Mach dir keine Umstände!
– oder auf gutem Weg alt werden.

Heute kommt Besuch, auf den ich mich sehr freue. Beatenberg liegt nicht gerade am Weg, und so sah man sich in letzter Zeit nicht allzu häufig. Mit sorgfältiger Vorbereitung will ich meine Freude und Wertschätzung ausdrücken, was auch anerkennend registriert wird.

Man hat sich viel zu erzählen. Die Kombination aus gutem Essen, in alten Erinnerungen schwelgen und aktuelle Familienereignisse teilen, lässt die Zeit verstreichen wie im Flug.

Schon ist es Zeit für Kaffee und Kuchen. Der Tisch wird abgeräumt, und ich hole die Kuchenstücke aus dem Kühlschrank. Jedes Stück in Folie verpackt auf einer Kartonunterlage. Ich will Dessertteller und Kuchengabeln aufdecken, aber der Besuch wehrt ab: „Mach dir keine Umstände! Für uns tut’s das schon, wir können den Kuchen auf den Kartontellerchen und von Hand essen.“

Ich lasse den Einwand nicht gelten, decke Dessertteller und Kuchengabeln auf und … Vor meinen inneren Augen ziehen einige wichtige Gedankengänge vorbei. Was ist mit der Wertschätzung geschehen?

Mein Besuch war sich bewusst, dass der alte, alleinstehende Gastgeber anschliessend alles wieder spülen und wegräumen muss. Und man wollte mich entlasten. Das sind edle Beweggründe. Aber es gibt eine Kehrseite:

Notwendiges Training

Alle Funktionen, die wir uns im Leben angeeignet haben, gehen wieder verloren, wenn wir sie nicht fortgesetzt brauchen. Seien es Muskeln oder der Kreislauf oder Immunreaktionen, alles unterliegt diesem Prinzip. So ist unser Körper eingerichtet. Und so funktioniert auch unser Hirn, es wird „vergesslich“. Alles, was als unnötig erkannt wird, wird abgebaut und entsorgt. Im hohen Alter beschleunigt sich der Abbaumechanismus extrem. Deshalb ist die Frage berechtigt: Ist es für den alten Menschen eine nachhaltige Hilfe, wenn ich ihn von allen Herausforderungen entlaste? Oder könnte die gut gemeinte Liebesbezeigung im Endeffekt sogar abträglich sein?

Der optimale Weg ist nicht einfach zu finden, denn alte Menschen brauchen unbedingt Entlastung. Aber eben nicht pauschale Entlastung. Sie benötigen auch Herausforderungen. Zwar keine allzu hohen Hürden, aber so abgemessen, dass ein nachhaltiger Trainingseffekt entsteht. Dabei spielt auch die psychische Seite eine nicht zu unterschätzende Rolle, in positiver wie auch in negativer Richtung.

Wenn der Besuch es als selbstverständlich hinnimmt, dass der alte Gastgeber alles im Alleingang erledigt, bekäme die Arbeit einen negativen Akzent und würde als Alterung beschleunigende Belastung empfunden. Ganz anders, wenn der Besuch nachfragt (wie im vorliegenden Fall): „Wie kann man dir helfen? Kann man dir etwas abnehmen? Schaffst du das alles alleine?“

In der gegenseitigen Absprache wird der Gastgeber in seiner Selbstwahrnehmung gestärkt, denn die Besucher halten ihn für fähig, dass er die Herausforderung meistern wird. Diese Rückmeldung verleiht dem alten Menschen Flügel, sodass die Arbeit ihm viel leichter von der Hand geht. Solche Erfahrungen wirken sich wie ein Jungbrunnen aus.

Der geistliche Aspekt

Wir sind uns viel zu wenig bewusst, dass jede unserer Tätigkeiten im Alltag auch eine geistliche Botschaft vermittelt, denn Paulus erklärt in Kol 3,17: Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen …“

Was bedeutet es demnach, wenn ich im Alter nachlässiger werde und in meinen Tätigkeiten „Fünfe gerade sein lasse“? Mein Dienstherr im Himmel würde durch Nachlässigkeit abgewertet. Meine Arbeitsweise würde zum Ausdruck bringen: Für Ihn ist das gut genug. Das wäre fatal! Soweit darf es niemals kommen.

