
Was empfinden wir, wenn wir für einen Liebesdienst keinen Dank erhalten? – oder wenn der kleine Neffe das sorgfältig ausgewählte Weihnachtsgeschenk an sich nimmt, die Geberin oder den Geber jedoch keines Blickes würdigt und auch kein „Merci“ über die Lippen bringt?
Dürfen wir Dank erwarten? Dürfen wir dies unter Umständen sogar signalisieren? – oder strafen wir uns dabei selbst? Und müssen wir für eine empfangene Gabe in jedem Fall danke sagen? In all diesen Fragen schwingen tiefe und unterschiedlichste Gefühle mit. Vermutlich gibt es in unserer Kultur nur wenige andere Wörter, die ebenso stark mit Gefühlen besetzt sind. Warum ist das so?

mich noch während einiger Zeit beschäftigte. Es ging um das Gleichnis von der bittenden Witwe und dem ungerechten Richter in Lukas 18,1-8. Das Gleichnis ist eine Ermunterung zum beharrlichen Beten. Ich freute mich sehr über die sorgfältige Auslegung des Textes und den klaren Hinweis, dass beharrliches Gebet nicht dazu dienen kann, den Willen Gottes zu manipulieren. Die Ausführungen mündeten in den Gedanken, dass das Gebet vor allem auch eine Rückwirkung auf den Betenden habe, wie dies im „Unser-Vater“ Gebet deutlich zum Ausdruck komme: „…vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben …“