9.01.2018
Bei der Morgenandacht lese ich den Bibeltext fortlaufend. Das empfehle ich durchaus zur Nachahmung. Aber es gibt ein Problem: Man kommt unweigerlich auch zu Abschnitten, die sich offensichtlich nicht besonders dazu eignen – und die deshalb in manchen Bibelleseplänen ausgelassen werden.
Heute kam ich zu Hesekiel Kapitel 40. Den Inhalt kenne ich seit langem. Es ist die Baubeschreibung des neuen Tempels. Jede Menge Massangaben, Zahlen – und das bis ins kleinste Detail. Was bringts? Ich wollte schon umblättern, da hatte ich den Eindruck, mein Herr steht neben mir und fragt mich: „So, du interessierst dich also nicht für das, was mein Herzensanliegen ist?“ Da musste ich mich schämen.
Und plötzlich sah ich den Zusammenhang: In Offb 21,3 hört der Seher Johannes eine mächtige Stimme vom Thron Gottes her rufen: „Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein – ein Volk aus vielen Völkern, und Er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein.“ In diesem Zitat wird nach allem Auf und Ab der Geschichte endlich Gottes grosses Ziel erreicht.
Schon im AT traf Gott die Vorbereitungen auf dieses Ziel hin. Zuerst wurde in der Wüste das heilige Zelt gebaut, die „Stiftshütte“ – ein Ort zur Begegnung zwischen Gott und Menschen. Später wurde das Zelt durch den herrlichen Tempel Salomos abgelöst. Nach der Zerstörung jenes Tempels wurde unter Serubbabel der zweite Tempel gebaut. Er war bescheidener. Und nun kam der grosse Augenblick, als Jesus, der Sohn Gottes, seine Wohnung im Himmel verliess. Er kam zur Erde und „wohnte unter uns als ein Mensch wie wir.“ Er betrat jenen zweiten Tempel, lehrte dort und rief (Joh 7,37‑38): „Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken! Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der Schrift heisst, Ströme von lebendigem Wasser fliessen.“
Leider glaubte das auserwählte Volk seinen Worten nicht. Damit verlor jener Tempel seine Bedeutung und seine Existenzberechtigung. Jetzt sprach Jesus von seinem Leib als Tempel Gottes – und damit sind wir bei der eigentlichen Wirklichkeit. Der Tempel ist der Ort, wo Gott und Mensch sich treffen und wo der Mensch das von Gott empfangene Leben Ihm hingibt. Das alles ist in vollkommener Weise in Jesus erfüllt. Er ist Gott und gleichzeitig auch vollkommen Mensch. Er hat seinen Leib von Gott empfangen und gab ihn am Kreuz Gott als Opfer hin, um die Welt mit Gott zu versöhnen.
Nach seiner Auferweckung kehrte Jesus zu seinem Vater in den Himmel zurück. Dort ist nun das wahre Heiligtum. Aber auch auf dieser Erde baut Gott ein Abbild jenes Tempels. Es ist die Gemeinde Jesu Christi, bestehend aus allen Menschen, die an Jesus Christus als ihren persönlichen Retter und Herrn glauben. Es ist ein Tempel, der viele Geheimnisse birgt und den wir jetzt noch nicht so sehen können, wie er einmal sein wird (Eph 5,25b‑27).
Auch wenn hie und da so manch herrliches Detail aus diesem geistlichen Tempel hervorleuchtet, so ist uns doch klar: Das Ziel ist noch nicht erreicht. Die grosse Masse dieser Welt verharrt noch im Unglauben. Wir haben den Eindruck, dass die Dunkelheit sogar zunimmt, je heller auf der anderen Seite das Licht scheint.
Da sitze ich – über meinen Text von Hes 40 gebeugt – und lese von Massangaben und Zahlen und vielen, vielen Details. Und mir wird klar: Viele Details kann ich nicht einordnen und nicht verstehen. Aber eines ist klar: Jedes Detail ist wichtig, damit das Ziel erreicht wird, die Vollendung der Wohnung Gottes bei den Menschen. Für mich tröstlich: Der Chef hat den Bauplan, Er versteht ihn und Er baut jedes Teil termingerecht und passgenau in das Ganze ein. Und nun weiht Er mich in diesem Kapitel ein in das grosse Werk, an welchem Er arbeitet. Was für eine Wertschätzung gegenüber mir kleinem Menschlein! Wieviel liebevolle Zuwendung! Und wie wichtig, dass ich mich mit ganzer Aufmerksamkeit für sein Werk interessiere. So wird meine Morgenandacht zum effektiven Gemeinschaftserlebnis mit meinem Gott und Herrn.

Lieber Heini
Du feierst diese Tage deinen 80. Geburtstag. Herzliche Gratulation! Wieder ein Jahr näher im wahren Heiligtum, wie du es oben im Zusammenhang mit Hes 40 beschreibst. Ich freue mich über dich und die Art, wie du die Herausforderungen deines Alltags annimmst. Besonders hat es mich heute Morgen beeindruckt, wie du mit Gott lebst. Ich erinnere mich noch an deinen Unterricht im Fach „Hesekiel“. Da ging es noch um einen etwas rätselhaften 3. Tempel in Jerusalem, der von Menschen gebaut werden würde. Was du in deinem Blog schreibst, ist dagegen ein Tempel, von Gott geschaffen, in dem wir in Ewigkeit mit unserem Vater vereint sein werden. Darauf hoffen und warten wir. Gott helfe dir, ein Licht zu bleiben zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus!