Gnade genügt

„…denn meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen.“ 2Kor 12,9

Wer im Dienst des Reiches Gottes an der Front arbeitet, kennt es: Entmutigung. Die eigene Arbeit, die geistliche Qualität, die praktischen Fähigkeiten, die erreichten Resultate werden hinterfragt. Die Differenzen zu den gehegten Erwartungen und den gesteckten Zielen erscheinen riesig. Die Sinnfrage steht unausweichlich im Raum und verlangt nach Antworten. Und logischerweise drückt dies alles aufs Gemüt.

Zeiten der Entmutigung sind typisch für Menschen, die im Reich Gottes an der Front stehen. Und das Sich-selbst-hinterfragen darf nicht nur negativ betrachtet werden. Es kann sich durchaus positiv und konstruktiv auf das eigene Leben, wie auch auf die Qualität des Dienstes auswirken. Allerdings darf dieser Prozess nicht dazu führen, dass wir Gott in seiner Person, in seiner Liebesbeziehung zu uns, in seiner Gerechtigkeit, oder auch in seinem für uns oft unbegreiflichen Handeln hinterfragen. Er ist souverän.

Wir brauchen uns also kein schlechtes Gewissen zu machen, wenn uns Entmutigung überfällt. Sobald wir nämlich die Schuldfrage mit ins Spiel bringen, stürzen wir zwangsläufig noch tiefer in die Resignation. Entscheidend ist, dass wir mit der Entmutigung richtig umgehen. Wenn wir innerlich am Boden liegen, sollten wir uns nicht zuerst mit der Frage auseinandersetzen: „Warum kam es zu dieser Niedergeschlagenheit, was habe ich falsch gemacht?“ Natürlich gibt es im eigenen Verhalten Mechanismen, welche zur Entmutigung beitragen. Aber das Forschen nach den Ursachen, jenes „Sich-selbst-setzieren“, richtet uns nicht auf. Viel wichtiger ist die Frage: Woher kommt die Entmutigung? Diese Frage führt uns zur Quelle!

Ja, Entmutigung stammt letztlich aus einer Quelle.
Saturnin Wasserzug, der Mitbegründer der Bibelschule Beatenberg, hatte dies treffend in dem Satz formuliert, welchen er immer wieder zitierte:
„Alle Entmutigung kommt vom Teufel, Gott entmutigt nie.“
Richtig, Gott entmutigt nie. Im Gegenteil, Gott ermutigt uns. Versuchen Sie mal zu zählen, wie oft der Satz in der Bibel steht: „Fürchte dich nicht!“ Mit diesem tröstenden Zuspruch begegnet unser HERR seinen ermüdeten, ausgelaugten, enttäuschten und entmutigten Dienern. Hab keine Angst!

Kürzlich versuchte ich dies in einem Seelsorgegespräch zu illustrieren. Ich wollte veranschaulichen, dass wir uns durchaus nicht schämen sollten, wenn wir uns schwach und hilflos vorkommen. Dazu habe ich ein Streichholz auf seiner ganzen Länge an einen dicken Nagel festgebunden (siehe obiges Bild!). Das Streichholz ist so schwach, dass es zwischen drei Fingern zerbrochen werden kann. Wenn es jedoch in seiner ganzen Länge an den Nagel festgebunden wird, kann es jeder Belastung standhalten. Es ist nicht so, dass es jetzt in sich selbst stark wäre, sondern es hält stand, weil der Nagel stark ist. So dürfen wir uns selber als begrenzte, fehlerbehaftete, schwache Menschen akzeptieren im Wissen, dass der siegreiche Herr, mit dem wir fest verbunden sind, jeder Belastungsprobe gewachsen ist.

Der grosse Apostel Paulus hat dies sehr eindrücklich am eigenen Leib erfahren. In 2Korinther 12 berichtet er von einem schweren Leiden, das ihm auferlegt wurde. Er hatte drei Mal den HERRN angefleht, dass ihm dieses Leiden abgenommen würde. Aber Gott antwortete ihm in Vers 9:

„Doch der Herr hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.« Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in meinem Leben sichtbar wird“.

Damit ist alles gesagt.

 

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