
Das Jahr begann für mich mit dem Abschied von meiner lieben Ehefrau. Schon bald darauf kam COVID-19. Es wurde auch in der Schweiz zum alles beherrschenden Thema. Seit nunmehr 2 Monaten ist Social Distancing die täglich Übung. Ein paar Tage nimmt man das problemlos in Kauf. Auch ein paar Wochen, wenn es sein muss. Doch mit der Zeit beginnt es anzuhängen.
Mein Zuhause ist zwar wohnlich und schön, und ich habe alles, was ich brauche. Es geht mir rundum gut – und doch fehlt etwas – die soziale Nähe. Der Mensch ist von Grund auf ein soziales Wesen, deshalb empfinden wir Social Distancing als eine artfremde Verhaltensweise. Ob wir es wahr haben wollen, oder nicht, in der Isolierung leidet die Seele.
Das prachtvolle Wetter lockte heute (19. Mai 2020) zu einem Spaziergang im Kurzarmhemd. In den vergangenen Tagen und Wochen waren die Spazierwege fast menschenleer. Die Touristen fehlten. Heute war dies anders. Schon unterhalb der ersten bestossenen Weide standen drei Frauen mittleren Alters. Konsterniert und wie angewurzelt schauten sie in Richtung Weide. Ich ging an ihnen vorbei, grüsste, und schickte mich an, den Elektrozaun zu öffnen. Da fragte mich die eine, welche sich in Deutsch verständigen konnte: «Haben Sie keine Angst?» «Nein, warum auch?» entgegnete ich.
Darauf die Dame mit verhaltener Stimme: «Sagen Sie mir, ist das kein Stier?» Zwei Meter vor mir stand mitten im Weg eine echte Schönheit von einem Simmentaler Rind und beäugte uns neugierig. Jetzt wurde mir klar, weshalb die drei Frauen so verängstigt waren. «Nein, das ist kein Stier» beschwichtigte ich sie. Und dann erklärte ich ihnen, dass es sich um ein junges Rind handle, das zum ersten Mal trächtig sei und deshalb noch kein für sie sichtbares Euter habe.
Während ich noch einige Worte über den wieder geschlossenen Zaun wechselte, kam das Rindschi näher zu mir und begann ausgiebig meinen Arm zu lecken. Wie das der Seele gut tat! Dieses Tierlein – vielleicht extra von Gott beauftragt – kennt kein Social Distancing. Es verhält sich artgerecht und hat mir auf seine Weise Zuneigung bewiesen, Nähe geschenkt.
Für den Rest des Spaziergangs war ich mit frohen Gedanken erfüllt. Noch immer hatte ich das Gefühl, die sehr raue Rinderzunge an meinem Arm zu spüren. Naja, auf dem Heimweg war der Chuegöifer bereits eingetrocknet. Mein Arm war mit einer Art Leimschicht überzogen. Und der Duft? Natur pur! Was tuts? Die Seele ist wieder im Lot!

Lieber Heini,
ein praktisches Liebeszeichen unseres Herrn, und das in Form eines Rindes! Gottes Phantasie ist grenzenlos, genauso wie seine Liebe!
Mir wurde heute Psalm 55,23 so gross: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn. Er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.“
Schlaf ganz gut (und vielleicht mit einem Schmunzeln auf den Lippen wegen dieser Zuneigung dieses Vierbeiners) sagt Tina
Vielen Dank lieber Heinrich und Dir immer wieder solche eindrücklichen Erlebnisse und besonders JESU Nähe in diesen Zeiten. Mir wurde Ps 16,5 in letzter Zeit gross: Du, Herr, bist alles, was ich habe; du gibst mir alles, was ich brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft.
Im Gebet verbunden
Alfred mit Grüßen von Marion
Danke Heini, ja die soziale Distanz ist oft nicht einfach zu ertragen. Es ist aber auch eine ganz besondere Segenszeit. Dinge, welchen wir in normalen Zeiten oft keine oder nur wenig Bedeutung schenken, werden plötzlich wichtig. Ich wünsche dir weiterhin viel schöne Erlebnisse und die spürbare Nähe unseres Herrn und Heilandes, Jesus Christus.
