
Gestern, am 2. Januar, war noch Feiertag, aber das Tourist-Center in der Dorfmitte hatte für ein kurzes Zeitfenster geöffnet. Das war die Gelegenheit, um einen Brief abzusenden, welcher dringend weggehen sollte. Über den Jahreswechsel wurden die Posttaxen erhöht, so benötigte ich zusätzliche Briefmarken und musste das Tourist-Center aufsuchen.
Die Sache war schnell erledigt. Aber zuhause angekommen, realisierte ich mein Versäumnis: Ich hatte den Brief nicht eingeworfen. Ärger! – wegen altersbedingten Defiziten. Was soll ich tun? Der Brief muss weg. Soll ich nochmals mit dem Bus ins Dorf fahren? Hat die Sache vielleicht einen besonderen Sinn? Es gibt ja keine Zufälle.
Ich erinnere mich, dass der Zeiger meiner Armbanduhr schon seit manchen Tagen still steht. Die Batterie muss ausgetauscht werden. Gut, das lässt sich mit dem Brief einwerfen und mit einem Einkauf in der Migros verbinden. Nur das Haar in der Suppe: Ich benötige zum zweiten Mal eine Fahrkarte für den Bus. Wie das wurmt …
Bei „m-electronics“ wird die Uhr entgegengenommen. Ich solle in der Zwischenzeit meinen Einkauf in der Migros erledigen. Nach dem Einkauf zurück, fällt mir die gedämpfte Stimmung auf. Gleich erfahre ich den Grund. Beim Öffnen der Uhr sei der Deckel verloren gegangen und lasse sich nicht mehr auffinden. Ob ich zufrieden sei, wenn sie mir eine neue Uhr anböten, zwar nicht das gleiche Modell, aber ähnlich und vom gleichen Hersteller.
Und ob! Mehr als zufrieden.
Die Gedanken gehen zurück. Stets aufs Sparen getrimmt, war ich verstimmt, weil ich eine zweite Busfahrkarte benötigte. So kleinlich. Und nun habe ich keine Ausgaben für eine neue Batterie, keine Kosten für das Einsetzen – und erhalte eine neue Uhr. – Und muss nichts bezahlen. Da bleibt der Mund offen. Wie grosszügig ist mein HERR!
Und der nächste Gedanke: Dieser grosszügige HERR möchte seine eigene Grosszügigkeit auf seine Kinder übertragen. Er will sie zu meiner Charaktereigenschaft werden lassen.
