
Kontakte pflegen im vorgerückten Alter – das ist köstlich wie ein feines Dessert, besonders wenn es sich um Freunde aus längst vergangenen Zeiten handelt.
Gestern rief ich also einen lieben Freund an, der über Jahrzehnte den Kontakt zu unserer Familie aufrecht hielt. Das Austauschen, das Plaudern unter Freunden war so erquickend, obwohl mein Gegenüber immer wieder Worte suchen musste. Es war nicht zu verkennen, dass auch bei ihm das Alter Spuren hinterlassen hat.
Zum Abschied wünschte ich ihm eine reich gesegnete Weihnachtszeit. Kurze Pause. Dann kam es recht unbeholfen von der anderen Seite: „Ich wünsche dir gutes Wachstum im Glauben!“ Für einen kurzen Moment hielt ich den Atem an. Groteske Situation. Vor vielen, vielen Jahren war er im Bibelseminar. Und ich hatte ihn im Wort Gottes unterrichtet. Nun wünscht er seinem einstigen Lehrer gutes Wachstum im Glauben.
In meinem Umfeld hatte ich genügend Erfahrungen sammeln können, um mit Vorgängen vertraut zu sein, wie sie beim altersbedingten Abbau der mentalen Fähigkeiten sichtbar werden. Anerzogene Filter in Bezug auf das, was sich gehört, oder was sich eben nicht gehört, fallen mehr und mehr weg. Was die betreffende Person sagt, das meint sie auch eins zu eins. Darum ist jede Aussage urecht, auch wenn sich das Gesagte komisch anhört.
Es wurde mir also sofort klar: Hier redet Gott zu mir. Einst hatte ich den HERRN sehr ernstlich darum gebeten, mich bis zum letzten Atemzug immer wieder, wo es nötig ist, zu korrigieren. Et voilà! Es handelt sich um Seine Korrektur. Wenn Er redet, kommt Er normalerweise nicht mit gewaltiger Donnerstimme. Mit Vorliebe benützt Er schwache Menschen, die sich dessen nicht bewusst sind, was ihre Worte bedeuten, resp. auslösen.
Nun war ich also herausgefordert, in stillen Nachtstunden darüber nachzudenken, was Wachstum im Glauben bedeutet. Es ist klar, ich stehe im Glauben und liebe meinen HERRN Jesus Christus. Aber im Glauben darf es kein Ausruhen auf Lorbeeren geben, denn Stillstand ist Rückschritt. Ein vertieftes Verständnis für die Bibel ist zwar sehr hilfreich, aber Glaube ist nochmal was anderes. Worum geht es denn?
In Epheser Kapitel 1 bringt der Apostel Paulus drei zentrale Bitten für die Briefempfänger vor Gott:
- dass Gott ihnen den Geist der Weisheit und der Offenbarung gibt, um Ihn selbst zu erkennen. (17)
- dass sie die grossartige Hoffnung und das herrliche Erbe erkennen. (18)
- dass sie die überwältigend grosse Kraft erkennen, mit welcher Gott unter den Gläubigen wirkt. (19)
Das sind alles wunderbare Aussagen und Gebetsinhalte. Wir können sie zu unserem persönlichen Bibelwissen addieren und im Gedächtnis abspeichern, aber es verändert sich nichts. Erst wenn diese Aussagen mit Glauben verbunden werden, kommt Dynamik ins Leben:
- Wenn ich Ihn selbst erkenne – und dies mit Glauben verbinde, wird mir bewusst, wer dieser HERR ist. Dann gehe ich in jeder Hinsicht mit dem Allerhöchsten so um, wie es sich für den König aller Könige ziemt.
- Wenn ich die uns geschenkte Hoffnung und das herrliche Erbe erkenne – und dies mit Glauben verbinde, bekommt jedes Detail in meinem Leben eine Ausrichtung auf das Ziel hin.
- Wenn ich die überwältigend grosse Kraft Gottes erkenne – und dies mit Glauben verbinde, werde ich in meinen alltäglichen Überforderungen nicht mehr mit meiner eigenen kleinen Kraft rechnen, sondern mit Gottes unbegrenzter Kraft. Und nur auf diese Weise wird Gott geehrt, wenn ich das, was Er zu tun imstande ist, auch wirklich von Ihm erwarte.
Das ist also mein Weihnachtswunsch: „Herr lass all mein Wissen aus Deinem Wort fruchtbar werden durch ein rückhaltloses und kindlich erwartendes Vertrauen in Dich!“

Lieber Heini, mit einem spontanen Lächeln lese ich Deine Zeilen, als eh. Schüler von Dir. Danke für Deine befreienden Worte.