Mit lieben Grüssen aus Angola im Ausnahmezustand
Elisabeth Gafner
Ja, wenn wir unsere Tiere und die Narur nicht hätten, dann würde etwas Wunderbares fehlen.
Gerade in solchen Zeiten merkt man wieder, was uns unser Schöpfer da für ein erstaunliches Geschenk gemacht hat.
Danke für das Teilen, lieber Heini. Ja es ist so, Gott hat den Menschen als soziales Wesen geschaffen, und ebenso die Tiere. So habe ich sie vor allem in Afrika erlebt; der Hund, der mir entgegen sprang wenn ich vom Dienst heimkam, oder sich vor meine Tür legte, wenn ich allein auf der Station war. Die Katze, die sich schnurrend an meinen Fersen rieb, wenn ich kniend vor Gott war.
In der Schweiz komme ich selten mit Tieren in Berührung, aber ich spreche auf den Spaziergängen mit einem Lob Kinder an, oder versuche Erwachsene auf etwas erbauendes aufmerksam zu machen.
Gestern sass eine Dame mit grosser Kamera am Weiher. Ich fragte sie, ob sie ein Video drehe.“ Nein ich fotografiere“, und schon erzählte sie lebhaft von vielem, was sie soeben beobachtet hat. Sie begleitete mich ein paar Schritte, um mir den Baum zu zeigen, wo der junge Buntspecht aus dem Nest guckte, auf die Rückkehr der Mutter mit Nahrung wartete.
Heute im Mittagslob hat mir Ps 92, 5-6 aus dem Herzen gesprochen.
Kürzlich rief mich mein ehemaliger Pflegesohn über fb aus Kamerun an. Er zeigte mir den Markt, wo er am Gemüse kaufen war; und bat mich, ihn in 15. Minuten auf Skype zu erwarten. Das war eine wunderbare Stunde; meine ehemalige Hebamme, die ihn in seine Familie aufnahm als ich in die Schweiz zurück kehrte zu sehen, mit ihr zu teilen, miteinander zu beten, zu sehen wo Gott ihnen als Flüchtlinge eine neue Heimat geschenkt hat. Ja, die Seele hat den Ausflug nach Kamerun als dankbare Erquickung erlebt.
Wünsche Dir lieber Heini ganz viele soziale Erquickungen, auch in den Erinnerungen an die vielen schönen Erlebnisse mit Rosmarie.
Liebe Grüsse
Sr. Sonja
Schöne Geschichte – vielen Dank, lieber Heini.
Wünsche dir noch viele gute Begegnungen in dieser Zeit –
nicht „nur“ mit Vierbeinern!
LG, Armin
Lieber Heini, danke für das Teilen dieses Erlebnisses, es war schön gestern dich zu treffen und auf der Treppe zum Friedhof auszutauschen. Für mich ist es immer wieder bereichernd zu sehen, wie du mit offenen Augen, Ohren und Herz durch die Gegend gehst und mit der Zuversicht Gottes ohne Angst dich den heutigen Herausforderungen stellst, sei gesegnet. LG Jonas
Lieber Heini
Danke für diesen Blog und die Möglichkeit der „virtuellen Gemeinschaft“ trotz Versammlungsverbot und anderen Corona-Vorschriften.
Dass du deinen Humor in der momentanen, etwas surrealen Situation nicht verloren hast, konnte man kürzlich im Postauto (mit fast zwei Metern Abstand und blauem Mundschutz) gut sehen bzw. hören. Du hast Susi und mich (ebenfalls „Maskierte“) mit deiner Beobachtungsgabe und deinem Sinn für Situationskomik einfach zum Schmunzeln gebracht, sodass die Fahrt zwischen Interlaken und Beatenberg zum recht fröhlichen Ereignis wurde. Vielen Dank!
Schön, dass du ein lebendiges Zeugnis für die Liebe unseres HErrn bist!
Ich wünsche dir noch viele schöne Begegnungen mit Menschen und Kühen:-)
Liebe Grüsse
Claudia