Aber wie ist es, wenn wir nicht für Besucher sondern für uns selbst das Menü planen, das Essen zubereiten, den Tisch decken, Zeit zum genüsslichen Essen nehmen, den Abwasch besorgen? Im Alter befinden wir uns ohnehin auf dem Abstellgeleise, sind nichts mehr wert. Da brauchen wir es doch nicht mehr so genau zu nehmen? Wirklich???

Nein! Gerade wenn es um uns selbst geht, dürfen wir in keiner Weise nachlassen. Aus folgendem Grund: Obwohl ich nur Staub bin, achtet mich Gott so wertvoll, dass Er für meine Rettung den höchst möglichen Preis bezahlte. Er opferte seinen eigenen Sohn am Kreuz. Wenn also Gott mich so unbegreiflich wertschätzt, darf ich dann mit meinem anvertrauten Körper geringschätzig umgehen? Nein, denn damit würde ich Gott beleidigen.

Natürlich soll ich nicht in narzisstischer Weise mein Leben und meinen Körper überbewerten. Aber ich soll mit dem, was für Gott kostbar ist, behutsam und wertschätzend umgehen mit dem Ziel: In der Art und Weise, wie ich mit mir selbst umgehe, soll sichtbar werden, dass ich Gott ehre.

Zum Schluss steht die wichtige Frage im Raum: Wie kann ich diese Herausforderungen erfüllen, wenn meine Kraft von Jahr zu Jahr abnimmt? Ich kann unmöglich einen gewissen Standard bis zum letzten Tag meines Lebens beibehalten.

Der Weg ist eigentlich einfach: Wir müssen uns konsequent vom Leistungsdenken verabschieden. Das Alter ist so eingerichtet, dass wir Stück um Stück abgeben müssen. Die Einschränkungen werden stets drastischer. Das ist ein von Gott so vorgegebener Werdegang, den ich akzeptieren muss.

Somit kann ich unmöglich einen materiellen Qualitätsstandard aufrecht erhalten. Aber innerhalb der enger werdenden Grenzen darf und soll ich die Grundhaltung meines Handelns beibehalten: Das wenige, das ich noch tun kann, will ich in einer solchen Haltung tun, die Gott ehrt. Ich will Gott, den Mitmenschen und mir selbst gegenüber Wertschätzung zum Ausdruck bringen.

Gute Wünsche für 2026

31. Dezember 2025

Jesus Christus spricht:
„Siehe, Ich mache alles neu!“




Morgen beginnen wir ein neues Jahr. Und was gäbe es Schöneres, als wenn morgen alles neu wäre. Neuer Schwung, neue Umgangsformen, keine belastenden Beziehungen mehr. Nur ein schöner Traum???

Wenn wir so denken – ein schöner Traum – wird das neue Jahr im alten Trott weitergehen. Aber Gott hat doch gesagt: „Ich mache alles neu!“ Und zum Schreiber Johannes gewandt, fügte Er noch hinzu: „Schreib diese Worte auf! Sie sind zuverlässig und wahr.“

Gehörst du auch zu jenen Bibelkennern, die argumentieren: Ich weiss schon, dass Gott alles neu machen wird, aber das gilt für eine ferne Zukunft, wenn Er Himmel und Erde erneuern wird.

Solche Argumente lasse ich nicht unwidersprochen. Natürlich wird Gott einst Himmel und Erde erneuern. Aber das Neu-Schaffen ist doch Seine DNA! Und die beginnt nicht in ferner Zukunft. Sie ist ewig, weil Gott sich nie ändert. Die allergrösste Erneuerung geschieht, wenn ein verlorener Mensch sich Jesus Christus zuwendet. Da findet jedes Mal ein gewaltiges Wunder statt. Der Heilige Geist macht aus einem verlorenen Sünder ein Kind Gottes mit Bürgerrecht im Himmel. Er macht aus einem Feind Gottes einen Geliebten, einen Kanal für Gottes überströmende Liebe.

