechen, wenn ein an Christus Glaubender weiterhin den Weg des geringsten Widerstandes wählen würde. Denn dann hätte er umsonst die Zusage der Kraft Gottes erhalten. Somit ist es für einen lebendigen Christen normal, dass er schlechte Gewohnheiten ablegt resp. sein Suchtverhalten überwindet, auch wenn dies oft mit einem Wachstumsprozess einhergeht und manchmal nicht von heute auf morgen funktioniert.
Daraus folgt: Das Überwinden gehört zur neuen Normalität eines Christen.
Das hat nichts mit Moralvorschriften zu tun, die wir erfüllen müssten. Im Gegenteil, es handelt sich um ein göttliches Geschenk, denn Gott selbst bewirkt durch seine Kraft in uns ein neues Verhalten. Die folgenden Bibelstellen mögen dies verdeutlichen:
1Johannesbrief 5,4: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
Römerbrief 12,21: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Römerbrief 8,37: „Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“
Zum Schluss sollten wir uns der Frage stellen: Wie sollen Menschen in dieser Welt Gottes Kraft kennen lernen, wenn die Christen ein kraftloses Leben nach den gleichen Verhaltensmustern wie Nichtchristen leben?
Geben wir doch Gottes Kraft Raum, um unser Leben als lebendiges Schaumodell zu gebrauchen! Menschen, die auf der Suche sind, sollen in unserem Leben Gottes gewaltige Kraftwirkung erkennen können! Die Wahrheit muss schaubar werden (Römerbrief 1,16): „Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt.“
Für einen lebendigen Christen ist das Prinzip des Überwindens die Normalität.


Lieber Heinrich
Habe soeben ca. 30 Minuten in deinem Blog nachgelesen.
Für mich sehr ermutigend deine Erlebnisse aus dem Alltag, verbunden mit dem Wort Gottes, das Brot des Lebens lesen zu können.
Vielen Dank und Gottes Kraft und Segen für deinen weiteren Dienst
Lieber Gruss Benjamin Wäfler