Mein Vater hatte vier Söhne, die alle den Kopf voll Ideen hatten und – wie könnte es anders sein – diese jeweils gleich umsetzen wollten. Manche Ideen waren aber nicht so gut, hie und da sogar gefährlich. So war mein Vater gefordert, dieses Potential in gute Bahnen zu lenken.
Meine Eltern leiteten eine Gebetsgruppe, die sich zweiwöchentlich jeweils am Mittwoch bei uns versammelte. Für uns Kinder war diese Gruppe von einem geheimnisvollen Schleier umwoben.
An meinem 16. Geburtstag lud mich mein Vater in jenen Gebetskreis ein. Es war eine Geste, die enorme Wertschätzung ausdrückte. Dafür bin ich Vater heute noch dankbar. Ich durfte dazugehören. Ich wurde von diesen bewährten Christen ernst genommen und konnte von ihnen lernen.
In einer dunklen Zeit mit vielen einschränkenden Massnahmen feiern wir Weihnachten. Dieses musikalische Programm – die Aufnahmen habe ich als Weihnachtsgruss für meinen Schwager im Altersheim gemacht – soll Licht in die dunkle Zeit leuchten lassen.
Es grenzt zwar fast an Zumutung, wenn ich in einer Zeit des überbordenden professionellen Musikangebots noch meine bescheidenen Aufnahmen präsentiere. Das Positive jedoch „it’s homemade, personal and from the heart.“
Singen tut gut. Und das gemeinsame Singen stärkt das Bewusstsein, dass wir zusammengehören. Ich lade Sie deshalb ein, bei den Liedern, die Ihnen bekannt sind, mit einzustimmen. So feiern wir gemeinsam Weihnachten. Sie gehören dazu!
Es war in den ersten 1980-er Jahren. Meine liebe Ehefrau legte grossen Wert darauf, dass unser Zuhause einen gediegenen, schmucken Eindruck erweckt. Schliesslich sind wir Kinder des allergrössten Königs. Das soll man auch von aussen her wahrnehmen können. So legte sie vor dem Hauseingang eine Blumenrabatte an und bepflanzte sie mit Tagetes in froh leuchtenden Farben.
Das Bild entstand 2012, aber es drückt die heutige Situation exakt aus.
Das Jahr begann für mich mit dem Abschied von meiner lieben Ehefrau. Schon bald darauf kam COVID-19. Es wurde auch in der Schweiz zum alles beherrschenden Thema. Seit nunmehr 2 Monaten ist Social Distancing die täglich Übung. Ein paar Tage nimmt man das problemlos in Kauf. Auch ein paar Wochen, wenn es sein muss. Doch mit der Zeit beginnt es anzuhängen.
Wenn ein Mensch nicht mehr da ist, leben die Erinnerungen auf. In diesem Sinn beschäftigen mich im Moment zwei Verse aus dem 1. Petrusbrief. Rosmarie hat sie in manchen Situationen nicht nur zitiert, sondern auch ganz praktisch danach gehandelt. Sie war jedoch fest davon überzeugt, dass fast alle deutschen Übersetzungen das richtige Verständnis dieser beiden Verse verhindern. Und wenn das Verstehen auf der Strecke bleibt, fehlt dem Wort logischerweise die Durchschlagskraft. Worum handelt es sich?
Seit dem Hinschied meiner lieben Gattin erlebe ich berührend viel
Teilnahme. Fast regelmässig wird mir dabei auch die Frage gestellt:
«Wie geht es dir?» Meist stelle ich im Tonfall dieser Frage eine
ehrliche, warmherzige Anteilnahme fest.
Auf meine Antwort «Gut» reagieren die Fragesteller jedoch auf
drei verschiedene Weisen: Die einen freuen sich von Herzen, dass es
mir trotz des Verlusts gut geht. Andere nehmen die Antwort zur
Kenntnis und sind zufrieden. Schliesslich gibt es die dritte Gruppe.
Und hier verraten die fragenden Gesichtszüge, dass meinen Worten
wohl nicht ganz zu trauen ist – so etwa als würde ich aus lauter
Höflichkeit ‹gut› sagen. Vielleicht schwingt im Hinterkopf auch
der Gedanke mit: «Wenn er ehrlich antworten würde, könnte er nicht
‹gut› sagen. Vielleicht verdrängt er die Trauer und wird später
von ihr eingeholt.»
Am 10. Januar 2020 haben wir in der Reformierten Kirche Beatenberg von Rosmarie Kuhn Abschied genommen. Von der eindrücklichen und würdigen Feier wurde eine Audio-Aufnahme gemacht, welche hier gehört werden kann.
Rosmarie Kuhn-Widmer 7. Januar 1942 bis 1. Januar 2020
Ziel
erreicht
Am 27.12.2019 erhielt ich einen Anruf aus dem „Haus Fuhrenmatte“, Boltigen. Meine Ehefrau sei am Sterben, erklärte mir die Leiterin. Sie habe ein gutes Klappbett organisiert, so dass ich die letzten Stunden bei meiner Liebsten verbringen könne.
Während Jahrzehnten hatte ich das Vorrecht, in der Heiligen Schrift zu forschen. Auf diese Weise wurde in der langen Zeit insgesamt viel biblisches Wissen gespeichert. Und jedes Mal erfüllt es mich mit Genugtuung, wenn ich auf diesen reichen Schatz zurückgreifen kann, sei es in Gesprächen mit Menschen, oder wenn ich um Rat gefragt werde.