Manche von meinen Lesern mögen nun denken: Alles gut und recht, aber warum sehe ich in meinem Christenleben so wenig von dieser Erneuerung? Ich gebe mir jede erdenkliche Mühe und rutsche immer wieder in die gleichen Verhaltensmuster.

Lieber Leser, du bist mit dieser Erfahrung nicht allein. Aber hat deshalb Gottes Wort keine Gültigkeit mehr? Es bleibt trotz meiner Negativerfahrung gültig. Doch wo liegt das Problem?

Wir können uns mit all unseren guten Vorsätzen nicht selbst erneuern. Das kann nur der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist Gottes Kraft. Er bringt Gottes Absichten zu Stande. Aber Sein Wirken steht nicht in unserer Verfügbarkeit. Hier müssen wir umdenken lernen. Es ist doch so klar:

Nehmen wir an: Ich will erneuert werden und erwarte, dass der Heilige Geist mir dabei helfen soll. Mit einer solchen Grundhaltung erniedrige ich den Geist Gottes in die Rolle eines Dienstmädchens. Ein derartiges Spiel macht Er nicht mit. Er ist nicht unser Dienstleister. Der Heilige Geist lässt sich nicht von mir für meine Ziele einspannen. Er ist von seiner Stellung her „Spiritus Rector“. Er will mich leiten. Er will in mir den Willen Gottes zur Ausführung bringen.

Im Grunde ist es so einfach:

Der Heilige Geist hat die Aufgabe, mich von Grund auf zu erneuern. Also muss ich Ihm das nicht im Gebet abringen. Er will und Er kann in mir Erneuerung wirken. Aber Er geht respektvoll mit mir um und setzt sich nicht über meine persönliche Entscheidung hinweg. Er erneuert so weit, wie ich es zulasse. Und obwohl Er die grösste Kraft ist, durch die Gott alles zustande bringt, arbeitet Er sehr feinfühlig und spricht ganz leise, aber doch deutlich zu mir.

Genau hier liegt ein Problem: Ich kann dieses feine Reden des Heiligen Geistes überhören, besonders wenn es nicht in mein Denkschema oder ins Tagesprogramm passt. Und jedes Mal, wenn ich sein Reden überhöre, vermittle ich eine Botschaft: Im Moment ist mir etwas anderes wichtiger. Jetzt habe ich gerade keine Zeit. Ich werde dann schon …, aber zuerst will ich noch … → Wie muss sich der Heilige Geist fühlen, wenn ich mit solchen Botschaften signalisiere, dass ich Ihn nicht ernst nehme? Botschaften, die Ihn, die dritte Person der Gottheit, hintan stellen?

Vor gut siebzig Jahren nahm ich an einem Jugendtreffen in Rämismühle teil und hörte dort Pfarrer Wilhelm Busch, den damaligen Jugend- und Bergmannspfarrer aus Essen. Was mir aus seiner Predigt unauslöschlich in Erinnerung blieb, ist der eine Satz: „Der Heilige Geist ist etwas sehr, sehr Zartes; betrübt nicht den Heiligen Geist!“

In Epheser 4,30 sagt der Apostel Paulus:

„Tut nichts, was Gottes heiligen Geist traurig macht! Denn der Heilige Geist ist das Siegel, das Gott euch im Hinblick auf den Tag der Erlösung aufgedrückt hat, um damit zu bestätigen, dass ihr sein Eigentum geworden seid.“

Wenn also das vor uns liegende Jahr zur Erneuerung im persönlichen Glaubensleben führen soll, dann beginnt dies mit dem Hören auf die feine Stimme des Heiligen Geistes und mit dem unmittelbaren und freudigen Gehorsam. So wird der Weg geebnet für das erneuernde Wirken des Heiligen Geistes.

In diesem Sinn also: Ein reich gesegnetes 2026!

Karfreitags-Gottesdienst

Heute, am Karfreitag 2025, durfte ich den Gottesdienst halten im Alters- und Pflegeheim Beatenberg-Habkern. Das Thema lautete:
„Karfreitag – eine Liebesgeschichte.“
Bei Menschen auf der letzten Wegstrecke des Lebens muss die Sprache der Predigt sehr einfach gewählt werden. Aber gerade dies passt zum gewählten Thema und lässt den gewichtigen Inhalt umso eindrücklicher erscheinen.

