Karfreitags-Gottesdienst

Heute, am Karfreitag 2025, durfte ich den Gottesdienst halten im Alters- und Pflegeheim Beatenberg-Habkern. Das Thema lautete:
„Karfreitag – eine Liebesgeschichte.“
Bei Menschen auf der letzten Wegstrecke des Lebens muss die Sprache der Predigt sehr einfach gewählt werden. Aber gerade dies passt zum gewählten Thema und lässt den gewichtigen Inhalt umso eindrücklicher erscheinen.

Predigt:
Heute feiern wir Karfreitag. Die meisten Menschen wissen mit diesem Tag nicht viel oder gar nichts anzufangen. „Kar“ heisst schwarz. Karfreitag bedeutet also schwarzer Freitag. Was gibt es an einem schwarzen Tag schon zu feiern?

In Wirklichkeit ist es jammerschade, dass der wahre Inhalt von Karfreitag so vielen Menschen verborgen bleibt. Denn Karfreitag ist der Höhepunkt einer Liebesgeschichte.
Diese Geschichte hat schon mit den ersten Menschen auf dieser Erde begonnen. Gott schuf Himmel und Erde, das Meer und das Festland. Er schuf die Pflanzen und die Tiere, die Fische und die Vögel, wie auch die unzählbare Vielfalt der Krabbeltierchen. Und als Krönung seiner Schöpfung erschuf Gott den Menschen. Ein wahres Meisterwerk.

Meistens denkt man gar nicht soweit, dass unser Körper und unsere Ganzheit ein einzigartiges Wunderwerk ist. Wir meinen, es wäre ganz selbstverständlich, dass unser Body funktioniert. Aber wenn wir im hohen Alter immer mehr vergesslich werden, erst dann wird uns bewusst, dass wir mit einem wunderbaren Verstand ausgerüstet waren. Unser Gehirn hat uns über viele Jahrzehnte treu begleitet und gedient. Denken wir ein wenig darüber nach! Dann wird uns bewusst: Unser Leben ist ein Liebesgeschenk von Gott.
Ja, wir sind wunderbar geschaffen.

Aber das ist nicht alles. Es gibt noch etwas Grösseres. Gott hat den Menschen nach seinem Bild geschaffen. Er hat uns zu einer Persönlichkeit gemacht, genau so, wie Er eine Persönlichkeit ist. Gott wollte ein Gegenüber haben. Er wollte einen Menschen haben, mit dem Er in Beziehung treten konnte. Er wollte Menschen haben, damit Er ihnen seine ganze Liebe schenken kann. Menschen, die Ihn dann auch von ganzem Herzen lieben. Menschen, die so zu Ihm gehören, wie eine Braut zum Bräutigam gehört. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage: Gott ist in seine Menschen verliebt.

Wie war es denn bei uns, als wir in jungen Jahren bis über die Ohren verliebt waren? In diesem Zustand war kein Weg zu weit und kein Opfer zu gross. Für die Auserwählte, oder für den Auserwählten war man bereit, alles zu tun und alles zu geben. Und genau so ist es auch bei Gott. Er hat alles für uns gegeben. So steht es wörtlich in der Bibel:
Johannes 3,16: „Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass Er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“

Genau das ist Karfreitag – eine Liebesgeschichte. Aber wie ist es soweit gekommen? Die Geschichte hat schon im Paradies begonnen. Die geliebten Menschen, Adam und Eva, haben auf die Schlange gehört. Sie liessen sich verführen. Sie haben sich von dem liebenden Gott abgewandt und sich einem Konkurrenten zugewandt. Die Liebesbeziehung ist in Brüche gegangen und es gab kein Zurück mehr.

Warum gab es kein Zurück mehr? Mit dem Ausbrechen aus der Beziehung mit Gott haben sich die Menschen schuldig gemacht. Und die Strafe für diese Schuld ist der ewige Tod. Das betrifft auch alle Nachkommen von Adam und Eva. Alle stehen bei Gott in Schuld. Und weil Gott gerecht und wahrhaftig ist, muss Er die angedrohte Strafe auch ausführen. Wenn Er über unserer Schuld einfach die Augen zudrücken würde, wäre Er selbst unglaubwürdig.