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Gott überrascht mit seiner Grosszügigkeit

Gestern, am 2. Januar, war noch Feiertag, aber das Tourist-Center in der Dorfmitte hatte für ein kurzes Zeitfenster geöffnet. Das war die Gelegenheit, um einen Brief abzusenden, welcher dringend weggehen sollte. Über den Jahreswechsel wurden die Posttaxen erhöht, so benötigte ich zusätzliche Briefmarken und musste das Tourist-Center aufsuchen.

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Erfahrungsbericht zum Thema „Wenn es nicht zur Versöhnung kommt“

Die Sonne darf über eurem Zorn nicht untergehen!

Mein eindrücklichstes Erlebnis zum Thema:
Uneinigkeit unter gläubigen Christen – oder
wenn Christen Handlanger des Feindes werden.

In der Anfangszeit meiner Tätigkeit als Bibellehrer hatte ich die Verantwortung für die Evangelisationswochen während des Winterpraktikums. Mitte der 1960-er Jahre war ich mit einer Gruppe von Studierenden in einer Stadt in der Nähe von Stuttgart im Einsatz.

Nach der Anreise verteilten wir uns in die zugeteilten Quartiere. Beim Abendessen fiel mir die gedrückte Stimmung meiner Gastgeber auf. Schliesslich wandte sich der Hausherr ganz direkt mit der Frage an mich: „Was erwarten Sie von dieser Woche?“

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Gnade genügt

„…denn meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen.“ 2Kor 12,9

Wer im Dienst des Reiches Gottes an der Front arbeitet, kennt es: Entmutigung. Die eigene Arbeit, die geistliche Qualität, die praktischen Fähigkeiten, die erreichten Resultate werden hinterfragt. Die Differenzen zu den gehegten Erwartungen und den gesteckten Zielen erscheinen riesig. Die Sinnfrage steht unausweichlich im Raum und verlangt nach Antworten. Und logischerweise drückt dies alles aufs Gemüt. „Gnade genügt“ weiterlesen

Römer 8,28 – Ein Axiom und die Konsequenzen

Mit dem Besuch der Notfallstation beginnt eine ganze Abfolge von Terminen. Untersuchungen, Diagnosestellung, Operation. Darauf folgt eine äusserst spannende Zeit, bis das Resultat der Histologie (Gewebeuntersuchung) bekannt gegeben wird. In dieser Zeit ist kein Ausweichen möglich, kein Verdrängen, kein Schönreden. Die Grundstruktur des Denkens und des Gottvertrauens werden in einem hellen Scheinwerferlicht durchleuchtet und geprüft. Und man muss Antworten finden, die dem Sturm standhalten. Es ist das, was ich gerade durchlebe, während ich dies schreibe.

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Warum das Glaubensbekenntnis?

Wenn ich Ihnen heute die Frage stellen würde, ob Sie wissen, was der Inhalt Ihres Glaubens ist – könnten Sie spontan und mit Überzeugung darauf antworten?

Manche unserer Zeitgenossen leben nach dem Grundsatz: Es kommt nicht darauf an, was man glaubt, Hauptsache jeder hat einen Glauben. Hört sich gut an! Aber bitte, wie würden Sie reagieren, wenn ich sage: Es kommt nicht darauf an, was ich fürs Mittagessen in die Pfanne lege, Hauptsache es ist irgend etwas drin? Würden Sie mit Appetit essen?

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Vorbild in der Anbetung

Meine Eltern leiteten eine Gebetsgruppe, die sich zweiwöchentlich jeweils am Mittwoch bei uns versammelte. Für uns Kinder war diese Gruppe von einem geheimnisvollen Schleier umwoben.

An meinem 16. Geburtstag lud mich mein Vater in jenen Gebetskreis ein. Es war eine Geste, die enorme Wertschätzung ausdrückte. Dafür bin ich Vater heute noch dankbar. Ich durfte dazugehören. Ich wurde von diesen bewährten Christen ernst genommen und konnte von ihnen lernen.

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