Das ist ein echtes Dilemma. Gott liebt seine Menschen, und Er will ihnen Gutes tun. Aber wegen seiner Gerechtigkeit und Wahrheit muss Er sie verdammen. Und wenn die Strafe ausgeführt wird, hat Gott seine Menschen für alle Ewigkeit verloren. Das ist extrem schmerzlich. Unsere Verlorenheit schmerzt nicht nur uns Menschen, sondern in aller erster Linie schmerzt es Gott selbst. Er leidet am allermeisten unter der zerbrochenen Beziehung. Und Er war bereit, alles zu unternehmen, damit die Beziehung wieder hergestellt werden kann. Wie soll Er das machen? Der Schaden ist ja ein ewiger Schaden. Gott hat seine geliebten Menschen für ewig verloren. Wie ist da Rettung noch möglich?

Im Sprichwort heisst es doch so schön: Liebe macht erfinderisch. Gott findet einen Ausweg. Wenn jemand zahlungsunfähig ist, kann ein anderer für ihn einspringen und an seiner Stelle bezahlen. Genau so hat es Gott gemacht. Er stellte sich an unsere Stelle und bezahlte für uns den ganzen Schuldbetrag. Er hat die Strafe in ihrer ganzen Härte ausgeführt, aber nicht an uns, nicht an den Schuldigen.

Er rechnete unser Schuldkonto seinem vollkommen gerechten Sohn zu. Dann strafte Er Seinen Sohn wie einen Schwerverbrecher. Sein Sohn, Jesus Christus, musste für uns den Tod erleiden.

Gott ging in seiner Liebe bis zum Äussersten. Er opferte sein Bestes, seinen eigenen Sohn. Eine grössere Liebe kann man sich nicht vorstellen. Auf diese Weise wurde der Karfreitag zum Höhepunkt der göttlichen Liebesgeschichte. Ich erinnere an jenen Vers, den wir schon gehört haben in Johannes 3,16:
„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass Er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“
Ja, Gott wollte die Menschen retten. Und Seine Liebe hat am Kreuz den einzigen Weg zur Rettung gefunden. Das ist Karfreitag.

Diese Liebe Gottes ist ein Geschenk an uns, ein riesiges Geschenk. Wir können es nicht verdienen, wir können es nur dankend annehmen.

Wichtig ist: Gott liebt nicht ins Leere. Seine Liebe wartet auf eine Antwort. So ist es doch auch bei uns Menschen. Ein Liebesverhältnis kommt erst zustande, wenn von beiden Seiten ein „Ja“ kommt. Gott hat am Kreuz „Ja“ gesagt zu uns. Nun wartet Er darauf, dass wir Seine Liebe erwidern und „Ja“ sagen zu Ihm, dass wir Ihn mehr als alles andere lieben.

Wenn zwei Menschen den Bund fürs Leben schliessen wollen, wird oft der Satz zitiert: „Für immer und ewig.“ Allerdings sind Menschen nicht besonders zuverlässig. Darum kommt es leider öfter vor, dass das „immer und ewig“ ein unschönes Ende nimmt. Aber bei Jesus gibt es keine Unzuverlässigkeit. Was am Kreuz geschah, gilt wirklich für immer und ewig. Er nimmt Sein „Ja“ nicht zurück. Das gibt unserem Leben festen Stand. Wer sich auf Jesus einlässt, wer sich auf das verlässt, was Jesus am Karfreitag vollbracht hat, der hat sich einer Liebe anvertraut, die ewigen Bestand hat. So sagt es der Apostel Paulus im Römerbrief:
Römer 8,31-39:

„Was bleibt zu alldem noch zu sagen? Gott selbst ist für uns, wer will sich dann gegen uns stellen?
Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat Ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn Er uns aber den Sohn geschenkt hat, wird Er uns dann noch irgendetwas vorenthalten?
Wer kann die Menschen anklagen, die Gott erwählt hat? Gott selbst spricht sie frei.
Wer kann sie verurteilen? Christus ist für sie gestorben, ja noch mehr: Er ist vom Tod erweckt worden. Er hat seinen Platz an Gottes rechter Seite. Dort tritt Er für uns ein.
Kann uns noch irgendetwas von Christus und seiner Liebe trennen? Etwa Leiden, Angst und Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahren für Leib und Leben oder gar die Hinrichtung?
Es ergeht uns wirklich so, wie es in den Heiligen Schriften steht: »Weil wir zu dir, Herr, gehören, sind wir ständig in Todesgefahr. Wir werden angesehen wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.«
Aber mitten in alldem triumphieren wir als Sieger mithilfe dessen, der uns so sehr geliebt hat.
Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von seiner Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Himmel noch Hölle. Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“

Amen!

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